CGM-Sensoren: Messabweichungen können Diabetes-Therapieentscheidungen verÀndern
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deKontinuierliche Glukosemesssysteme (CGM) sind aus der modernen Diabetestherapie kaum mehr wegzudenken. Dennoch rĂŒcken Unterschiede zwischen den Systemen verstĂ€rkt in den Fokus wissenschaftlicher Debatten.
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und weitere Fachgesellschaften fordern europaweit einheitliche und verbindliche Standards fĂŒr CGM-GerĂ€te. Anlass dafĂŒr sind teils deutliche Abweichungen bei Glukosewerten und Kennzahlen, die Sensoren verschiedener Hersteller ermitteln.
Abweichende Messergebnisse beeinflussen Therapieentscheidungen
Wie eine kleine Vergleichsstudie in der Fachzeitschrift Diabetes Care darlegt, können die Messunterschiede zwischen verschiedenen Systemen gravierend sein. Demnach weichen die Ergebnisse so stark voneinander ab, dass sie in der Praxis zu unterschiedlichen Therapieentscheidungen fĂŒhren wĂŒrden.
Ein deutsches Forschungsteam untersuchte diesen Effekt bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes, die drei CGM-Systeme parallel trugen. Die GerÀte lieferten bei identischen Personen abweichende Zuckerwerte.
Je nachdem, welches Modell herangezogen wurde, galt dasselbe Therapieziel entweder als erreicht oder als verfehlt. Fachleute fĂŒhren diese Diskrepanzen auf die jeweilige Messtechnik und die Software zur Berechnung der Insulindosierung zurĂŒck, nicht auf das Verhalten der Patienten.
Gleichwohl betont die DDG, dass die ĂŒberwiegende Mehrheit der in Europa erhĂ€ltlichen CGM-Systeme nach EinschĂ€tzung von Experten als sicher und leistungsfĂ€hig einzustufen ist.
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Technische Unterschiede und fehlende europÀische Vorgaben
Als Ursache fĂŒr die abweichenden Werte verweist die DDG auf technische Unterschiede der Produkte. Die Hersteller nutzen eigene Algorithmen, unterschiedliche Messverfahren und greifen auf verschiedenes Referenzblut zurĂŒck. Zugleich fehlen bisher klare gesetzliche Richtlinien: Die EuropĂ€ische Union hat bislang nicht verbindlich festgelegt, auf welche Weise Hersteller die Genauigkeit ihrer Sensoren belegen mĂŒssen.
Um diese LĂŒcke zu schlieĂen, drĂ€ngen die Fachgesellschaften auf eine europaweit einheitliche ISO-Norm. Als Grundlage könnten das US-amerikanische Label iCGM sowie die im Jahr 2025 veröffentlichten europĂ€ischen Mindestanforderungen (âEuropean CGM Minimum Expectationsâ, eCGM) dienen, ergĂ€nzt durch Empfehlungen der IFCC.
Auf regulatorischer Ebene bietet die EuropĂ€ische Kommission mit dem âMedical Devices Snapshotâ (Stand September 2026) einen Ăberblick ĂŒber harmonisierte Normen fĂŒr Medizinprodukte, deren Annahme durch CEN und CENELEC sich im Endstadium befindet.
Internationale Initiativen und Empfehlungen fĂŒr die Praxis
Auch auĂerhalb Europas wird an QualitĂ€tskriterien gearbeitet. Die Sociedad Mexicana de NutriciĂłn y EndocrinologĂa (SMNE) formulierte in der Publikation Revista Mexicana de EndocrinologĂa, Metabolismo & NutriciĂłn neue Mindestkriterien zur QualitĂ€tsbewertung von CGM-Systemen.
Der Konsens umfasst fĂŒnf Bereiche: analytische Genauigkeit, klinische Evidenz, Kalibrierungsmodelle, klinische Interpretation sowie GerĂ€tesicherheit und Anwendersupport.
Der Hauptautor Dr. Eduardo MĂĄrquez-RodrĂguez stellte klar, dass eine einzelne Kennzahl fĂŒr Genauigkeit nicht ausreiche und der Leitfaden keine staatliche Zulassung ersetze. In China liegt zudem mit der Norm T/GDNAS 040-2023 eine Vorgabe fĂŒr die Glukosemessung in der Pflege vor.
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FĂŒr den klinischen Alltag formulieren Experten konkrete Handlungsempfehlungen. Das deutsche Forschungsteam rĂ€t Betroffenen, den Blutzucker regelmĂ€Ăig zusĂ€tzlich mit herkömmlichen MessgerĂ€ten zu ĂŒberprĂŒfen.
Bei einem Wechsel des GerĂ€temodells sollten alte und neue Werte verglichen und vorĂŒbergehend hĂ€ufigere Kontrollmessungen durchgefĂŒhrt werden â insbesondere bei Ă€lteren Menschen mit reduzierter Körperwahrnehmung.
Um die Handhabung im Pflegebereich zu optimieren, empfehlen Forschende am Kyoto Medical Center zudem praktische Trainings fĂŒr PflegekrĂ€fte, etwa durch Online-LeitfĂ€den und strukturierte FallĂŒbungen.
