Chronischer, Stress

Chronischer Stress: GlycA geht mit 43 Prozent mehr Herzrisiko einher

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 21:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Befragungen und Studien verknüpfen Stress mit Herzrisiken, Erschöpfung und Fehlzeiten; soziale Nähe und angepasste Arbeitszeiten können entgegenwirken.

Stress in Deutschland: Umfrage und Studien zeigen Folgen für Gesundheit
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer in den frühen Morgenstunden mit sanftem, einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Eine Umfrage der Krankenkasse KKH unter 1.000 Menschen ab 18 Jahren ergibt einen Rekordwert bei der Stresswahrnehmung in Deutschland: 54 Prozent der Befragten fühlen sich 2026 gestresster als vor ein bis zwei Jahren. 61 Prozent berichten von Müdigkeit oder Schlafstörungen, 57 Prozent von Erschöpfung oder dem Gefühl des Ausgebranntseins, und mehr als ein Drittel gibt eine gedrückte Stimmung an.

Bemerkenswert ist die Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln: Fast 70 Prozent der Befragten kennen die Bedeutung langfristiger Gesundheitsvorsorge, doch nur 33 Prozent nehmen sich in Stressphasen tatsächlich Zeit dafür, wie rtl.de berichtete.

Entzündungswerte als stiller Risikofaktor fürs Herz

Parallel zu den Umfragedaten liefert eine Studie des MRC Laboratory of Medical Sciences und des Imperial College London im European Journal of Preventive Cardiology Hinweise darauf, wie chronischer Stress körperlich wirken kann.

Die Forschenden werteten Daten von rund 480.000 Menschen in Großbritannien aus und fanden: Personen mit den höchsten Werten des Entzündungsmarkers GlycA hatten ein um 43 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall als jene mit den niedrigsten Werten, wie welt.de berichtete.

Höhere Entzündungswerte standen zudem mit verdickten Herzwänden, kleineren Herzkammern und einer geringeren Herzfüllung in Verbindung – Veränderungen, die sich laut der Studie jahrelang unbemerkt entwickeln können. Soziale und psychische Belastungen, Rauchen und Übergewicht wurden ebenfalls mit erhöhten Entzündungswerten in Verbindung gebracht.

Digitalisierung trifft nicht alle Beschäftigten gleich

Eine gemeinsame Untersuchung von ifo-Institut, IAB und der Universität Konstanz, die repräsentative Betriebs- und Beschäftigtenbefragungen sowie Sozialversicherungsdaten von 2011 bis 2019 auswertete, zeigt ein weiteres Belastungsmuster: Bei stärkerer Digitalisierung berichten Beschäftigte ohne klassische Bürojobs von geringerem gesundheitlichem Wohlbefinden und fehlen im Schnitt rund 20 Prozent mehr Tage pro Jahr.

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Für Büro- und Wissensberufe fand sich kein vergleichbarer negativer Zusammenhang, wie unternehmer.de berichtete. Als mögliche Erklärung nennt die Studie Technostress, insbesondere bei fehlenden Kenntnissen im Umgang mit neuen Technologien. Gezielte Digital-Schulungen und unterstützende Führung könnten die Belastung demnach abfedern, berichtete business-punk.com.

Soziale Nähe als Puffer

Eine israelische Studie in Science Advances aus dem September 2026 legt nahe, dass soziale Nähe körperliche Stressreaktionen abmildern kann. Bei mehr als 100 erwachsenen Teilnehmenden normalisierte sich der Blutzuckerspiegel nach einer gemeinsamen Mahlzeit mit dem Partner schneller als nach dem Essen allein, wie sueddeutsche.de berichtete.

Auch körperliche Reaktionen auf Kältereize oder leichte Elektroschocks klangen schneller ab, wenn die Belastung gemeinsam mit dem Partner bewältigt wurde. Bei Kindern im Alter von drei bis 13 Monaten ging die Stressreaktion nach einem lauten Ton in Begleitung der Mutter schneller zurück, wenngleich einzelne Teilnehmende in Gesellschaft auch ungünstige Werte zeigten.

Auch Langzeitdaten der UK Biobank unterstreichen die Bedeutung sozialer Bindungen: In einer Untersuchung mit 277.489 Teilnehmenden über gut 13 Jahre verloren einsame und sozial isolierte Menschen im Schnitt sechs gesunde Lebensjahre.

Bei Männern fehlten im Schnitt 2,4 gesunde Jahre ohne körperliche Erkrankung und 5,8 Jahre ohne mentale Leiden, bei Frauen 1,7 beziehungsweise 3,7 Jahre, wie wissenschaft.de berichtete. Ein gesunder Lebensstil glich die Nachteile sozialer Isolation demnach teilweise aus – die Folgen von Einsamkeit jedoch nicht.

Schmerz, Schlaf und Burnout hängen zusammen

Die Deutsche Schmerzgesellschaft weist darauf hin, dass bis zu 80 Prozent der Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen – also Schmerzen, die länger als drei Monate anhalten – zusätzlich unter Schlafstörungen leiden, wie dk-online.de berichtete.

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Anhaltender Stress, negative Gedanken, Depressionen und schlechter Schlaf können demnach die Schmerzempfindlichkeit erhöhen. Empfohlen werden individuell angepasste Bewegung, Entspannung, soziale Kontakte und bei Bedarf eine Schmerzpsychotherapie.

Zahlen des McKinsey Health Institute verdeutlichen das Ausmaß beruflicher Erschöpfung: Laut einer Erhebung von 2023 zeigt jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland Burnout-Symptome. Eine Erhebung aus 2020 ergab, dass 71 Prozent der Wissensarbeiter mindestens ein Burnout-Symptom erlebten, wobei 46 Prozent Überlastung als Hauptfaktor nannten.

Eine CDC-Umfrage aus 2022 fand, dass 46 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen häufig unter Burnout leiden, wie eltern-sucht.de berichtete. Typische Anzeichen sind demnach Erschöpfung, Distanz zur Arbeit und verminderte Leistungsfähigkeit.

Erholung braucht mehr als Freizeit

Die Arbeits- und Organisationspsychologie beschreibt mit dem DRAMMA-Modell sechs Faktoren, die tatsächliche Erholung ermöglichen: Abschalten, Entspannen, Selbstbestimmung, Kompetenzerleben, Sinn und soziale Verbundenheit. Aktivitäten helfen demnach weniger, wenn man gedanklich bei der Arbeit bleibt oder sich dabei unwohl fühlt, wie watson.de berichtete.

Auch die innere Uhr spielt eine Rolle: Die Chronobiologin Camilla Kring erklärte gegenüber handelsblatt.com, dass Chronotypen von Genetik, Alter und Lichtumgebung abhängen und dauerhaftes Arbeiten gegen die innere Uhr Schlaf und Gesundheit beeinträchtigen kann. Sie empfiehlt eine Kernarbeitszeit von 10 bis 15 Uhr.

In einem norwegischen Unternehmen stieg die Zufriedenheit nach Einführung von Meetings ab 10 Uhr von 48 auf 95 Prozent. In der Klinik Wartenberg sank nach Anpassung von Arbeits- und Schichtzeiten an die Chronotypen der Beschäftigten die Tagesmüdigkeit um 72 Prozent, und die Zahl der Beschäftigten mit mehr als drei Krankheitstagen ging um 48 Prozent zurück.

Die verschiedenen Studien zeichnen zusammen ein Bild, in dem chronischer Stress nicht nur subjektiv als Belastung wahrgenommen wird, sondern messbare Spuren im Körper hinterlässt – von Entzündungswerten über Herzstrukturen bis zu Fehlzeiten. Soziale Nähe, angepasste Arbeitszeiten und gezielte Erholung erscheinen dabei als Faktoren, die gegensteuern können.

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