China-Luxusmarkt: Songmont +90%, Richemont -23%
29.05.2026 - 21:14:07 | boerse-global.deEnde Mai folgt die Schließung auf die bereits im März 2025 erfolgte Aufgabe des Standorts in Chongqing. Es ist ein Wendepunkt für europäische Premiummarken im zweitgrößten Wirtschaftsraum der Welt.
Konsumflaute trifft Luxussegment hart
Der 48.000 Quadratmeter große Standort war seit 2013 in Betrieb. Seine Schließung spiegelt eine tiefgreifende Krise im chinesischen Luxussektor wider. Laut Bain & Company dürfte der Markt für Luxusgüter in China 2025 um 3 bis 5 Prozent schrumpfen – nach Rückgängen von 17 bis 19 Prozent im Vorjahr.
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Aktuelle Daten untermauern den Trend: Das Wachstum der Konsumausgaben erreichte im April den schwächsten Stand seit drei Jahren. Analysten führen die Entwicklung auf wirtschaftliche Unsicherheit und einen Wandel im Konsumverhalten zurück. Chinesische Käufer agieren preisbewusster und rücken von der Logik prominenter Markenlogos ab.
Galeries Lafayette will künftig auf kleinere Formate setzen. Doch Experten beobachten eine generelle Zurückhaltung bei ausländischen Premium-Anbietern.
Lokale Marken auf dem Vormarsch
Während westliche Konzerne teils Einbußen von bis zu 50 Prozent hinnehmen müssen, legen chinesische Luxusmarken massiv zu. Songmont meldete zuletzt ein Umsatzplus von 90 Prozent, Laopu Gold sogar 233 Prozent. Die Cartier-Mutter Richemont verlor dagegen 23 Prozent im gleichen Segment.
Auch im Autosektor zeigt sich der Trend. Ferrari präsentierte im Mai sein erstes Elektroauto „Luce“ zu einem Preis von 640.000 US-Dollar – und erntete deutliche Kritik am Design. Die Aktie fiel um 6 Prozent. In China, wo Elektroautos mittlerweile über 50 Prozent der Neuzulassungen ausmachen, dominieren lokale Hersteller das Oberklasse-Segment. Der Maextro S800, eine Kooperation von JAC und Huawei, verkaufte sich trotz eines Preises von über 140.000 US-Dollar bereits mehr als 18.000 Mal.
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Strategische Neuausrichtung bei den Großen
Der Abwärtstrend zwingt Branchenriesen zu personellen Konsequenzen. Estée Lauder, dessen Marktwert von 130 Milliarden US-Dollar (2021) auf rund 34,9 Milliarden gefallen ist, kündigte den Rücktritt von CEO Fabrizio Freda für Ende des Geschäftsjahres 2025 an. Neben der schwachen China-Nachfrage gilt eine veraltete Markenwahrnehmung als Grund für die Verluste.
Einige Unternehmen setzen auf Kooperationen. Der französische Kering-Konzern beteiligte sich an der chinesischen Marke Icicle, um von der Beliebtheit heimischer Produkte zu profitieren. Marktbeobachter wie Morningstar sehen grundsätzlich Erholungspotenzial – die privaten Ersparnisse in China bleiben hoch. Doch eine Rückkehr zur alten Wachstumsdynamik für westliche Marken? Ohne Anpassung an die neuen lokalen Konsumgewohnheiten unwahrscheinlich.
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