ChatGPT-Werbung: OpenAI plant 100-Milliarden-Kanal bis 2030
26.06.2026 - 18:37:00 | boerse-global.de
Auf dem Werbefestival in Cannes prÀsentierte das Unternehmen diese Woche seine ehrgeizigen PlÀne.
Vom Chatbot zur Werbemaschine
OpenAI sieht in ChatGPT einen neuen Kanal fĂŒr das, was die FĂŒhrungsspitze als âIntelligenz-Ăkonomieâ bezeichnet. Die Idee: Werbung dort platzieren, wo Nutzer ohnehin in einer kaufbereiten Phase stecken. Chief Revenue Officer Denise Dresser und Werbechef David Dugan stellten das Konzept in Cannes vor â und die Zahlen klingen vielversprechend.
Rund 20 Prozent aller ChatGPT-Anfragen zeigen demnach kommerzielles Interesse. Besonders in den Bereichen Reisen, Einzelhandel, Gesundheit und Finanzen sind die Nutzer auf der Suche nach konkreten Angeboten.
Preise im freien Fall â und neue Modelle
Das Werbepilotprojekt startete am 10. Februar 2026 zunĂ€chst in den USA fĂŒr Nutzer der kostenlosen und der âGoâ-Version. Inzwischen ist es auf sieben LĂ€nder ausgeweitet. Die Preise entwickelten sich rasant: Die anfĂ€nglichen Tausend-Kontakt-Preise (CPM) von 60 Euro fielen innerhalb von zehn Wochen auf 25 Euro.
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OpenAI reagierte mit einem Wechsel auf ein Kosten-pro-Klick-Modell (CPC). Die aktuellen Raten liegen zwischen drei und fĂŒnf Euro pro Klick. Trotz der Preisschwankungen zeigt sich das Unternehmen zufrieden: Die Werbeerlöse erreichten annualisiert 100 Millionen Euro â mit weniger als 600 Werbekunden und in weniger als zwei Monaten.
Milliardenschwere Ziele und BörsenplÀne
Bis Ende 2026 will OpenAI mit Werbung 2,5 Milliarden Euro umsetzen. Das Geld wird dringend gebraucht: 2025 gab der Konzern 34 Milliarden Euro aus, bei Einnahmen von nur 13 Milliarden â ein gewaltiges operatives Minus.
Die Werbeoffensive fĂ€llt mit den BörsenplĂ€nen zusammen. Am 8. Juni 2026 reichte OpenAI vertrauliche Unterlagen fĂŒr den Börsengang ein. CEO Sam Altman pocht angeblich auf eine Bewertung von ĂŒber einer Billion Euro. Nach der Umwandlung in ein gewinnorientiertes Unternehmen im Oktober 2025 lag der Wert noch bei 500 Milliarden Euro. Aktuelle private Bewertungen erreichen inzwischen 730 Milliarden Euro.
Doch nicht alle sind optimistisch: Einige Berater raten zu einem Aufschub des Börsengangs bis 2027. Grund sind die jĂŒngste MarktvolatilitĂ€t und der Kursrutsch von SpaceX nach dessen BörsendebĂŒt Anfang Juni 2026.
Expansion in neue MĂ€rkte
OpenAI weitet sein Werbeangebot derzeit auf Brasilien und Mexiko aus, Indien soll folgen. FĂŒr englischsprachige MĂ€rkte gibt es bereits einen Self-Service-Werbeanzeigenmanager ohne Mindestausgaben â ein Angebot, das Tausende von Werbetreibenden anlocken soll.
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Partnerschaften mit Criteo, Adobe, LiveRamp und StackAdapt stÀrken die Werbeinfrastruktur. Auch E-Commerce-Integrationen mit Shopify und Stripe sind in Planung.
Werbung ja, aber mit klaren Grenzen
Um das Vertrauen der Nutzer nicht zu verspielen, betont OpenAI: Anzeigen bleiben klar gekennzeichnet und strikt von organischen GesprÀchsergebnissen getrennt. Nutzerdaten werden nicht an Werbekunden weitergegeben. Werbung erscheint zudem nur in den kostenlosen Versionen.
Ein entscheidender Unterschied zur Konkurrenz: Sowohl Google als auch Anthropic halten ihre Chatbot-OberflÀchen bislang werbefrei. Ob das so bleibt, ist angesichts der Milliarden-Vision von OpenAI fraglich.
