Chronische Schmerzen: Mehr als 12 Millionen Menschen in Deutschland betroffen
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deAnlĂ€sslich des Welttages der Schmerztherapie rĂŒcken Fachorganisationen wie die International Association for the Study of Pain (IASP), die European Pain Federation (EFIC) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Notwendigkeit einer frĂŒhzeitigen sowie individuellen Schmerzbehandlung in den Mittelpunkt.
Zeitgleich wurde die VersorgungsLeitlinie zum Kreuzschmerz zur Kommentierung freigegeben. Der Welttag gegen Schmerz findet jĂ€hrlich am dritten Montag im Oktober statt und geht auf eine gemeinsame Festlegung der IASP, der EFIC und der WHO am 11. Oktober 2004 in Genf zurĂŒck.
Globale Belastung durch chronische Schmerzen
Chronischer Schmerz ist medizinisch als Schmerz definiert, der ĂŒber mehr als drei Monate andauert oder wiederkehrt. Nach Angaben der WHO ist weltweit jeder fĂŒnfte Erwachsene davon betroffen, wĂ€hrend die Quote bei Ă€lteren Menschen bei 50 Prozent liegt.
Die WHO fordert die formelle Anerkennung chronischer Schmerzen als eigenstÀndige Krankheit sowie die Einstufung von Schmerzlinderung als Menschenrecht.
Statistische Auswertungen verdeutlichen das Ausmaà im medizinischen Alltag: Rund 50 Prozent der Patienten in der PrimÀrversorgung suchen medizinische Hilfe aufgrund von Schmerzen. Zudem hat ein Drittel der Betroffenen mit chronischen Schmerzen so schwere Beschwerden, dass ein geregeltes Alltagsleben unmöglich ist.
Ergebnisse einer Nature-Medicine-Studie auf Basis von Daten von 6,1 Millionen Menschen in 118 LĂ€ndern unterstreichen das Problem: Die weltweite PrĂ€valenz von RĂŒckenschmerzen liegt demnach bei rund 40 Prozent, wĂ€hrend Gesichtsschmerzen etwa zwei Prozent ausmachen. Frauen sind der Erhebung zufolge in allen elf untersuchten Körperregionen hĂ€ufiger von Schmerzen betroffen als MĂ€nner.
Der stĂ€rkste Anstieg zeigt sich vor dem 55. Lebensjahr, wobei in weniger entwickelten LĂ€ndern eine höhere SchmerzprĂ€valenz im höheren Lebensalter verzeichnet wird. Zudem lassen sich 18,3 Prozent der globalen Schmerzlast auf Faktoren wie Tabakkonsum, Adipositas und niedriges Einkommen zurĂŒckfĂŒhren.
Regionale Versorgungslagen und interdisziplinÀre Konzepte
Das Management chronischer Schmerzen gestaltet sich weltweit komplex. In China leben nach SchĂ€tzungen des Nationalen Gesundheitsentwicklungszentrums und des China-Japan-Krankenhauses ĂŒber 300 Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen, bei einem jĂ€hrlichen Zuwachs von 10 bis 20 Millionen Betroffenen.
Seit 2024 baut ein entsprechendes Projekt 25 Pilotzentren fĂŒr chronisches Schmerzmanagement in 16 Provinzen auf, um VersorgungsengpĂ€sse an der Basis auszugleichen. Fachmediziner vor Ort weisen darauf hin, dass leichte bis mittlere Schmerzen medikamentös und nicht-medikamentös versorgt werden können, wĂ€hrend schwere Schmerzen zwingend spezialĂ€rztlich behandelt werden mĂŒssen.
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In Europa melden Fachgesellschaften Àhnliche Herausforderungen. Nach Angaben der Spanischen MultidisziplinÀren Schmerzgesellschaft (Semdor) lebt rund 26 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Spanien mit chronischem Schmerz, wobei 27,1 Prozent der Betroffenen die genaue Ursache nicht kennen.
Die Gesellschaft wirbt im Rahmen einer Kampagne fĂŒr eine bedarfsgerechte, multidisziplinĂ€re Betreuung, da Patienten je nach Krankheitsbild unterschiedliche Fachdisziplinen benötigen. FĂŒr Ăsterreich beziffert die Ăsterreichische Schmerzgesellschaft (ĂSG) die Zahl der Betroffenen auf rund 1,8 Millionen Menschen.
Der Fachverband plĂ€diert dafĂŒr, neben der reinen SchmerzintensitĂ€t auch Parameter wie MobilitĂ€t, SelbststĂ€ndigkeit, SchlafqualitĂ€t und gesellschaftliche Teilhabe zu bewerten sowie spezialisierte Zentren flĂ€chendeckend auszubauen.
Erweiterte Therapieverfahren und digitale UnterstĂŒtzung
In Deutschland leiden nach Angaben aus Fachkreisen mehr als 12 Millionen Menschen an chronischen Beschwerden. Neben klassischen pharmakologischen AnsÀtzen gewinnen ergÀnzende Verfahren an Bedeutung.
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Eine Metaanalyse von 122 randomisierten kontrollierten Studien mit 9.138 Patienten belegt eine signichte Schmerzreduktion durch den Einsatz von Virtual Reality (VR), bei einem standardisierten Mittelwertunterschied von SMD = ?0,65 (p < 0,001). Auf kognitiver Verhaltenstherapie basierende VR-Schmerztherapien erhielten Ende 2021 in den USA eine FDA-Zulassung.
Klinische Einrichtungen erproben die Technologie in unterschiedlichen Bereichen: Am Zentrum fĂŒr interdisziplinĂ€re Schmerzmedizin in WĂŒrzburg lĂ€uft die ReliefVR-Studie, wĂ€hrend das Klinikum SaarbrĂŒcken Hypno-VR-Brillen seit knapp zwei Jahren in der Psychoonkologie nutzt.
Das Sana Klinikum Coburg bindet Virtual Reality in eine fĂŒnfwöchige ambulante Schmerztherapie ein, und die MĂŒnchen Klinik Schwabing verfĂŒgt seit Februar ĂŒber sechs VR-Brillen zur Begleitung schwerbrandverletzter Kinder. Als Begleiterscheinung wird vor allem Cybersickness diskutiert, zudem bleibt die wissenschaftliche Datenlage in bestimmten Einsatzfeldern weiterhin begrenzt.
