CEST-MRT bei 7 Tesla: DZNE und DKFZ kartieren Proteine im Körper
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 16:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Moderne bildgebende Verfahren spielen eine zentrale Rolle bei der Erforschung komplexer Krankheitsmechanismen. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) arbeiten an der Optimierung der chemisch sensitiven MRT-Technik Chemical Exchange Saturation Transfer (CEST) bei einer Feldstärke von 7 Tesla.
Ziel der gemeinsamen Forschungsinitiative ist es, die räumliche Verteilung von Proteinen und großen Biomolekülen im menschlichen Körper detailliert zu kartieren, um sowohl neurodegenerative Erkrankungen als auch Krebserkrankungen besser zu verstehen, wie aus einem Bericht vom 06.10.2026 hervorgeht.
Hochfeld-MRT zur Kartierung von Biomolekülen
Die Methode des CEST-MRT nutzt physikalische Wechselwirkungen auf molekularer Ebene aus. Durch den Austausch von Protonen zwischen bestimmten Molekülen und dem umgebenden Wasser lassen sich chemische Verbindungen sichtbar machen, die in herkömmlichen Magnetresonanztomografen schwer darstellbar sind. Der Einsatz bei einer Feldstärke von 7 Tesla bietet dabei entscheidende Vorteile für die Signalstärke und die räumliche Auflösung.
Nach Angaben von DZNE und DKFZ ist ein Magnetfeld von 7 Tesla etwa 100.000-mal stärker als das natürliche Erdmagnetfeld. Diese enorme Feldstärke erlaubt es, feinste biochemische Prozesse im Gewebe nachzuvollziehen und Veränderungen in der Konzentration relevanter Proteine sichtbar zu machen.
Auf diese Weise können Wissenschaftler biochemische Abweichungen im Körper lokalisieren, noch bevor strukturelle Gewebeschäden makroskopisch erkennbar werden.
Klinische Anwendungen bei Neurodegeneration und Onkologie
Die Optimierung der Technologie zielt auf konkrete medizinische Einsatzfelder in zwei großen Fachbereichen ab. Das DZNE plant im Rahmen des Vorhabens Untersuchungen an Menschen mit Alzheimer und Parkinson.
Herkömmliche MRT stößt bei Biomolekülen schnell an ihre Grenzen. Der chemisch sensitive CEST-Ansatz bei 7 Tesla macht Protonenaustausch sichtbar und erlaubt Einblicke in biochemische Abweichungen, bevor strukturelle Gewebeschäden erkennbar werden. Der kostenlose Praxis-Überblick erklärt Schritt für Schritt, wie die Methode funktioniert und wo sie bei Neurodegeneration und Onkologie ansetzt. Praxis-Überblick zur CEST-MRT jetzt anfordern
Da neurodegenerative Prozesse eng mit fehlerhaften Faltungen und Ablagerungen bestimmter Proteine im Gehirn verknüpft sind, verspricht die verbesserte Darstellung von Biomolekülen vertiefte Einblicke in frühe Krankheitsstadien dieser Demenz- und Bewegungsstörungen.
Parallel dazu richtet das DKFZ den Fokus auf die Onkologie: Hier sind CEST-MRT-Untersuchungen an Krebspatienten vorgesehen. Bei Tumorerkrankungen verändert sich häufig der Proteinhaushalt und der Stoffwechsel im betroffenen Gewebe. Die molekulare Kartierung soll dazu beitragen, Tumoreigenschaften und biologische Aktivitätsmuster präziser zu charakterisieren.
Forschungskooperation und finanzielle Förderung
Die Kooperation bündelt wissenschaftliche Expertise über mehrere Einrichtungen hinweg. Die Leitung des Gesamtprojekts liegt bei Prof. Tony Stöcker vom DZNE Bonn. Als Projektstandorte fungieren Bonn und Heidelberg, womit die Ressourcen der beiden Forschungszentren direkt miteinander verknüpft werden.
Bei Alzheimer und Parkinson entscheiden frühe Krankheitsstadien über den weiteren Verlauf — doch fehlerhafte Proteinfaltungen und Ablagerungen lassen sich bislang kaum früh genug darstellen. Der Leitfaden ordnet ein, welche Rolle die molekulare Kartierung mit 7-Tesla-CEST-MRT für neurodegenerative Marker künftig spielen könnte und was Forschende an den Standorten Bonn und Heidelberg planen. Leitfaden zu neurodegenerativen Markern sichern
Für das Vorhaben stellen das DZNE, das DKFZ und die Helmholtz-Gemeinschaft eine Projektinvestition von rund 800.000 Euro bereit. Zudem arbeiten DZNE und DKFZ im Rahmen dieses Projekts mit dem Medizintechnikunternehmen Siemens Healthineers zusammen, um die technologische Entwicklung und apparative Umsetzung des 7-Tesla-CEST-MRT weiter voranzutreiben.
