Chronischer, Stress

Chronischer Stress: Studie verbindet HerzverÀnderungen mit 43 Prozent mehr Risiko

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hohe GlycA-Werte gingen in einer Langzeitstudie mit HerzverÀnderungen und hÀufiger auftretenden kardiovaskulÀren Ereignissen einher.

Chronische EntzĂŒndung: Studie zeigt 43 Prozent höheres Herz-Kreislauf-Risiko
Ein steriler Labortisch mit leeren ReagenzglÀsern in einem klinischen Umfeld, das die wissenschaftliche Forschung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Forschungsergebnisse verdeutlichen den Zusammenhang zwischen chronischem Stress, EntzĂŒndungsprozessen im Körper und schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Eine im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlichte Studie des MRC Laboratory of Medical Sciences und des Imperial College London zeigt auf, dass langanhaltende Belastungen ĂŒber strukturelle VerĂ€nderungen am Herzen das Risiko fĂŒr Herzinfarkte und SchlaganfĂ€lle um 43 Prozent steigern können.

Umfangreiche Datenbasis der UK Biobank

Die Untersuchung stĂŒtzt sich auf eine breite Datengrundlage. Die Wissenschaftler werteten Informationen von 488.079 Erwachsenen aus der britischen UK Biobank aus. Die Teilnehmer befanden sich zum Zeitpunkt ihrer Rekrutierung, die in den Jahren zwischen 2006 und 2010 stattfand, im Alter von 40 bis 69 Jahren. Ein zentraler Aspekt der Methodik war die Analyse von EntzĂŒndungsmarkern.

Als Indikator fĂŒr chronische EntzĂŒndungen diente das sogenannte Glykoprotein-Acetyl (GlycA). FĂŒr eine Teilgruppe von 70.809 Probanden lagen zudem detaillierte kardiale Magnetresonanztomografien vor, die es den Forschern ermöglichten, physische VerĂ€nderungen am Herzmuskel prĂ€zise zu dokumentieren.

Signifikante Risikoerhöhung durch EntzĂŒndungswerte

Die Ergebnisse der Langzeitbeobachtung, die einen medianen Zeitraum von ĂŒber 15 Jahren umfasst, belegen eine deutliche Korrelation zwischen EntzĂŒndungsprozessen und kardiovaskulĂ€ren Ereignissen. WĂ€hrend dieser Zeit erlitten mehr als 74.000 Teilnehmer einen Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzstillstand oder verstarben an den Folgen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Personen, deren GlycA-Werte zu den obersten 20 Prozent der untersuchten Gruppe gehörten, wiesen ein um 43 Prozent höheres Risiko fĂŒr derartige VorfĂ€lle auf als jene in den untersten 20 Prozent. In der Gruppe mit den höchsten Werten lag die Ereignisrate bei etwa 15 Prozent, wĂ€hrend sie in der Vergleichsgruppe mit niedrigen Werten bei etwa 11 Prozent lag.

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Sichtbare VerÀnderungen der Herzstruktur

Die Studie liefert ErklĂ€rungsansĂ€tze dafĂŒr, wie chronische EntzĂŒndungen das Herz physisch schĂ€digen. Höhere EntzĂŒndungswerte waren demnach mit messbaren strukturellen VerĂ€nderungen verbunden. Dazu zĂ€hlen verdickte HerzwĂ€nde, kleinere Herzkammern sowie ein verringertes Schlagvolumen. Zudem beobachteten die Forscher eine höhere Herzfrequenz und eine verschlechterte diastolische FĂŒllung.

Diese anatomischen Anpassungen können sich ĂŒber Jahre hinweg unbemerkt entwickeln. Den Experten zufolge tragen sie langfristig zu einer HerzschwĂ€che bei, auch wenn Betroffene zunĂ€chst keine Symptome verspĂŒren. Der Zusammenhang war dabei besonders ausgeprĂ€gt bei Personen, die sozialen oder psychischen Belastungen ausgesetzt waren. Auch Faktoren wie Rauchen und Übergewicht korrelierten mit erhöhten GlycA-Werten.

Biologische Mechanismen und therapeutische AnsÀtze

Die Untersuchung ging zudem der Frage nach den biologischen Verursachern nach. Eine Mediationsanalyse ergab, dass der Interleukin-1-Rezeptorantagonist (IL-1RA) etwa 27 Prozent der Verbindung zwischen dem EntzĂŒndungsmarker GlycA und dem enddiastolischen Volumen erklĂ€rte.

Neben der Interleukin-1-Familie wurden auch Proteine der TNF-Familie als wahrscheinliche Verantwortliche fĂŒr die HerzverĂ€nderungen identifiziert. Diese Proteine gelten nun als potenzielle Ziele fĂŒr kĂŒnftige therapeutische Interventionen.

Studienleiter Professor Declan O'Regan vom Imperial College London wies darauf hin, dass möglicherweise Millionen von Menschen mit einer unentdeckten EntzĂŒndung leben könnten, die ihr Herz schleichend schĂ€digt. Der sozioökonomische Status sowie die familiĂ€re Gesundheitssituation spielten laut der Analyse ebenfalls eine Rolle fĂŒr das Ausmaß der chronischen EntzĂŒndungen, wobei auch genetische Faktoren die individuelle AnfĂ€lligkeit beeinflussen.

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Einordnung der Studienergebnisse

Trotz der deutlichen Zahlen betonen die beteiligten Institutionen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Ein direkter kausaler Zusammenhang ist damit formal nicht nachgewiesen. Zudem ist die Messung von GlycA derzeit kein Bestandteil von Routine-Screenings in der medizinischen Praxis.

Die wissenschaftliche Arbeit wurde durch Mittel des Medical Research Council und der British Heart Foundation financed. Die Erkenntnisse liefern jedoch wichtige AnsĂ€tze fĂŒr die PrĂ€ventivmedizin, um das Risiko fĂŒr schwerwiegende Herzerkrankungen durch eine frĂŒhzeitige Identifizierung von EntzĂŒndungsprozessen besser steuerbar zu machen.

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