Chronische, Leiden

Chronische Leiden: Psychische Erkrankungen führen zu 5+ Wochen Ausfall

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 19:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Krankengeld-Ausgaben steigen auf 21,6 Milliarden Euro, die TK kündigt Verträge. Die Politik plant ein Sparpaket von 18,8 Milliarden Euro für 2027.

GKV-Sparpaket 2027: Milliardenentlastung durch neue Regeln
Chronische - Abstrakte Darstellung von Gesundheitsdaten, die die Komplexität und die finanzielle Belastung chronischer Erkrankungen in der Krankenversicherung symbolisiert. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Studien und steigende Krankengeld-Zahlen setzen die Kassen unter Druck – erste Verträge wurden bereits gekündigt.

Chronische Leiden werden zum Langzeitrisiko

Eine Untersuchung der Zurich-Versicherung zeigt: Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen jeweils 21 Prozent der verlorenen gesunden Lebensjahre. Die OECD-Daten von 2014 bis 2023 belegen, dass chronische Beschwerden zur größten Belastung für Gesundheitssysteme werden.

Im internationalen Vergleich schneidet die Schweiz mit 80 Punkten im Chronic Care Index am besten ab, gefolgt von den Niederlanden mit 78 Punkten. Die Studienautoren fordern mehr Prävention und bessere Koordination der Behandlungen.

Krankengeld-Ausgaben explodieren

Der BKK Dachverband beziffert die Krankengeld-Ausgaben für 2025 auf rund 21,6 Milliarden Euro. Die Krankengeldtage stiegen innerhalb eines Jahrzehnts um 24,4 Prozent.

Besonders auffällig: Psychische Leiden machen zwar nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, führen aber im Schnitt zu Ausfallzeiten von über fünf Wochen. Der allgemeine Krankenstand lag 2025 bei stabilen 6,1 Prozent. Mehr als ein Viertel aller Fehltage entfällt auf Fälle mit Krankengeld-Zahlung.

Techniker Krankenkasse kündigt Verträge

Die TK zieht Konsequenzen aus einer Langzeitevaluierung der hausarztzentrierten Versorgung (HZV). Eine Studie des Hamburg Center for Health Economics für den Zeitraum 2015 bis 2024 ergab jährliche Mehrkosten von 160 Millionen Euro – ohne die gesteckten Ziele zu erreichen.

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Die Kasse kündigte daraufhin 14 HZV-Verträge in ebenso vielen Bundesländern zum 31. Dezember 2026. Ausgenommen bleiben nur Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Der Hausärzteverband reagierte kritisch.

Rollstuhlbikes: Keine pauschale Grenze

Das Bundessozialgericht hat die Versorgung mit speziellen Hilfsmitteln bei Mobilitätseinschränkungen präzisiert. In wegweisenden Urteilen vom 18. Mai 2011 stellten die Richter klar: Rollstuhlbikes können von der GKV übernommen werden – wenn das Grundbedürfnis nach Bewegungsfreiheit nicht anders zu befriedigen ist.

Eine pauschale Begrenzung auf 500 Meter lehnten die Richter ab. Die Entscheidung muss stets im Einzelfall fallen.

Politik plant milliardenschweres Sparpaket

Versicherungsfremde Leistungen erreichten 2024 laut IGES-Studie ein Volumen von 58 Milliarden Euro. Um die Stabilität der Kassen zu sichern, plant die Politik ein Sparpaket für 2027 mit einem Zielvolumen von 18,8 Milliarden Euro.

Die geplanten Neuregelungen im Überblick:

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  • Bundeszuschüsse: Ab 2027 beteiligt sich der Bund mit einer Milliarde Euro an den Krankenkosten von Grundsicherungs-Beziehern. Bis 2030 steigt der Betrag auf 2,25 Milliarden Euro, bis 2031 auf 2,75 Milliarden Euro.
  • Pharmaindustrie: Der Herstellerabschlag für Medikamente soll von 7 auf 15,5 Prozent steigen.
  • Mitversicherte: Für die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern ist ab 2028 ein eigener Beitragssatz von 2,5 Prozent vorgesehen. Kostenfrei bleibt die Mitversicherung für Eltern mit Kindern unter 12 Jahren.
  • Zuzahlungen: Die Spanne bei Medikamenten-Zuzahlungen soll auf 7,50 bis 15 Euro steigen. Eine automatische Steigerung ist nicht geplant.

Für 2027 wird mit einem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent plus durchschnittlichem Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent gerechnet. Zudem ist eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze um monatlich 300 Euro im Gespräch.

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