China beschleunigt Windows-Ausstieg: Umstieg auf Linux vorgezogen
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 14:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
China verschärft seine Bemühungen um digitale Souveränität in der staatlichen Verwaltung. Das Ministerium für Staatssicherheit hat staatliche Stellen angewiesen, die speziell angepasste Version von Windows 10 konsequent zu entfernen. Der ursprünglich für Februar 2027 vorgesehene Zeitplan für den vollständigen Umstieg auf Linux-basierte Betriebssysteme wird damit deutlich vorgezogen.
Vorzeitiger Abschied von Microsoft-Software
Betroffen von dieser Anweisung ist die Windows-10-Variante, die von C&M Information Technologies entwickelt wurde. Bei diesem Unternehmen handelt es sich um ein Joint Venture zwischen Microsoft und der China Electronics Technology Group. Die Behörden verlangen nun eine beschleunigte Ablösung dieser Systeme durch Linux-Alternativen.
Microsoft reagierte auf die Entwicklungen mit der Erklärung, dass dem Unternehmen derzeit keine Sicherheitsvorfälle bekannt seien, welche die Entscheidung der chinesischen Sicherheitsbehörden unmittelbar begründen würden. Dennoch verdeutlicht die Maßnahme den Bestreben Pekings, die Abhängigkeit von ausländischer Software in kritischen Infrastrukturen zu minimieren.
Marktanteile und Reaktionen der Finanzmärkte
Trotz der staatlichen Vorgaben dominiert Windows den chinesischen Desktop-Markt weiterhin massiv. Im Juli 2026 lag der Marktanteil des Betriebssystems in China bei 87,64 Prozent. Die jüngste Anordnung der Regierung löste jedoch unmittelbare Reaktionen an den Börsen aus.
Aktien von Softwareunternehmen, die als potenzielle Profiteure der Umstellung gelten, verzeichneten deutliche Kursgewinne. Die Papiere von Hunan Kylinsec und Archermind stiegen um jeweils 20 Prozent, während die Aktie von China National Software ein Plus von 10 Prozent verbuchte.
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Branchenanalysten schätzen das Volumen des Marktes für heimische Betriebssysteme für das Jahr 2025 auf etwa 25 Milliarden Yuan. Dieser wachsende Markt wird zunehmend durch staatliche Vorgaben gestützt, die nationale Produkte gegenüber internationalen Lösungen bevorzugen.
Fokus auf nationale Betriebssysteme
Zentrale Beschaffungsstellen in China führen Windows bereits nicht mehr als verfügbare Option für staatliche Aufträge. Stattdessen werden in den offiziellen Listen ausschließlich Linux-Lösungen wie Kylin OS, UOS und Zhongke Fangde geführt. Grundlage für diesen Ausschluss ist eine Sicherheits- und Zuverlässigkeitsbewertung, die bereits im Jahr 2023 durchgeführt wurde.
Als primäre Ersatzlösungen für die staatliche Verwaltung gelten Kylin und Unity OS. Auch andere nationale Schwergewichte der Technologiebranche passen ihre Strategien an. So nutzt Huawei nach dem Ablauf von Windows-Lizenzen verstärkt das eigene Betriebssystem HarmonyOS.
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Internationaler Kontext der digitalen Souveränität
China steht mit dem Vorhaben, staatliche IT-Infrastrukturen unabhängiger von US-amerikanischen Softwareanbietern zu gestalten, nicht allein. Das Bestreben nach einer stärkeren digitalen Souveränität ist ein globaler Trend.
Ähnliche Maßnahmen und strategische Überlegungen zur Reduzierung von Software-Abhängigkeiten werden derzeit auch in europäischen Ländern wie Frankreich, Deutschland, Dänemark und Österreich forciert. Die Entwicklungen in China gelten in diesem Zusammenhang als einer der bisher weitreichendsten Schritte zur Etablierung nationaler Software-Ökosysteme in der öffentlichen Verwaltung.
