Claude Code: Anthropic nutzte versteckte Überwachung gegen China
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 18:56 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Anthropic reagierte umgehend und entfernte den Code.
Gezielte Überwachung durch Prompt-Steganographie
Der Sicherheitsforscher „Thereallo“ fand die versteckten Funktionen in der Version 2.1.196 von Claude Code. Das System nutzte Prompt-Steganographie, um Nutzer mit bestimmten Zeitzonen-Einstellungen zu markieren – darunter Asien/Shanghai und Asien/Urumqi.
Neben der Zeitzone analysierte die Software auch Proxies, Firmennetzwerke und Verbindungen zu KI-Forschungslaboren. Ziel war es, Anwender in China zu lokalisieren.
Anthropic bestätigte die Existenz des Codes. Ein Entwickler, Thariq Shihipar, erklärte, das Verfahren sei seit März 2026 im Einsatz gewesen. Nach der Veröffentlichung der Erkenntnisse Anfang Juli entfernte das Unternehmen die Funktion.
Schutz vor Technologiediebstahl
Anthropic begründete die Maßnahme mit der Abwehr von Missbrauch und Model-Destillation. Dabei nutzen Wettbewerber die Ausgaben eines KI-Modells, um eigene, kleinere Modelle effizienter zu trainieren.
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Laut Unternehmensangaben stoppte die Überwachung rund 28,8 Millionen nicht autorisierte Interaktionen. Diese stammten von etwa 25.000 Konten – darunter Aktivitäten, die Anthropic dem chinesischen Konzern Alibaba zurechnet.
Alibaba reagierte mit einem Verbot von Claude Code für seine Mitarbeiter. Als Grund nannte das Unternehmen Sicherheitsrisiken.
Die Spannungen zwischen den USA und China im KI-Bereich hatten sich zuletzt verschärft. Chinesische Modelle, etwa von Zhipu AI, erzielten in spezifischen Tests zur Sicherheitslückenerkennung bessere Ergebnisse als etablierte US-Systeme.
Datenschutz-Kontroverse
Die Entdeckung sorgt in der Branche für Diskussionen. Anthropic hatte sich öffentlich gegen staatliche Überwachungsforderungen positioniert und war sogar gerichtlich gegen das Weiße Haus vorgegangen.
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Kritiker werfen dem Unternehmen nun Inkonsistenz vor. Es lehne Anfragen von US-Behörden ab, implementiere aber gleichzeitig eigene Tracking-Methoden ohne Wissen der Nutzer.
Parallel zur direkten Nutzung boten unbefugte Wiederverkäufer Zugänge zu Anthropics Diensten für monatliche Beträge zwischen einem und zwölf US-Dollar an. Die Tracking-Maßnahmen sollten auch dieses Geschäftsmodell unterbinden.
Während Anthropic die Überwachung in China einsetzte, lockerte das US-Handelsministerium kurz zuvor Exportbeschränkungen für bestimmte Modelle wie Mythos 5 und Fable 5.
