Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: Cannabis-Medikament Exilby kommt im September

10.06.2026 - 13:28:47 | boerse-global.de

Vertanical bekommt grünes Licht für Cannabis-Medikament Exilby. Die Markteinführung in Deutschland und Österreich ist für September 2026 geplant.

Vertanical erhält Zulassung: Cannabis-Medikament gegen chronische Schmerzen
Chronische - Rücken eines Menschen mit leuchtenden Nervenbahnen, die chronische Schmerzen symbolisieren, und einem Cannabisblatt im Hintergrund. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die moderne Medizin definiert das Krankheitsbild zunehmend als eigenständige Erkrankung – mit Folgen für Behandlung und Versorgung.

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Cannabis-Medikament erhält Zulassung

Das Münchener Unternehmen Vertanical hat für sein Medikament Exilby die Zulassung erhalten. Der standardisierte Cannabis-Vollspektrum-Extrakt soll gegen chronische Kreuzschmerzen mit neuropathischer Komponente helfen. Die Markteinführung in Deutschland und Österreich ist für September 2026 geplant.

Voraussetzung: Die Preisverhandlungen mit Krankenkassen und dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) müssen erfolgreich abgeschlossen werden.

In Phase-3-Studien mit über 1.200 Patienten zeigte Exilby eine signifikante Schmerzreduktion über zwölf Monate. Die FDA hatte dem Medikament bereits den Status einer „Breakthrough Therapy“ verliehen. Doch die klinische Relevanz ist umstritten: Die Schmerzreduktion lag bei 1,9 Punkten auf der Schmerzskala – nur 0,5 Punkte besser als Placebo. „Diese Differenz ist im klinischen Alltag kaum spürbar“, kritisiert Ulrike Bingel vom Universitätsklinikum Essen. Zudem brachen 17 Prozent der Probanden die Studie wegen Nebenwirkungen ab.

Der Hersteller will Exilby als nicht-opioide Alternative etablieren. Langfristig sollen 15 bis 20 Prozent des Opioidmarktes ersetzt werden.

EU-Projekt RESOLVE: Neue Therapien gegen Nervenschmerzen

Anfang Juni 2026 startete das EU-Forschungsprojekt RESOLVE. Es erforscht neue Therapien gegen chronische neuropathische Schmerzen – ein Problem für bis zu zehn Prozent der Bevölkerung.

Im Fokus: Extrazelluläre Vesikel aus Stammzellen. Sie sollen Entzündungsprozesse regulieren und die Regeneration von Nervengewebe fördern. Das Projekt wird mit 1,2 Millionen Euro gefördert. Beteiligt sind das Universitätsklinikum Essen sowie Forschungseinrichtungen aus Großbritannien, Litauen, Rumänien und Kroatien.

Multimodale Therapie: Weniger Medikamente, mehr Lebensqualität

Nicht nur Medikamente helfen. Die multimodale Schmerztherapie kombiniert ärztliche Behandlung, Psychotherapie und Physiotherapie. Ziel ist nicht zwingend Schmerzfreiheit, sondern eine bessere Lebensqualität.

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Das gilt besonders bei Bandscheibenvorfällen. Ein struktureller Schaden erfordert nicht automatisch eine Operation. Individuelle Bewegungstherapien und konservative Maßnahmen lindern oft ausreichend. Für die Diagnostik von Muskelfaserrissen oder Entzündungen im Nackenbereich bleibt das MRT zentral – bei reinen Muskelverspannungen ist es aber nur bedingt aussagekräftig.

Neue Regeln für Schwerbehinderung

Seit Oktober 2025 können chronische Schmerzen den Grad der Behinderung (GdB) separat erhöhen. Voraussetzung: Die Schmerzen gehen erheblich über das bei körperlichen Schäden zu erwartende Maß hinaus. Eine eigenständige Diagnose nach dem ICD-Schlüssel muss vorliegen.

Fehlt eine fachärztliche Diagnose, bleiben solche Komorbiditäten in behördlichen Verfahren oft unberücksichtigt. Betroffene haben nach einem Bescheid einen Monat Zeit für einen Widerspruch.

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