CAR-T bei Autoimmunerkrankungen: 22 von 24 Patienten erreichen Remission
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 11:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deĂber 100 klinische Studien zu CAR-T-Zelltherapien bei Autoimmunerkrankungen laufen derzeit weltweit, der ĂŒberwiegende Teil davon in den Phasen 1 und 2. Der Ansatz, patienteneigene T-Zellen gentechnisch so zu verĂ€ndern, dass sie krankheitsverursachende B-Zellen eliminieren, weckt groĂe Erwartungen in der Rheumatologie und Neurologie.
Allerdings dĂ€mpfen jĂŒngste SicherheitsvorfĂ€lle das Tempo der klinischen Entwicklung. Im August 2026 pausierte Novartis mehrere Autoimmun-Studien mit dem Wirkstoff Rapcabtagene autoleucel (rap-cel), nachdem TodesfĂ€lle infolge eines Immuneffektorzell-assoziierten HĂ€mophagozytose-Syndroms aufgetreten waren.
Zudem setzte Bristol Myers Squibb die Rekrutierung und Behandlung mit Zolacabtagene autoleucel (zola-cel) aus, nachdem sich in einer Phase-2-Studie FÀlle des neurologischen ToxizitÀtssyndroms ICANS gehÀuft hatten.
Klinische Remissionen bei schweren KrankheitsverlÀufen
Trotz dieser RĂŒckschlĂ€ge verzeichnen mehrere Forschungsgruppen deutliche Behandlungserfolge bei Patienten, die auf herkömmliche Therapien nicht mehr ansprechen.
In einer Erlanger Phase-1/2-Basket-Studie mit 24 erwachsenen Patienten mit schweren Autoimmunerkrankungen fĂŒhrte eine Einmalinfusion von Zorpo-cel zu einer mindestens 24 Wochen anhaltenden, medikamentenfreien Krankheitskontrolle bei 22 Teilnehmern. Weder FĂ€lle von ICANS noch schwere Zytokinfreisetzungssyndrome traten in dieser Untersuchung auf.
Diese Beobachtungen bauen auf frĂŒheren Pilotdaten auf. Bereits 2022 berichteten Mackensen und Kollegen ĂŒber fĂŒnf refraktĂ€re Lupus-Patienten, die nach einer vorbereitenden Chemotherapie mit Cyclophosphamid und Fludarabin autologe CD19-CAR-T-Zellen erhielten.
Alle fĂŒnf erreichten innerhalb von drei Monaten eine Remission nach den sogenannten DORIS-Kriterien, die ĂŒber fĂŒnf bis 18 Monate stabil blieb. Eine Studie von Muller et al. aus dem Jahr 2024 bestĂ€tigte dieses Bild bei acht Lupus-Patienten, die nach sechs Monaten die DORIS- sowie die LLDAS-Kriterien erfĂŒllten.
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Risikoprofil und Infektionsgefahren im Fokus
Dass der tiefgreifende Eingriff in das Abwehrsystem Risiken birgt, belegen zusammenfassende Auswertungen. Eine gepoolte Analyse aus dem Jahr 2025, die 145 Teilnehmer aus 16 Studien umfasste, ermittelte zwar eine Remissionsrate von 70 Prozent bei Lupus-Patienten, verzeichnete jedoch bei 11 Behandelten (7,6 Prozent) schwere Infektionen, darunter eine tödlich verlaufende Pneumokokken-Meningitis.
Experten von Yale Medicine weisen darauf hin, dass die Zelltherapien aktuell vor allem bei therapierefraktĂ€ren Formen von Multipler Sklerose, Lupus und Sklerodermie untersucht werden und bislang nur im Rahmen klinischer PrĂŒfungen zugĂ€nglich sind.
Zu den typischen Risiken zÀhlen neben neurologischen AusfÀllen und dem Zytokinfreisetzungssyndrom vor allem ein Abfall der Blutzellwerte und ein erhöhtes Infektionsrisiko.
Zwar gelten die Nebenwirkungen bei Autoimmunpatienten bisher als besser beherrschbar als in der Krebsmedizin, da keine hohe Tumorlast vorliegt, gröĂere Studien mĂŒssen die Dauerhaftigkeit der Therapieeffekte und die Langzeitsicherheit jedoch erst noch nachweisen.
Regulatorische HĂŒrden vor ersten Marktzulassungen
Bislang hat die US-Arzneimittelbehörde FDA seit 2017 sieben CAR-T-Zelltherapien zugelassen, ausnahmslos jedoch fĂŒr bösartige Blutkrebserkrankungen und noch keine fĂŒr Autoimmunindikationen. Dennoch bereiten erste Pharmaunternehmen ZulassungsantrĂ€ge vor: Kyverna beabsichtigt, noch im Jahr 2026 einen Antrag fĂŒr Mivocabtagene autoleucel (miv-cel) zur Behandlung des Stiff-Person-Syndroms einzureichen.
Schwere Infektionen bei 7,6 Prozent der Behandelten, dazu pausierte Studien nach ICANS und HĂ€mophagozytose â wer CAR-T bei Autoimmunpatienten erwĂ€gt, braucht ein belastbares Risikoprofil. Die Checkliste fĂŒhrt durch CRS, Zellabfall und Infektionsmanagement vor der Einmalinfusion. Risiko-Checkliste jetzt sichern
Parallel treiben europÀische Aufsichtsbehörden weitere klinische Vorhaben voran. So genehmigte die italienische Arzneimittelbehörde AIFA am 5. Oktober die öffentlich geförderte Phase-I-Basket-Studie Betelgeuse, an der spezialisierte Zentren in Bologna, Rom und Reggio Emilia beteiligt sind, um den Einsatz von CAR-T-Zellen bei therapierefraktÀren rheumatologischen und neurologischen Autoimmunerkrankungen weiter zu untersuchen.
