Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: 51,6 Millionen Betroffene treiben Opioid-Alternativen voran

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Viatris will Pacira für 1,65 Milliarden US-Dollar übernehmen; zugleich kommen klinische Programme und alternative Schmerzmittel voran.

Schmerztherapien: Viatris plant Pacira-Kauf, neue Ansätze rücken vor
Laborausstattung mit Glasbehältern und Reagenzgläsern in einer sterilen Forschungsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Suche nach therapeutischen Alternativen zu herkömmlichen Opioiden bei chronischen Schmerzen gewinnt in der pharmazeutischen Industrie zunehmend an Dynamik. Hintergrund ist eine erhebliche Krankheitslast: Nach Schätzungen der US-Gesundheitsbehörde CDC litten im Jahr 2021 allein in den Vereinigten Staaten rund 51,6 Millionen Erwachsene an chronischen Schmerzen.

Bei etwa 17,1 Millionen Menschen führten die Beschwerden zu gravierenden Einschränkungen im alltäglichen Leben. Angesichts der Risiken einer Abhängigkeit sowie schwerer Nebenwirkungen klassischer Präparate forcieren Arzneimittelhersteller die Entwicklung und den Zukauf neuer Therapieansätze.

Übernahmen und Investitionen im Markt für Schmerztherapien

Ein Schwerpunkt der aktuellen Branchenaktivitäten liegt auf gezielten Übernahmen. So kündigte der Konzern Viatris die geplante Akquisition von Pacira Biosciences für 1,65 Milliarden US-Dollar an. Das Barangebot beläuft sich auf 36,50 US-Dollar je Aktie, was einem Aufschlag von 44,8 Prozent auf den letzten Schlusskurs von Pacira vor Bekanntgabe entspricht.

Nach der Ankündigung stieg die Aktie von Pacira um fast 45 Prozent. Durch den Schritt sichert sich Viatris den Zugriff auf zwei etablierte nicht-opioide Schmerzmittel, die Therapien Exparel und Zilretta.

Analyst Daniel Clark von Leerink Partners stufte die beiden Produkte am 8. Oktober 2026 als etablierte Optionen ein. Details zu Finanzierung, Zeitplan und regulatorischen Genehmigungen wurden in den Berichten nicht genannt.

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Auch andere Branchengrößen bauen ihre Pipelines aus. Eli Lilly übernahm im Jahr 2025 das Unternehmen SiteOne, dessen frühere Eigentümer Meilensteinzahlungen von bis zu einer Milliarde US-Dollar erhalten können. Der Wirkstoffkandidat STC-004 steht nun vor der Phase II der klinischen Prüfung. Das Unternehmen NeuroThera verfügt mit CannAmide/PEA hingegen bislang über kein vergleichbares klinisches Schmerzprogramm.

Klinische Fortschritte bei neuen Wirkmechanismen

Parallel zu Zukäufen verzeichnen bestehende Entwicklungsprogramme operative Fortschritte. Vertex erzielte im zweiten Quartal 2026 mit dem Präparat Journavx (Suzetrigin), das für mittelschwere bis starke akute Schmerzen bei Erwachsenen zugelassen ist, einen Umsatz von 50 Millionen US-Dollar. Dies entspricht einem Zuwachs von 71 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2026. Im gesamten ersten Halbjahr 2026 wurden nach Unternehmensangaben rund 900.000 Verschreibungen für das Mittel eingelöst. Bei diabetischer Neuropathie laufen zudem zwei Phase-III-Studien, deren Rekrutierung bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll.

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Neue Wege werden auch bei pflanzlichen und cannabinoidbasierten Ansätzen erprobt. Am 2. Oktober 2026 genehmigte der US-Bundesstaat New York die erste Humanstudie mit dem Prüfpräparat VER-01 des Unternehmens Vertanical.

Das THC-haltige Trinkpräparat soll in einer kontrollierten Studie gegen Placebo bei Patienten mit chronischer schmerzhafter lumbosakraler Radikulopathie untersucht werden, die unzureichend auf nicht-opioide Schmerzmittel angesprochen haben.

Grenzen konventioneller Schmerzmittel und ergänzende Optionen

Die Notwendigkeit neuer Therapien wird durch die Risiken bestehender Standardmedikamente unterstrichen. Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen können bei chronischen Nierenerkrankungen den renalen Blutfluss verringern und zu Flüssigkeitsretention oder Magen-Darm-Blutungen führen.

Paracetamol gilt zwar als nierenschonender, birgt bei Überdosierung jedoch Gefahren für die Leber, weshalb Fachleute zu ärztlicher Rücksprache vor der Einnahme raten. Zur Minderung von Missbrauchsrisiken bei bestehenden Opioiden meldete Nutriband ein Patent für missbrauchshemmende transdermale Formulierungen an, dessen Schutz im Falle einer Erteilung bis 2046 reichen würde.

Zudem untersuchte IH Research komplementäre Substanzen wie Glucosamin, Chondroitin und PEA-Kombinationen, bei denen die klinische Evidenz je nach Indikation bislang uneinheitlich ausfällt.

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