China: 280 Milliarden Euro für eigene KI-Infrastruktur
Veröffentlicht: 01.07.2026 um 21:24 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die chinesische Regierung hat ein Bündel von Maßnahmen vorgestellt, das die technologische Unabhängigkeit des Landes massiv beschleunigen soll. Im Kern geht es um den Aufbau einer eigenen KI-Infrastruktur – mit klaren Vorgaben für heimische Lieferanten.
2 Billionen Yuan für heimische Rechenzentren
Die Pläne sind gewaltig: Rund 2 Billionen Yuan (etwa 280 Milliarden Euro) will China in den nächsten fünf Jahren in den Bau von KI-Rechenzentren stecken. Die Vorgabe der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform (NDRC): Mindestens 80 Prozent der Kerninfrastruktur müssen von chinesischen Anbietern stammen.
Analysten von UBS und Standard Chartered rechnen damit, dass vor allem Huawei, China Mobile und China Telecom von diesem Kurs profitieren. Auch Spezialanbieter wie Zhipu – mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet rund 120 Milliarden Euro – und GDS Holdings stehen im Fokus. Zhipu konnte seinen Umsatz im ersten Quartal 2025 um 131,9 Prozent steigern.
Premier Li Qiang gibt die Richtung vor
Bereits am 29. Juni hatte Premier Li Qiang eine Sitzung des Staatsrats geleitet, die sich den Fortschritten in der KI und im Außenhandel widmete. Die zentrale Botschaft: Durchbrüche in der Kernforschung und klare Sicherheitsgrenzen für die KI-Entwicklung. Der sogenannte AI+-Aktionsplan sieht den Aufbau extrem großer KI-Rechencluster und eine verstärkte Datenversorgung vor.
Schon Ende 2025 hatte Chinas KI-Kernindustrie die Marke von 1,2 Billionen Yuan (rund 170 Milliarden Euro) überschritten – getragen von mehr als 6.000 Unternehmen.
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Neuer Masterplan für das industrielle Internet
Am 1. Juli legte das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) gemeinsam mit sieben weiteren Behörden eine umfassende Roadmap für das industrielle Internet vor. Die Ziele sind ambitioniert:
- 50.000 industrielle 5G-Privatnetze bis 2030
- Mehr als 2,5 Billionen Yuan zusätzliche Wertschöpfung durch das industrielle Internet in fünf Jahren
- Fünf internationale Plattformen, die bis 2035 die globalen Standards setzen sollen
Der Plan markiert einen strategischen Wandel: Weg von der reinen Konnektivität, hin zu integrierten Anwendungen und echter Umsetzung in der Produktion.
Strengere Regeln für Technologietransfer
Parallel zur Investitionsoffensive verschärft Peking die Kontrollen. Seit dem 1. Juli gelten neue nationale Sicherheitsvorschriften für Auslandsinvestitionen. Sie schaffen einen rechtlichen Rahmen für die Überprüfung von Kapital- und Personalflüssen ins Ausland – inklusive des Exports von Dienstleistungen durch technische Experten und Schulungen.
Die Regierung ermächtigt sich zudem zu Gegenmaßnahmen gegen ausländische Handelshemmnisse und schränkt nicht genehmigte Technologietransfers ein.
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China Mobile startet KI-Token-Geschäft
Ein konkretes Beispiel für die Kommerzialisierung: China Mobile hat am 1. Juli sein „Token Office“ gestartet. Die neue Einheit soll KI-Token vermarkten, Preismodelle entwickeln und die Einhaltung der Vorschriften sicherstellen. Der Staatskonzern wechselt damit von Pilotprojekten zur standardisierten, landesweiten Einführung von KI-Produkten.
Industrie zeigt sich robust
Die Maßnahmen fallen in eine Phase stabilen Wachstums. Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe stieg im Juni auf 50,3 Punkte – nach 50,0 im Mai. Treiber waren vor allem Technologieexporte und ein Anstieg der Auftragseingänge. Für das Gesamtjahr 2026 peilt die Regierung ein Wachstum zwischen 4,5 und 5 Prozent an.
