Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: Cannabis-Mittel gegen Rückenschmerzen ab September

11.06.2026 - 00:04:10 | boerse-global.de

Die Ausgaben für Heilmittel steigen rasant, während neue Verfahren wie TENS und ein Cannabis-Präparat die Behandlung erweitern.

Chronische Schmerzen: Neue Therapien und explodierende Kosten
Chronische - Nahaufnahme der Hände eines Physiotherapeuten bei einer manuellen Therapie auf dem Rücken eines Patienten in einer modernen Klinik. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Manuelle Therapien, elektrische Impulse und neue Medikamente erweitern das Spektrum – und die Kosten steigen rasant.

Physiotherapie: Früher Start bei Parkinson

Bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson setzen Ärzte auf einen frühzeitigen Therapiebeginn. Die Physiotherapie konzentriert sich auf den Erhalt der Mobilität und bekämpft Symptome wie Muskelsteifheit und Gleichgewichtsstörungen.

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Neben klassischer Krankengymnastik kommen Alltagstraining und manuelle Techniken zum Einsatz. Auch bei Hüfterkrankungen bilden konservative Maßnahmen oft die erste Behandlungsstufe – mit dem Ziel, Operationen zu vermeiden oder hinauszuzögern.

Osteopathie: Ganzheitlicher Ansatz im Trend

Ergänzend gewinnt die Osteopathie als manuelle Methode an Bedeutung. Sie soll funktionelle Blockaden lösen und die Selbstheilungskräfte aktivieren. Angewendet wird sie vor allem bei Rücken- und Gelenkschmerzen sowie bei Migräne.

Heilmittel-Report: Ausgaben explodieren

Die wirtschaftliche Dimension wird im Heilmittel-Report 2026 der AOK deutlich. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Heilmittel stiegen 2024 auf knapp 13,3 Milliarden Euro – eine Verdopplung innerhalb eines Jahrzehnts.

Für Ende 2025 prognostizieren die Experten einen weiteren Anstieg auf rund 14,7 Milliarden Euro. Mit 69,7 Prozent am Gesamtumsatz bleibt die Physiotherapie die bedeutendste Sparte.

Ein wesentlicher Treiber: Die Zahl der Verordnungen für langfristigen Behandlungsbedarf hat sich seit 2017 fast verfünffacht. Auch die Einführung der Blankoverordnung 2024 hat die Inanspruchnahme intensiviert.

Elektroimpulse gegen den Schmerz

Neben der manuellen Arbeit setzen Therapeuten zunehmend auf apparative Lösungen. Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) soll Schmerzen reduzieren. Eine Cochrane-Analyse von 2019 sah die Wirksamkeit noch nicht eindeutig belegt. Neuere Auswertungen von 2022 fanden jedoch Hinweise auf eine effektive, wenn auch oft nur vorübergehende Schmerzreduktion.

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Die Forschung zu pulsierenden elektromagnetischen Feldern (PEMF) konzentriert sich derzeit auf neurologische und psychiatrische Erkrankungen. Untersucht wird, ob diese Felder die Mikrozirkulation verbessern und entzündungshemmend wirken. Eine allgemeine klinische Empfehlung steht aufgrund der frühen Studienlage noch aus.

Die Mesotherapie wird in der ambulanten Versorgung zunehmend als Alternative oder Ergänzung zur klassischen Medikation angeboten – etwa bei chronischen Schmerzen und Erschöpfungszuständen wie Burnout.

Cannabis-Präparat: Neue Hoffnung bei Rückenschmerzen

Ein bedeutender Fortschritt zeichnet sich bei der medikamentösen Therapie chronischer Kreuzschmerzen mit Nervenbeteiligung ab. Das Münchner Unternehmen Vertanical erhielt die Zulassung für ein neuartiges, THC-basiertes Cannabis-Fertigarzneimittel.

Eine Phase-3-Studie mit 820 Patienten, veröffentlicht in Nature Medicine, erzielte eine Schmerzreduktion um 1,9 Punkte auf der Bewertungsskala. Die Placebo-Gruppe verbesserte sich um 1,4 Punkte. Trotz statistischer Signifikanz diskutieren Fachleute über die klinische Relevanz des Unterschieds.

Die Markteinführung in Deutschland und Österreich ist für September 2026 geplant. Der endgültige Preis steht noch nicht fest – er wird mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) verhandelt. Ziel der Entwicklung: eine wirksame Alternative zu Opioiden in der Langzeittherapie zu schaffen.

de | wissenschaft | 69517405 |