Chronische Krankheiten: Gewichtsverlust schlÀgt Metformin um 21%
Veröffentlicht am: 17.06.2026 um 23:26 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Studien belegen die Wirksamkeit von LebensstilÀnderungen, wÀhrend gleichzeitig die soziale Absicherung der Betroffenen reformiert wird.
Lebensstil schlÀgt Medikamente
Bewegung und Gewichtsverlust wirken besser als Tabletten. Eine Langzeitstudie im Fachjournal JAMA zeigt: Wer sein Gewicht um sieben Prozent reduziert und 150 Minuten pro Woche Sport treibt, senkt das Risiko fĂŒr mehrere chronische Erkrankungen massiv. Bei PrĂ€diabetes-Patienten sank die Wahrscheinlichkeit fĂŒr zwei chronische Leiden um 21 Prozent, fĂŒr drei oder mehr sogar um 25 Prozent. Das Diabetes-Medikament Metformin erzielte keine vergleichbare Wirkung.
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Die UniversitĂ€t Leipzig und die Ben-Gurion-UniversitĂ€t bestĂ€tigen den Trend. Ihr Fokus: viszerales Fett. Wer das innere Bauchfett um zehn Prozent reduziert, senkt das Typ-2-Diabetes-Risiko ĂŒber zehn Jahre um 28 Prozent â unabhĂ€ngig von spĂ€terer Gewichtszunahme.
Cannabis als neuer Schmerzstandard
Das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) lieĂ am 9. Juni mit Exilby das erste cannabisbasierte Fertigarzneimittel Europas zu. Es soll chronische RĂŒckenschmerzen lindern. Eine Phase-3-Studie mit 820 Teilnehmern belegte deutliche Schmerzreduktion ohne AbhĂ€ngigkeitspotenzial. Die MarkteinfĂŒhrung ist fĂŒr September geplant.
Parallel stĂ€rkt der Bundesgerichtshof die Rechte von Privatversicherten: Sie haben Anspruch auf KostenĂŒbernahme fĂŒr GLP-1-Analoga bei medizinisch notwendiger Adipositas-Behandlung.
Parkinson als Berufskrankheit
Ende Mai beschloss das Bundeskabinett einen Meilenstein: Parkinson wird kĂŒnftig als Berufskrankheit anerkannt â bei langjĂ€hrigem Pestizidkontakt in Land- und Forstwirtschaft oder Gartenbau. Die Bundesregierung stellt fĂŒr 2025 und 2026 insgesamt 20 Millionen Euro bereit.
Auch die Pflegeversicherung steht vor einer Reform. Statt drei Pflegestufen sollen fĂŒnf Grade der SelbststĂ€ndigkeit gelten. Zur Finanzierung steigen die BeitrĂ€ge um 0,5 Prozentpunkte â Mehreinnahmen von rund fĂŒnf Milliarden Euro. Kritiker bezweifeln, ob das reicht.
VersorgungslĂŒcken und strengere PrĂŒfungen
Trotz Fortschritten: FĂŒr ME/CFS-Patienten fehlen oft seriöse BehandlungsansĂ€tze. Die von der WHO anerkannte Erkrankung betrifft in Deutschland schĂ€tzungsweise 650.000 Menschen.
Gleichzeitig verschĂ€rfen Krankenkassen den Druck auf Krankengeldbezieher. Der Medizinische Dienst prĂŒft die ArbeitsunfĂ€higkeit â hob sie 2024 aber nur in 6,3 Prozent der FĂ€lle auf. Auch bei Schwerbehinderungen zeichnet sich eine strengere Praxis ab: VersorgungsĂ€mter leiten vermehrt Verfahren zur Herabsetzung des Grades der Behinderung ein. Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg stellte im Juni 2025 klar: Ein stabiler Krankheitsverlauf allein belegt keine Besserung.
Ein Urteil des OLG Celle vom September 2025 stĂ€rkt dagegen die Rechte von BerufsunfĂ€higen. Demnach besteht ein Leistungsanspruch auch dann, wenn NebentĂ€tigkeiten möglich sind, die prĂ€gende Kernaufgabe aber nicht mehr ausgeĂŒbt werden kann â relevant fĂŒr SelbststĂ€ndige und körperlich Arbeitende.
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Regionale Unterschiede und soziale Faktoren
Fast die HĂ€lfte der 50- bis 59-JĂ€hrigen in Deutschland leidet an mindestens zwei chronischen Krankheiten. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Zentralinstituts fĂŒr die kassenĂ€rztliche Versorgung fĂŒr den Zeitraum 2015 bis 2024. Die regionalen Unterschiede sind enorm: In Reutlingen sind 49 Prozent betroffen, im Elbe-Elster-Kreis 76 Prozent.
Auch das soziale Umfeld spielt eine Rolle. Die UniversitĂ€t Trient fand heraus: Zusammenlebende teilen rund ein Viertel ihres Mikrobioms â krankheitsassoziierte Bakterien ĂŒbertragen sich leichter als nĂŒtzliche.
