Chinas erste Roboter-Superfabrik: 10.000 Humanoide pro Jahr
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das chinesische Robotik-Unternehmen UBTECH hat die Inbetriebnahme einer neuen Fertigungsstätte in Liuzhou, in der autonomen Region Guangxi, bekannt gegeben.
Wie aus Berichten vom 12. September 2026 hervorgeht, handelt es sich dabei um die weltweit erste Superfabrik für humanoide Roboter, die eine jährliche Kapazität von 10.000 Einheiten erreicht. Das Besondere an der Anlage ist der geschlossene Produktionskreislauf, in dem humanoide Roboter die Montage anderer humanoider Roboter ohne menschliches Eingreifen übernehmen.
Hochautomatisierte Produktion und technische Spezifikationen
Die Fabrik in der Northern Ecological New Area umfasst eine Fläche von 14.000 Quadratmetern bei einer Hallenhöhe von 13,8 Metern. Der Fertigungsprozess ist auf eine hohe Effizienz ausgelegt: Die Taktzeit pro Roboter beträgt laut Unternehmensangaben lediglich 10 Minuten. In der Anlage werden primär die Modelle der Walker-S- und Cruzr-Serie produziert.
Während des Produktionsprozesses übernehmen Cruzr-Roboter Aufgaben wie die Depalettierung, das Stapeln sowie die Zuführung und den Transport von Bauteilen. Die Montage eines einzelnen Roboters umfasst die Installation von über 2.000 Schrauben in mehr als 50 verschiedenen Spezifikationen.
Nach der Fertigstellung durchlaufen die Einheiten eine Testphase von mehr als vier Stunden. Ein digitales Steuerungssystem fungiert dabei als zentrales Gehirn, das ein 65 Quadratmeter großes automatisches Lager für bis zu 112 Roboter koordiniert.
Partnerschaft mit Siemens und industrielle Skalierung
Bei der Realisierung der Fabrik arbeitete UBTECH mit Siemens Digital Industries Software zusammen. Im Rahmen dieser Kooperation wurde das System „Plant Simulation“ eingesetzt, um die gesamte Logistik der Fabrik vorab zu simulieren. Zudem wurde auf Basis des Intelligence Center X das sogenannte Yanshee-MOM-System entwickelt, um die Fertigungsabläufe zu steuern.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Segments für UBTECH wird durch die Geschäftszahlen der ersten Jahreshälfte 2026 unterstrichen. In diesem Zeitraum stieg der Umsatz mit Full-Size-Humanoiden um 1.445 Prozent, wobei 921 zweibeinige Roboter ausgeliefert wurden. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, die Produktionskosten für diese Modelle bis zum Jahr 2030 auf unter 20.000 US-Dollar zu senken.
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Chinas Ambitionen am Weltmarkt für humanoide Roboter
Die Entwicklung in Liuzhou findet vor dem Hintergrund eines dynamisch wachsenden Marktes statt. Marktanalysten von Counterpoint bezifferten die weltweiten Auslieferungen humanoider Roboter für das erste Halbjahr 2026 auf über 22.000 Einheiten, was einem Zuwachs von rund 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnik (MIIT) gab für denselben Zeitraum eine nationale Produktionszahl von über 40.000 Einheiten an und erwartet für das Gesamtjahr 2026 ein Volumen von mehr als 100.000 Einheiten.
Finanzanalysten von Morgan Stanley hoben ihre Prognosen für den chinesischen Markt ebenfalls an und rechnen für das Jahr 2026 mit rund 50.000 Auslieferungen an externe Kunden, was einem Marktwert von etwa 2 Milliarden US-Dollar entspräche. Bis 2030 wird ein Anstieg des Marktvolumens auf 15 Milliarden US-Dollar prognostiziert.
Infrastruktur für KI-Training und staatliche Regulierung
Parallel zum Ausbau der Hardware-Produktion forciert China die Entwicklung der notwendigen Software-Infrastruktur für „Embodied AI“ (verkörperte KI). Berichten vom 13. September 2026 zufolge erarbeitet die National Data Administration (NDA) derzeit Standards für die Erfassung, Kennzeichnung und Speicherung von KI-Trainingsdaten. Behördenleiter Liu Liehong leitete hierzu am 10. September 2026 ein Treffen mit Branchenvertretern ein.
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Daten des CAICT verdeutlichen den Bedarf: Während für komplexe Modelle rund 10 Millionen Stunden Trainingsdaten benötigt werden, stehen weltweit derzeit erst 100.000 bis 1 Million Stunden zur Verfügung. Um diese Lücke zu schließen, sind in China bereits über 70 Trainingszentren aktiv, 46 weitere befinden sich in Planung.
Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der industriellen Produktion. So wurde im Pekinger Bezirk Shijingshan im Rahmen der Messe CIFTIS 2026 ein spezialisiertes Trainingszentrum vorgestellt, das unter der Leitung von Luster LightTech und Zhongguancun Tongli einen geschlossenen Kreislauf von der Datenerfassung bis zur Validierung ermöglicht.
Zudem implementierte das MIIT-Standardisierungskomitee bereits Anfang des Jahres ein nationales Rahmenwerk für humanoide Roboter, wobei seit dem 1. Juni 2026 ein verbindlicher Benchmarking-Standard gilt. Ergänzend dazu verabschiedete die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) Ende August 2026 weitere Maßnahmen zur Förderung von Pilotbasen für diese Technologien.
