Chronische RĂŒckenschmerzen: Beinheben aktiviert ein IdentitĂ€tsnetzwerk im Gehirn
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deChronische RĂŒckenschmerzen stellen weltweit eine erhebliche Belastung dar. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist RĂŒckenschmerz global die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr Behinderungen. WĂ€hrend die Auslöser oft im Bewegungsapparat verortet werden, rĂŒcken neurobiologische Prozesse zunehmend in den Fokus der Forschung.
Eine im Oktober 2026 im British Journal of Anaesthesia publizierte Untersuchung der University of California San Diego liefert neue Einblicke darin, wie akute SchmerzverstÀrkungen mit bestimmten neuronalen Netzwerken im Gehirn interagieren.
Unerwartete Reaktionen im Ruhezustandsnetzwerk
Im Zentrum der teilweise durch die National Institutes of Health finanzierten Studie stand das sogenannte Default Mode Network (DMN), ein funktionelles Netzwerk im Gehirn, das ĂŒblicherweise mit Prozessen der Selbstreflexion und der eigenen IdentitĂ€t verknĂŒpft ist. Untersucht wurden 114 erwachsene Personen, die seit mehr als 12 Wochen an chronischen RĂŒckenschmerzen litten.
Das Forschungsteam analysierte neuronale VerĂ€nderungen wĂ€hrend eines provozierten Schmerzschubs durch das Anheben der Beine im Vergleich zu einem schmerzhaften Hitzereiz an der Wade. WĂ€hrend der Hitzereiz zu einer Absenkung der DMN-AktivitĂ€t fĂŒhrte, aktivierte der Schmerzflare durch das Heben der Beine das Netzwerk.
Fadel Zeidan von der UC San Diego hob hervor, dass damit erstmals belegt werden konnte, dass das DMN bei einem spezifischen Schmerzschub aktiviert wird, anstatt wie bei klassischen akuten Schmerzreizen abzufallen.
Beim Beinheben stieg das gemeldete Schmerzniveau der Probanden im Durchschnitt um 23 Prozent. Parallel dazu erhöhte sich die Herzfrequenz im Einklang mit der gemessenen IntensitÀt des Schmerzflares.
Aus den Daten ging zudem hervor, dass stÀrkere chronische Schmerzen mit einer intensiveren funktionellen Verbindung zwischen dem DMN und dem primÀren somatosensorischen Kortex einhergingen. Höhere Schmerzwerte wÀhrend der Belastung korrelierten ferner mit einer verstÀrkten AktivitÀt in sensorischen und motorischen Arealen des Gehirns.
Korrelationen und offene Fragen zur KausalitÀt
Fachleute mahnen trotz der neuen Erkenntnisse zur ZurĂŒckhaltung bei der klinischen Interpretation. Die externe Neurowissenschaftlerin Katherine Martucci von der Duke University betonte, dass die erhobenen Daten zwar die subjektive Schmerzerfahrung der Betroffenen objektiv validieren.
Die gemessene HirnaktivitĂ€t könnte jedoch auch eine Nachwirkung des Reizes oder eine angstbasierte Reaktion abbilden. Da Ursache und Wirkung weiterhin offen seien, sei ein direkter klinischer Einsatz der Befunde verfrĂŒht.
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Auch die UC San Diego wies darauf hin, dass die Resultate lediglich Korrelationen darstellen und keinen Nachweis von KausalitĂ€t erbringen. Potenzielle therapeutische AnsĂ€tze wie Achtsamkeitsmeditation bedĂŒrfen daher weiterer systematischer ĂberprĂŒfungen; eine intervention mit Achtsamkeitsmeditation war nicht Bestandteil der aktuellen Untersuchung.
FrĂŒhere klinische Vergleiche belegen gleichwohl den Nutzen multimodaler Verfahren: So zeigte eine bereits 2016 im Fachjournal JAMA veröffentlichte Studie an 342 Patienten im Alter von 20 bis 70 Jahren, dass sich die Alltagsfunktion nach 26 Wochen bei 61 Prozent der Teilnehmenden mit achtsamkeitsbasierter Stressreduktion (MBSR) und bei 58 Prozent mit kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) verbesserte, gegenĂŒber 44 Prozent unter ĂŒblicher Standardversorgung. Eine zusĂ€tzliche Vorstudie der UC San Diego zu Achtsamkeit und Psilocybin gilt bislang als vorlĂ€ufig.
Körperliche Faktoren und konservative BehandlungsansÀtze
Neben den VorgĂ€ngen im Nervensystem bleibt der physische Zustand des Bewegungsapparats ein zentraler Faktor. RĂŒckenschmerzen gelten generell als multifaktoriell bedingt.
Mögliche Auslöser umfassen VerÀnderungen der Bandscheiben, altersbedingte Degenerationen, Muskelzerrungen, Fehlhaltungen, systemische Erkrankungen sowie eine unzureichend ausgebildete Muskulatur. Selbst nach eingehender körperlicher Untersuchung und bildgebender Diagnostik lÀsst sich die exakte Ursache oft nur schwer bestimmen.
Neben medizinischen AnsĂ€tzen kann auch eine gezielte ErnĂ€hrung dabei helfen, EntzĂŒndungsprozesse im Körper und damit verbundene Gelenk- oder RĂŒckenbeschwerden sanft zu beeinflussen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, welche Lebensmittel als natĂŒrliche UnterstĂŒtzung dienen können. Kostenlosen Ratgeber zur entzĂŒndungshemmenden ErnĂ€hrung herunterladen
Ein OrthopĂ€de erlĂ€uterte hierzu, dass eine geschwĂ€chte Rumpfmuskulatur das Auftreten von Schmerzen beim BĂŒcken oder Heben begĂŒnstigt. Die Muskelgruppen des Rumpfes â zu denen tiefe und oberflĂ€chliche Bauch-, Becken- und RĂŒckenmuskeln sowie das Zwerchfell zĂ€hlen â stabilisieren die WirbelsĂ€ule.
Weisen diese Muskeln eine unzureichende Kraft oder Ausdauer auf, fallen Alltagsbewegungen wie das Aufstehen, Heben, Drehen oder langes Verharren im Sitzen, Stehen und Gehen zunehmend schwerer.
Fachleute empfehlen daher vor allem strukturierte Bewegungsprogramme, um Beschwerden zu lindern. Dazu gehören individuelle Ăbungen zur KrĂ€ftigung â wie modifizierte Planks, Beckenheben (Bridges) oder gezieltes Anspannen der Rumpfmuskeln (Abdominal Bracing) â, kombiniert mit Haltungskorrekturen, ergonomischen Hebegewohnheiten und angepasster tĂ€glicher AktivitĂ€t. Eine gezielte StĂ€rkung der Rumpfmuskulatur kann bei vielen Patienten dazu beitragen, RĂŒckenschmerzen spĂŒrbar zu reduzieren.
