Cephalosporine: Drei Rezepte und sechsmal höhere Reizdarm-Chance
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 14:23 Uhr | Redaktion boerse-global.deWissenschaftliche Untersuchungen weisen auf eine Verbindung zwischen der Einnahme von Antibiotika im Kindes- und Jugendalter und einem erhöhten Risiko für das Reizdarmsyndrom im frühen Erwachsenenalter hin.
Forscher des Sahlgrenska-Universitätskrankenhauses und der Universität Göteborg stellten entsprechende Auswertungen am 19. Oktober 2026 auf der Fachkonferenz UEG Week in Barcelona vor. Das Reizdarmsyndrom gilt als weit verbreitete Magen-Darm-Erkrankung, die laut Berichten über 60 Millionen Menschen in Europa betrifft.
Datenbasis der schwedischen BAMSE-Kohorte
Die Grundlage der Untersuchung bildet die schwedische BAMSE-Geburtskohorte, die 2853 Teilnehmer umfasst. Über das Schwedische Arzneimittelregister wurden die Verordnungen von Antibiotika ab dem Jahr 2005, als sich die Probanden im Alter von 9 bis 11 Jahren befanden, bis zu einem Jahr vor der Erfassung des Reizdarmsyndroms im Alter von 24 Jahren lückenlos dokumentiert.
Bei der abschließenden Bewertung nach den standardisierten Rom-IV-Kriterien litten 10,0 Prozent der 24-jährigen Teilnehmer an einem Reizdarmsyndrom. Innerhalb dieser betroffenen Gruppe machten Frauen mit 79,4 Prozent den Großteil aus.
Beim Abgleich der Medikationshistorie zeigte sich eine Antibiotika-Exposition bei 87,8 Prozent der Personen mit Reizdarmsyndrom, während der Anteil in der Gruppe ohne die Erkrankung bei 80,2 Prozent lag. Nach einer statistischen Adjustierung für Geschlecht und sozioökonomischen Status ergab sich für jede Antibiotika-Einnahme eine Odds Ratio von 1,5 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,0–2,2).
Wer sich mit chronischen Darmbeschwerden oder Verdauungsproblemen befasst, sollte auch die Rolle von Entzündungsprozessen im Körper nicht unterschätzen. Dieser kostenlose Ratgeber bietet einen Selbsttest und zeigt, wie man durch gezielte Ernährung Beschwerden lindern kann. Die 12 stärksten Entzündungs-Killer jetzt gratis entdecken
Dosis-Wirkungs-Beziehung und Wirkstoffklassen
In den Daten zeigte sich eine Dosis-Wirkungs-Beziehung mit einem Trend-Signifikanzwert von p unter 0,001. Während sich bei ein bis zwei Verschreibungen mit einer Odds Ratio von 1,3 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,9–2,0) kein statistisch eindeutiger Unterschied abzeichnete, stieg die Wahrscheinlichkeit bei höherer Exposition an.
Bei drei bis fünf Rezepten lag die Odds Ratio bei 1,6 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,0–2,4), ab sechs Verordnungen betrug sie 1,7 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,1–2,6).
Auch spezifische Substanzklassen wurden separat analysiert. Für die Gruppe der Tetracycline ermittelten die Forscher eine Odds Ratio von 1,4 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,1–1,8).
Bei der Verordnung von mindestens drei Cephalosporin-Rezepten lag die Odds Ratio bei 6,0 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,9–18,8), wobei hier ein breites Konfidenzintervall vorliegt.
Medikamente können weitreichende Folgen für die Gesundheit haben, die oft erst Jahre später sichtbar werden. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie Ihre wichtigsten Laborwerte selbst richtig deuten und Mängel frühzeitig erkennen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck hier anfordern
Methodische Grenzen und ärztliche Einordnung
Trotz der beobachteten Häufung betonen die Studienautoren die Grenzen des Formats. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, ist ein ursächlicher Zusammenhang nicht belegt. Zudem wurden bei der Analyse mit dem Geschlecht und dem sozioökonomischen Status lediglich zwei Adjustierungsfaktoren berücksichtigt, und die Datenbasis stützt sich zunächst auf ein Kongressabstract.
Die Ergebnisse gelten daher als vorläufig, weshalb das Autorenteam weiteren Forschungsbedarf anmeldet. Dennoch mahnen die beteiligten Wissenschaftler, unnötige Verordnungen im Kindes- und Jugendalter zu vermeiden und Antibiotika weiterhin ausschließlich bei klarer medizinischer Indikation einzusetzen.
