CHOICE-Studie: HörgerÀte normalisieren Kognition bei 15,34 Prozent der Senioren
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstÀrkt dem Zusammenhang zwischen dem Hörvermögen und der geistigen LeistungsfÀhigkeit im Alter. Neue Daten der randomisierten CHOICE-Studie, die am 28.09.2026 in der Fachzeitschrift JAMA Neurology online veröffentlicht wurde, liefern detaillierte Einblicke in die prÀventiven Potenziale von Hörsystemen.
Die Untersuchung des Shanghai Ninth People's Hospital der Shanghai Jiao Tong University konzentrierte sich dabei auf die Frage, inwieweit eine frĂŒhzeitige Versorgung die kognitive Degeneration verlangsamen oder gar umkehren kann.
Ergebnisse der CHOICE-Studie zur kognitiven Normalisierung
Die CHOICE-Studie umfasste insgesamt 703 Probanden im Alter von mindestens 60 Jahren, die zwischen 2020 und 2024 in die Untersuchung aufgenommen wurden. Die Teilnehmer wiesen zu Beginn einen mittel- bis schwergradigen Hörverlust sowie eine leichte kognitive BeeintrÀchtigung auf; das mittlere Ausgangsalter lag bei 74,5 Jahren.
Nach einem Beobachtungszeitraum von zwei Jahren stellten die Forscher fest, dass sich die kognitiven Funktionen bei 15,34 % der Teilnehmer in der HörgerÀte-Gruppe normalisierten. In der Kontrollgruppe ohne entsprechende Versorgung lag dieser Wert lediglich bei 2,36 %. Dies entspricht einem RisikoverhÀltnis von 5,94 zugunsten der HörgerÀte-Nutzer.
Hinsichtlich des Auftretens einer Demenz verzeichnete die Studie innerhalb der zwei Jahre eine Rate von 3,09 % in der HörgerĂ€te-Gruppe gegenĂŒber 4,74 % in der Kontrollgruppe. Dieser spezifische Unterschied wurde jedoch als statistisch nicht signifikant eingestuft. Die Autoren der Studie verwiesen darauf, dass fĂŒr eine abschlieĂende Beurteilung der DemenzprĂ€vention eine lĂ€ngere Nachbeobachtung notwendig sei.
Screening-Daten verdeutlichen VersorgungslĂŒcken
Im Vorfeld der Studie wurden ĂŒber 35.000 Ă€ltere Menschen in den chinesischen Regionen Shanghai, Jiangsu und Hainan gescreent. Die dabei erhobenen Daten unterstreichen die weite Verbreitung von Hörproblemen: Rund 77 % der ĂŒber 60-JĂ€hrigen waren betroffen, wobei knapp 30 % unter einem mittelgradigen oder stĂ€rkeren, beeintrĂ€chtigenden Hörverlust litten.
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Trotz der hohen Betroffenheit fiel die tatsĂ€chliche Nutzung von Hilfsmitteln gering aus. Die Quote der HörgerĂ€te-Nutzung lag bei lediglich 3,5 %. Cochlea-Implantate wurden bei hochgradiger Taubheit in nur 0,47 % der FĂ€lle eingesetzt. Diese Diskrepanz verdeutlicht eine erhebliche VersorgungslĂŒcke bei Ă€lteren Bevölkerungsgruppen.
Einordnung in den internationalen Forschungsstand
Die Ergebnisse der CHOICE-Studie ergĂ€nzen vorangegangene Erkenntnisse, wie etwa jene der ACHIEVE-Studie. Diese hatte bei Ă€lteren Menschen mit einem erhöhten Risiko fĂŒr kognitiven Abbau gezeigt, dass HörgerĂ€te den geistigen Verfall innerhalb von drei Jahren um 48 % verlangsamen können.
Auch eine Auswertung der NHATS-Daten aus dem Jahr 2023 stĂŒtzt diesen Zusammenhang: Demnach stehen rund 17 % der DemenzfĂ€lle im Kontext mit mittelgradigem oder stĂ€rkerem audiometrischem Hörverlust. Bei Einbeziehung jeglicher Hörverlustgrade könne dieser Anteil auf bis zu 18,7 % steigen.
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Fachleute wie der HNO-Arzt Christopher Bohr betonen in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit regelmĂ€Ăiger Kontrollen. Er empfiehlt bei bestehenden Ohrenerkrankungen jĂ€hrliche Hörtests. Gesunde Personen sollten spĂ€testens dann eine Untersuchung einleiten, wenn Hinweise aus dem sozialen Umfeld auf ein nachlassendes Gehör hindeuten.
Ein HörgerÀt könne zwar LautstÀrkeunterschiede ausgleichen, jedoch nicht den Verlust der Lautunterscheidung beheben. Bei stark eingeschrÀnktem Sprachverstehen könne daher die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat in ErwÀgung gezogen werden.
Branchenstrukturen und technologische Trends
In Deutschland wird die Versorgung derzeit durch rund 20.000 Hörakustiker in ĂŒber 7.500 FachgeschĂ€ften sichergestellt, die etwa 3,7 Millionen Menschen mit Hörsystemen betreuen. Neben der klassischen Schwerhörigkeit rĂŒckt auch der Tinnitus in den Fokus der Fachwelt.
Laut Daten von Biwas et al. aus dem Jahr 2022 hatten bereits 11,9 % der Erwachsenen in Deutschland â hochgerechnet rund 9,9 Millionen Menschen â mit Tinnitus zu tun. Ein belastender Tinnitus trat bei 5,5 % auf, wĂ€hrend 1 % unter einer sehr schweren Form litt.
Auf der 12. Arab Hearing Health Conference, die vom 24.09.2026 bis zum 26.09.2026 in Amman stattfand, diskutierten Fachleute zudem ĂŒber technologische Innovationen wie die Teleaudiologie. Diese könne die Vorsorge und Betreuung in Regionen mit VersorgungslĂŒcken ergĂ€nzen, wobei sie die Erstdiagnostik und die individuelle Feinanpassung nicht ersetze.
Zudem wurde die Rolle von Auracast-Bluetooth hervorgehoben, mit dem öffentliche Lautsprechersignale drahtlos an eine unbegrenzte Anzahl von EmpfĂ€ngern ĂŒbertragen werden können, was die Barrierefreiheit in öffentlichen RĂ€umen signifikant erhöhen könnte.
