Character.AI-Verkauf: 39 US-Bundesstaaten legen rechtlichen Einspruch ein
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 23:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deIm Insolvenzverfahren des KI-Start-ups Character Technologies formiert sich breiter juristischer Widerstand aus der US-Politik. Am 14. Oktober 2026 reichten das Justizministerium des Bundesstaats Wisconsin und zahlreiche weitere Bundesstaaten einen gemeinsamen rechtlichen Einspruch beim zuständigen Insolvenzgericht ein.
Nach Angaben des Generalstaatsanwalts von Minnesota umfasst die Koalition Wisconsin und 40 weitere US-Bundesstaaten, während Unterlagen des Justizministeriums von Wisconsin den Zusammenschluss mit 38 weiteren Staaten ausweisen.
Ziel des juristischen Schritts ist es, verbindliche Auflagen für den Kinder- und Verbraucherschutz bei einer Veräußerung der Unternehmenswerte durchzusetzen. Die Staaten behalten sich zudem ausdrücklich vor, den geplanten Verkauf anzufechten.
Vorwürfe wegen Sicherheitsrisiken und Datenschutz
Die beteiligten Bundesstaaten werfen Character Technologies vor, Chatbots trotz bekannter Sicherheitsrisiken gezielt an Minderjährige sowie Erwachsene vermarktet zu haben. Dabei seien hochsensible Konversationen über psychische Gesundheit und persönliche Beziehungen erfasst worden. Zwar hatte das Unternehmen nach dem Suizid eines 14-Jährigen und darauf folgenden Klagen den Zugang formell auf Nutzer ab 18 Jahren beschränkt.
Die Bundesstaaten argumentieren jedoch, dass diese freiwilligen Beschränkungen leicht zu umgehen seien und von einem künftigen Erwerber jederzeit rückgängig gemacht werden könnten. Deshalb fordern die Behörden, dass jegliche Veräußerung von Vermögenswerten an strenge Datenschutz- und Sicherheitsvorgaben gekoppelt wird.
Die Plattform ermöglichte Nutzern die Interaktion mit realen und fiktiven Figuren, darunter Zeichentrickfiguren, Prominente sowie selbsternannte Psychologen und Therapeuten.
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Insolvenz und geplanter Teilverkauf an Disney
Character Technologies hatte am 12. Oktober 2026 beim US-Insolvenzgericht in Delaware einen freiwilligen Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11 eingereicht. Das Verfahren wird unter der Fallnummer 26-11603 (BLS) geführt. Aus den Gerichtsunterlagen gehen Verbindlichkeiten in Höhe von 50 bis 100 Millionen US-Dollar hervor.
Monatlich verzeichnete das Unternehmen Verluste von rund 8 bis 9 Millionen US-Dollar. Trotz einer Nutzerbasis von 12 Millionen Kunden erwirtschaftete der Anbieter keine Gewinne. Zu den 20 größten ungesicherten Gläubigern mit Forderungen von über 10,6 Millionen US-Dollar zählen Google mit mehr als 4 Millionen US-Dollar sowie fünf Großkanzleien mit zusammen 2,6 Millionen US-Dollar.
Das 2021 von Noam Shazeer und Daniel De Freitas gegründete Unternehmen war 2023 noch mit einer Milliarde US-Dollar bewertet worden. Im Jahr 2024 zahlte Google 2,7 Milliarden US-Dollar für die Lizenzierung der Technologie und die Rückkehr der beiden Gründer.
Nun hat Character Technologies zugestimmt, Vermögenswerte für 20 Millionen US-Dollar an ein Disney-Unternehmen als Erstbieter zu veräußern. Das Gebot von Disney umfasst eine nicht-exklusive, unbefristete Lizenz an bestimmten geistigen Eigentumsrechten sowie weitere ausgewählte Vermögenswerte.
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Ausdrücklich nicht enthalten sind die Anwendung selbst, die Marke, Nutzerdaten oder private Chatverläufe. Disney hat nicht zugesichert, den Betrieb des Chatbots fortzuführen. Nach Angaben von Character Technologies könnte die Plattform durch den Verkauf fortbestehen, müsste ohne weitere Gebote jedoch schließen. Der Abschluss des Verkaufs wird für Ende November oder Anfang Dezember erwartet.
Zusätzlich verpflichtete sich Disney, mindestens 60 Mitarbeitern von Character Technologies Arbeitsangebote mit einer geschätzten jährlichen Vergütung von 60 Millionen US-Dollar zu unterbreiten, die größtenteils angenommen wurden.
Berichten zufolge beläuft sich Disneys Gesamtaufwand über drei Jahre auf rund 180 Millionen US-Dollar für 66 Mitarbeiter, inklusive etwa 30 Millionen US-Dollar an Bindungsanreizen; 56 der betroffenen Mitarbeiter haben das Start-up bereits verlassen.
