Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: PAIN 2.0 setzt auf frĂŒhe Hilfe aus drei Fachbereichen

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
PAIN 2.0 untersucht vernetzte FrĂŒhbehandlung; KongressbeitrĂ€ge beleuchten Opioidregeln und digitale AnsĂ€tze bei Schmerzen.
Ein heller, minimalistischer Behandlungsraum in einer Klinik mit einer leeren Untersuchungsliege und weichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Wiederkehrende und anhaltende SchmerzzustĂ€nde erfordern ein rasches und vernetztes Handeln der medizinischen Fachdisziplinen. Auf einer Pressekonferenz anlĂ€sslich des Deutschen Schmerzkongresses in Mannheim betonte Ulrike Kaiser, leitende Psychologin an der Klinik fĂŒr AnĂ€sthesiologie und Intensivmedizin des UniversitĂ€tsklinikums Schleswig-Holstein am Campus LĂŒbeck, die Notwendigkeit einer frĂŒhzeitigen interdisziplinĂ€ren Versorgung. Ziel dieses Vorgehens sei es, einer Chronifizierung der Beschwerden bei Betroffenen wirksam vorzubeugen.

Erkenntnisse aus dem Projekt PAIN 2.0

Wissenschaftliche Grundlage fĂŒr diesen Behandlungsansatz liefert das vom Innovationsfonds geförderte Projekt PAIN 2.0. In diesem Vorhaben wurde ein ambulantes, interdisziplinĂ€res und multimodales Behandlungsprogramm untersucht, das speziell auf Menschen mit einem erhöhten Chronifizierungsrisiko zugeschnitten ist.

Die VerknĂŒpfung von medizinischer, bewegungstherapeutischer und psychologischer Begleitung soll verhindern, dass sich Schmerzreize im Nervensystem verfestigen und eine eigenstĂ€ndige Schmerzkrankheit entsteht.

Der Deutsche Schmerzkongress, der vom 21. bis 24. Oktober 2026 unter dem Leitthema „Wandel bewegt“ in Mannheim stattfand, widmete sich schwerpunktmĂ€ĂŸig den Bereichen PrĂ€zisionsmedizin, PrĂ€vention und Partizipation. Diskutiert wurden unter anderem ZusammenhĂ€nge zwischen Schlafstörungen und Schmerz, neue MigrĂ€netherapien sowie digitale Gesundheitsanwendungen und psychologische Aspekte der Schmerzmedizin.

ZurĂŒckhaltung bei Opioiden in der ĂŒberarbeiteten S3-Leitlinie

Ein zentraler Baustein moderner Behandlungskonzepte ist der kritische Umgang mit starken Schmerzmitteln. Auf dem Kongress stellten 36 beteiligte Fachgesellschaften, VerbĂ€nde und Patientenorganisationen die vierte Version der S3-Leitlinie zu Opioiden vor, deren Veröffentlichung nach finalen Abstimmungen fĂŒr Anfang kommenden Jahres vorgesehen ist.

Die Leitlinie formuliert strenge Kriterien fĂŒr die Indikationsstellung sowie regelmĂ€ĂŸige Nutzen-Risiko-PrĂŒfungen und fordert die Einbettung von Opioiden in ein multimodales Gesamtkonzept. Nach EinschĂ€tzung der Leitlinienautoren profitiert nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Patienten langfristig von diesen Substanzen.

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Bei chronischen Schmerzen zeigten sie sich deutlich weniger wirksam als bei akuten Beschwerden oder in der Tumortherapie. Ein Einsatz wird daher erst nach Ausschöpfung alternativer medikamentöser und nicht medikamentöser Maßnahmen empfohlen.

Eine Fortsetzung ĂŒber eine initiale Phase von rund drei Monaten hinaus soll nur bei stabilem Therapieerfolg und guter VertrĂ€glichkeit erfolgen. Bei primĂ€ren Kopfschmerzerkrankungen, funktionellen Störungen und dem Fibromyalgiesyndrom sehen die Experten eine Nichtindikation; bei Arthroseschmerzen kommen sie nur in EinzelfĂ€llen infrage, wĂ€hrend sie bei RĂŒckenschmerzen und neuropathischen Beschwerden nach genauer PrĂŒfung erwogen werden können.

Digitale UnterstĂŒtzung von Virtual Reality bis App-Anwendung

Neben medikamentösen Anpassungen gewinnen innovative Technologien Raum in der Schmerztherapie. Stefan Lindner vom Zentrum fĂŒr interdisziplinĂ€re Schmerzmedizin am UniversitĂ€tsklinikum WĂŒrzburg prĂ€sentierte in Mannheim praktische Einsatzmöglichkeiten von Virtual Reality (VR).

WĂ€hrend die Technologie anfangs vor allem zur Ablenkung bei akuten Schmerzen diente, rĂŒcken nun Entspannung, Psychoedukation, Achtsamkeit und bewegungstherapeutische Elemente in den Fokus. Die Evidenzlage fĂŒr chronische VerlĂ€ufe wachse zwar, bleibe jedoch heterogen.

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Da Experten fĂŒr chronische Beschwerden vermehrt auf nicht-medikamentöse AnsĂ€tze setzen, gewinnen bewĂ€hrte Selbsthilfemethoden wie der „3-Finger-Trick“ an Bedeutung. Dieser bebilderte Guide zeigt, wie Sie 101 gezielte Druckpunkte zur Schmerzlinderung selbst aktivieren können. Kostenlosen Arthrose-Druckpunkt-Guide hier anfordern

ErgĂ€nzend stellte das UniversitĂ€tsklinikum Ulm eine explorative SekundĂ€ranalyse einer randomisierten kontrollierten Studie vor. Demnach könnte eine App-basierte Therapie bei nicht-spezifischen RĂŒckenschmerzen dazu beitragen, den Bedarf an Analgetika zu senken, die bei diesen Beschwerden oft nur eingeschrĂ€nkt wirken und mit Risiken behaftet sind.

Auch in der Nachsorge junger Betroffener zeigen digitale AnsĂ€tze Potenzial: Amelie Schmidt von der UniversitĂ€t Witten/Herdecke wurde auf dem Kongress fĂŒr ihre Arbeit zur App-gestĂŒtzten Nachbehandlung schwer chronisch schmerzkranker Kinder und Jugendlicher mit dem mit 7.000 Euro dotierten Förderpreis der Deutschen Schmerzgesellschaft ausgezeichnet.

Im Innovationsfonds-Projekt „Feed-bApp“ erwies sich die Nutzung der Anwendung „MyBrainCity“ besonders dann als wirksam fĂŒr Alltag und seelische Gesundheit, wenn sie durch den regelmĂ€ĂŸigen Kontakt zu einer Schmerzpsychotherapeutin begleitet wurde.

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