Circle Foundation: Zuschüsse sollen Stablecoins in UN-Hilfszahlungen bringen
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 09:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Circle Foundation unterstützt die Vereinten Nationen verstärkt bei der Modernisierung ihrer Finanzinfrastruktur. Wie aus Berichten vom 25. September 2026 hervorgeht, kündigte die Stiftung Zuschüsse an das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und das Welternährungsprogramm (WFP) an.
Die Mittel sollen dazu dienen, digitale Zahlungssysteme und regulierte Stablecoin-Strukturen in der humanitären Hilfe zu etablieren. Über die genaue Höhe der Zuschüsse sowie die verwendeten Stablecoins machten die Beteiligten keine Angaben.
UNDP verstetigt Innovationen im Zahlungsverkehr
Das UNDP nutzt die Unterstützung, um den sogenannten Digital Asset Innovation Pool einzurichten. Ziel dieses Vorhabens ist es, bisherige Pilotprojekte in reguläre, dauerhafte Programme zu überführen. Dabei sollen bestehende Bankkanäle nicht ersetzt, sondern ergänzend beibehalten werden. In der Vergangenheit hatte das UNDP bereits Pilotversuche in Aleppo, Haiti, Guatemala und Gambia durchgeführt.
Die Bemühungen zur Digitalisierung folgen einer längerfristigen Strategie. Bereits im Juli 2026 vereinbarte das UNDP, Zahlungen über das Stellar-Netzwerk bis Ende 2027 als festes Instrument für seine Länderbüros aufzubauen.
Berichten zufolge konnten durch den Einsatz dieser Technologie Kosten gesenkt werden: In Aleppo fielen die geschätzten Verteilungskosten von etwa 10 % auf rund 2 %. In Haiti wurde bei einem Pilotprojekt während eines Mobilfunk-Ausfalls eine Erfolgsquote von 100 % verzeichnet.
WFP plant Tests für Länderkorridore
Auch das Welternährungsprogramm (WFP) weitet seine Aktivitäten im Bereich digitaler Finanzlösungen aus. Die Organisation plant, innerhalb der nächsten drei Jahre zwei bis drei spezifische Länderkorridore in Zusammenarbeit mit lokalen Finanzdienstleistern zu testen. Die betroffenen Länder wurden bisher nicht namentlich genannt.
Um die technische und regulatorische Sicherheit zu gewährleisten, baut das WFP derzeit umfassende Systeme für die Bereiche Risiko, Governance, Treasury und Compliance auf. Zudem werden lokale Finanzpartnerschaften sowie Verfahren zur Abstimmung der Zahlungsströme entwickelt.
UN-Organisationen bauen regulierte Stablecoin-Strukturen für Hilfszahlungen auf — ergänzend zu bestehenden Bankkanälen. Für NGO-Finanzentscheider lohnt der Blick auf die belegten Pilot-Ergebnisse: In Aleppo sanken die geschätzten Verteilungskosten von rund 10 % auf rund 2 %. Kostenlosen Leitfaden zu Stablecoin-Zahlungen anfordern
Hintergrund der Circle Foundation und DHoTS
Die Circle Foundation wird von Fidelity Charitable verwaltet. Zur langfristigen Finanzierung ihrer Aktivitäten hat die Circle Internet Group bis zu 2.682.392 Class-A-Aktien für Beiträge über einen Zeitraum von zehn Jahren reserviert.
Ein wesentlicher Teil der Arbeit der Stiftung betrifft die Unterstützung von DHoTS. Dabei handelt es sich um eine Plattform zur Modernisierung der Finanzinfrastruktur von UN-Organisationen, die 2021 vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) gestartet wurde.
Insgesamt nehmen 15 Organisationen an der Plattform teil, darunter auch UNDP und WFP. Bereits am 21. Januar 2026 kündigte die Circle Foundation ihre erste internationale Förderung für DHoTS an, um schnellere und transparentere Zahlungen zu ermöglichen und Kosten bei Währungsumtausch und Transfers zu senken.
Wachsender Einsatz von Stablecoins in der Krisenhilfe
Die neuen Initiativen bauen auf weitreichenden Erfahrungen im humanitären Sektor auf. Das UNHCR zahlte laut Angaben einer Sprecherin in Afghanistan über die Plattform HesabPay bereits mehr als 35 Millionen US-Dollar an rund 150.000 Familien aus. Über Prepaidkarten wurden damit mehr als 625.000 Menschen erreicht. HesabPay nutzt für diese Transaktionen Stablecoins auf Basis des Algorand-Netzwerks.
Wer Hilfszahlungen in Krisengebieten abwickelt, kennt das Compliance-Dilemma: schnelle Auszahlung gegen regulatorische Sicherheit. Der Leitfaden zeigt, welche Risiko-, Governance- und Treasury-Systeme UN-Organisationen derzeit aufbauen und wie kleinere Organisationen das einordnen können. Compliance-Checkliste für humanitäre Krypto-Transfers sichern
In anderen Regionen wurden ebenfalls digitale Lösungen erprobt. Seit Dezember 2022 zahlte das UNHCR insgesamt 4,6 Millionen US-Dollar über Stellar aus, vornehmlich in der Ukraine und in Argentinien. Auch kleinere Organisationen nutzen die Technik: Der Norwegian Refugee Council (NRC) überwies im Jahr 2025 insgesamt 5.000 US-Dollar in Stablecoins an Partner im Sudan, wobei die Transaktionsdauer von mehreren Wochen auf wenige Minuten sank.
In Haiti testen Partner wie Fonkoze derzeit USDC-Zahlungen an 200 Frauen, da rund 80 % der Bevölkerung dort über kein herkömmliches Bankkonto verfügen. Laut Einschätzung von Mercy Corps könnten Stablecoins dort als Modell für jährliche Bargeldhilfen in Höhe von 56 Millionen US-Dollar dienen.
