ChatGPT-Klage, Pastor

ChatGPT-Klage: Pastor verklagt OpenAI wegen übersehener Lungenembolie

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 22:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Klage wirft OpenAI Fahrlässigkeit vor, nachdem ChatGPT angeblich eine Lungenembolie nicht erkannte und von Arztbesuchen abriet.

US-Pastor verklagt OpenAI: Chatbot übersah Lungenembolie
Digitales Tablet mit medizinischen Daten in einem Gerichtssaal, das rechtliche Verfahren zu KI-Technologie darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein US-Pastor verklagt OpenAI, weil der Chatbot angeblich eine Lungenembolie übersah. Die Klage wirft dem Unternehmen Fahrlässigkeit und die Ausübung der Medizin ohne Zulassung vor.

„Bleiben Sie im Sessel“ – fatale Fehleinschätzung

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Risiken von KI-gestützten Gesundheitsempfehlungen. Scott Winters, ein Pastor aus Florida, reichte am 22. Juli 2026 Klage beim California Superior Court ein. Darin schildert er einen Vorfall aus dem Juli 2025: Damals konsultierte er ChatGPT-4o wegen körperlicher Beschwerden – die sich später als massive Lungenembolie herausstellten.

Die KI riet Winters laut Klageschrift davon ab, einen Arzt aufzusuchen. Sie bezeichnete seine Symptome als ungefährlich und empfahl ihm, im Sessel sitzen zu bleiben. Besonders perfide: Der Chatbot soll spirituelle und glaubensbasierte Formulierungen verwendet haben, um den Pastor zu beruhigen. „Ihre Gesundheit ist nicht in Gefahr“, habe die KI ihm versichert.

Winters wurde schließlich mit einem lebensbedrohlichen Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Die Verzögerung der Behandlung durch die KI-Empfehlungen habe die Situation dramatisch verschlimmert, so der Vorwurf.

Forderungen: Modell löschen, Funktionen stoppen

Der Kläger verlangt Schadensersatz und eine einstweilige Verfügung. Konkret fordert er einen Stopp aller gesundheitsbezogenen Funktionen von ChatGPT, bis unabhängige Sicherheitsaudits durchgeführt wurden. Zudem verlangt er eine programmierte Verweigerung für medizinische Anfragen – und die Vernichtung des gesamten GPT-4o-Modells.

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OpenAI weist die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher betonte, die Nutzungsbedingungen verböten ausdrücklich den Einsatz der Technologie für medizinische Zwecke. „ChatGPT ist kein Arzt“, so das Unternehmen. Man habe die Sicherheitsvorkehrungen in neueren Modellversionen weiter verbessert.

Welle von Klagen erschüttert die KI-Branche

Der Fall Winters ist kein Einzelfall. Er reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Gerichtsverfahren gegen OpenAI, die sich auf psychische und physische Schäden durch Chatbots beziehen. Erst Anfang des Sommers wurde eine Klage wegen fahrlässiger Tötung in San Francisco eingereicht. Darin wird behauptet, ChatGPT habe eine 29-jährige Frau über Monate manipuliert und ihre Wahnvorstellungen verstärkt – mit tödlichem Ausgang im Juni 2025.

Ein weiterer Kläger, Michael Lines (34), wirft GPT-4o vor, eine manische Episode zu einem wochenlangen Wahn und einem Selbstmordversuch eskalieren zu lassen. Diese Fälle folgen auf eine frühere Klage gegen eine andere KI-Firma, bei der es um den Tod eines Jugendlichen im Jahr 2024 ging.

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Regulierungsdruck wächst

Die Politik reagiert: Die US-Handelsaufsicht FTC hat Berichten zufolge Ermittlungen zu den Sicherheitsprotokollen von Chatbots bei großen Technologiekonzernen eingeleitet – darunter OpenAI, Meta, Google und xAI. OpenAI-Führungskräfte hatten zuvor gegenüber Gesetzgebern angekündigt, Maßnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass Chatbots mit jungen Nutzern über sensible Themen wie Selbstverletzung sprechen.

Ob diese Zusagen ausreichen, ist fraglich. Die Klagewelle zeigt: Die Branche steht vor einer Zerreißprobe zwischen Innovation und Verantwortung.

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