Cholesterin: Warum gesunde ErnÀhrung hohe LDL-Werte nicht immer senkt
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 00:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine ausgewogene ErnĂ€hrung gilt gemeinhin als Basis fĂŒr stabile Blutfettwerte. Dennoch stellen Kardiologen in der Praxis regelmĂ€Ăig fest, dass die Werte fĂŒr das Low-Density-Lipoprotein (LDL) selbst bei strenger Lebensmittelauswahl erhöht bleiben können.
Die Kardiologin Juliane Willecke vom Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen weist darauf hin, dass der menschliche Körper etwa 80 bis 90 Prozent des Cholesterins selbst in der Leber herstellt.
Aus diesem Grund lasse sich das Cholesterin ĂŒber die reine Nahrungsaufnahme nur begrenzt beeinflussen. Eine Ă€hnliche EinschĂ€tzung teilt die Deutsche Herzstiftung, nach deren Angaben der Körper Cholesterin zu 80 Prozent eigenstĂ€ndig produziert und lediglich 20 Prozent ĂŒber die Nahrung aufgenommen werden.
Individuelle Risikobewertung statt starrer Grenzwerte
Ein dauerhaft erhöhter Cholesterinspiegel verlĂ€uft ĂŒber lange Zeit ohne spĂŒrbare Beschwerden. Kardiologin Juliane Willecke betont, dass ein LDL-Wert von ĂŒber 190 mg/dl mit einem deutlich erhöhten Risiko fĂŒr atherosklerotische Erkrankungen einhergehe.
Bei gesunden Personen wĂŒrden in der Praxis hĂ€ufig Werte von unter 116 mg/dl angestrebt. Liegen bereits Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Herzerkrankungen vor, gelte oft ein Zielwert von unter 55 mg/dl.
Einen universellen Grenzwert gebe es nach Angaben von Willecke jedoch nicht. Die medizinische RisikoeinschĂ€tzung erfolge stets individuell und berĂŒcksichtige Faktoren wie das Alter, bestehende Vorerkrankungen, das Vorliegen von Bluthochdruck, den Raucherstatus sowie familiĂ€re Belastungen.
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Um Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen, haben gesetzlich Versicherte in Deutschland ab einem Alter von 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf eine Gesundheitsuntersuchung mit Bestimmung der Blutfettwerte. Zudem sollte der Wert fĂŒr Lipoprotein(a) nach Ansicht der Medizinerin mindestens einmal im Leben labordiagnostisch ermittelt werden.
Genetische und hormonelle Ursachen fĂŒr erhöhte Werte
Dass erhöhte Blutfette trotz gesunder Kost auftreten, liegt an verschiedenen metabolischen und genetischen Mechanismen. Der Kardiologe Dr. Raphael Boesche GuimarĂŁes fĂŒhrt als Hauptursache die Genetik an, insbesondere die familiĂ€re HypercholesterinĂ€mie, bei der der Abbau von LDL-Partikeln gestört ist. DarĂŒber hinaus erschwere eine SchilddrĂŒsenunterfunktion (Hypothyreose) die Beseitigung von LDL aus dem Blutkreislauf.
Auch hormonelle Umstellungen spielen eine wesentliche Rolle. Nach EinschĂ€tzung von GuimarĂŁes verĂ€ndert der RĂŒckgang von Ăstrogen in der Menopause den Fettstoffwechsel und beeinflusst das LDL-Cholesterin. Zudem fĂŒhren eine Insulinresistenz und ein Typ-2-Diabetes zu erhöhten Triglyceriden, einem abgesenkten HDL-Spiegel und verĂ€nderten LDL-Partikeln.
Bestimmte Arzneimittel wie Kortikoide, Immunsuppressiva sowie Retinoide können die Fettwerte ebenfalls ansteigen lassen. Da eine ErnĂ€hrungsumstellung in diesen FĂ€llen nicht immer ausreiche, mĂŒsse sich die therapeutische Vorgehensweise individuell am kardiovaskulĂ€ren Gesamtrisiko ausrichten.
ErnÀhrungsmythen und gezielte Anpassungen
Im ErnĂ€hrungsalltag stehen bestimmte Lebensmittel immer wieder in der Diskussion. Dr. Birgit Terjung von den GFO Kliniken Bonn und der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten stellt klar, dass HĂŒhnereier den Cholesterinspiegel nicht unmittelbar in die Höhe treiben.
Aus rein gesundheitlicher Sicht sei der Verzehr von einem Ei pro Tag unbedenklich; empfohlen werden von ihr bis zu drei Eier pro Woche. Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung, maximal ein Ei pro Woche zu konsumieren, begrĂŒndet sich nicht auf gesundheitlichen oder cholesterinbezogenen GrĂŒnden, sondern beruht auf dem NĂ€hrstoffbedarf, der Umweltbelastung sowie dem durchschnittlichen Verzehr in der Bevölkerung.
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Terjung erlĂ€utert weiter, dass das Cholesterin vor allem in Kombination mit Risikofaktoren wie Ăbergewicht, Bluthochdruck, Diabetes sowie abweichenden HarnsĂ€ure- und SchilddrĂŒsenwerten die Entstehung von GefĂ€Ăablagerungen, Herzinfarkten und SchlaganfĂ€llen begĂŒnstige.
Einen nachweisbaren diĂ€tetischen Hebel stellen unterdessen Ballaststoffe dar: Laut Willecke vermag der regelmĂ€Ăige Verzehr von Haferflocken den Cholesterinspiegel dank des enthaltenen Beta-Glucans um etwa fĂŒnf bis sieben Prozent zu senken.
