Chronische, Nierenerkrankung

Chronische Nierenerkrankung: 100 Millionen EuropÀer brauchen individuelle Therapien

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei chronischer Nierenerkrankung zĂ€hlen fĂŒr die Herz-Kreislauf-Behandlung neben LDL auch Nierenfunktion, Albuminurie und mögliche Arzneimittelwechselwirkungen.
Moderne medizinische Laborausstattung mit glÀsernen Ampullen und EdelstahlgerÀten in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Das kardiovaskulÀre Risiko von Patienten mit chronischer Nierenerkrankung lÀsst sich mit standardisierten Behandlungsleitlinien nur unzureichend senken.

Auf dem KSC 2026 im Grand Walkerhill Seoul legte die Nephrologin Yu Mi-yeon von der Hanyang-UniversitÀt Guri dar, dass allgemeine Vorgaben beim Lipidmanagement bei chronischer Nierenerkrankung nur eingeschrÀnkt anwendbar seien und individuelle TherapieansÀtze erforderten, wie monews.co.kr in einem Bericht vom 18. Oktober 2026 meldete.

Begrenzte Aussagekraft des LDL-Cholesterins

Die chronische Nierenerkrankung wird ĂŒber eine geschĂ€tzte glomerulĂ€re Filtrationsrate (eGFR) von unter 60 mL/min/1,73 mÂČ oder das Vorliegen eines Nierenschadens bei erhaltener Funktion definiert.

Yu Mi-yeon fĂŒhrte aus, dass der LDL-Cholesterinwert allein das kardiovaskulĂ€re Gesamtrisiko bei dieser Patientengruppe nicht abbilde. Neben den Lipidwerten seien Faktoren wie Albuminurie, die eGFR, systemische Inflammation, der ErnĂ€hrungsstatus sowie das Vorliegen einer Dialysepflicht zwingend zu berĂŒcksichtigen.

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Dies spiegelt sich auch in der Evidenz großer klinischer Untersuchungen wider. Die SHARP-Studie zeigte zwar, dass eine Kombination aus Statin und Ezetimib atherosklerotische Ereignisse insgesamt reduzierte; dieser Schutzeffekt war jedoch bei Patienten ohne Dialyse deutlich klarer ausgeprĂ€gt als bei dialysepflichtigen Personen.

Dedizierte Dialysestudien belegten zudem, dass eine Senkung des LDL-Cholesterins allein zu keinem signifikanten RĂŒckgang kardiovaskulĂ€rer Ereignisse fĂŒhrte. Im Gegensatz dazu weisen Beobachtungsdaten aus den USA und Korea darauf hin, dass die Gabe von Statinen nach Beginn einer Dialysebehandlung mit einem niedrigeren kardiovaskulĂ€ren Risiko und einem geringeren Sterberisiko assoziiert ist.

Dosierungsempfehlungen und Arzneimittelinteraktionen

Vor diesem Hintergrund empfahl die Nephrologin ein vorsichtiges Vorgehen bei der medikamentösen Lipidsenkung. Bei einer eGFR unter 60 mL/min/1,73 mÂČ, unter laufender Dialyse oder nach einer Nierentransplantation sei eine Dosisreduktion der Lipidsenker ratsam.

Insbesondere hochdosiertes Rosuvastatin sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Zudem mĂŒssten behandelnde Mediziner potenzielle Wechselwirkungen mit Immunsuppressiva wie Ciclosporin sorgfĂ€ltig beachten.

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Vernetzung von Kardiologie und Nephrologie

Die Notwendigkeit fachĂŒbergreifender Strategien unterstreichen auch Leitlinien der European Society of Cardiology, die gemeinsam mit der European Renal Association erarbeitet wurden. Rund 100 Millionen EuropĂ€er leben mit einer chronischen Nierenerkrankung, wobei diese das Risiko fĂŒr kardiovaskulĂ€re Erkrankungen steigert und umgekehrt.

Eine unter dem Vorsitz von Kevin Damman konzipierte Strategie setzt auf ein systematisches Screening aller kardiovaskulÀren Patienten auf NierenschÀden mittels eGFR und Albumin-Kreatinin-Quotient, gefolgt von einer Risikotriage.

Die koordinierte Behandlung in gemeinsamen Kardio-Nephro-Teams umfasst neben Statinen den Einsatz von RAS-Inhibitoren und SGLT2-Inhibitoren, um den wechselseitigen SchÀdigungsmechanismen zwischen Herz und Nieren gezielt zu begegnen.

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