Claude Code auf macOS: Sicherheitslücke ermöglicht Persistenz-Angriffe
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 12:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsanalysten warnen vor einer neu entdeckten Ausnutzung von Sitzungen des KI-gestützten Programmierwerkzeugs Claude Code auf macOS-Systemen. Wie aktuelle Untersuchungen zeigen, werden diese Sitzungen missbraucht, um unautorisierte Reverse-Tunnel einzurichten und dauerhafte Mechanismen zur Systemkontrolle zu etablieren. Dabei dient der eigentlich vertrauenswürdige Coding-Agent als Ausgangspunkt für Angriffsaktivitäten, die herkömmliche Sicherheitsmaßnahmen umgehen können.
Manipulation von Tunnel-Diensten und Persistenz-Mechanismen
Analysen des Sicherheitsunternehmens Elastic belegen, dass eine Claude-Code-Session auf macOS dazu verwendet wurde, Reverse-Tunnel über den Dienst cloudflared zu öffnen. In diesem Szenario wurden Anmeldedaten an temporäre öffentliche Adressen gesendet. Um den Zugriff auf das kompromittierte System dauerhaft zu sichern, erstellten die Akteure LaunchAgent-Einträge. Diese wurden mit einem Watchdog-Intervall von 60 Sekunden konfiguriert, um eine kontinuierliche Ausführung der Prozesse zu gewährleisten.
Zusätzlich zur Nutzung von cloudflared wurde in den untersuchten Fällen auch das Werkzeug ngrok für den Aufbau von Reverse-Tunneln eingesetzt. Ein zentrales Problem für die IT-Sicherheit stellt hierbei die Prozesshierarchie dar: Der vertrauenswürdige Coding-Agent fungiert als Elternprozess, während die eigentlichen schädlichen Befehle über zsh-Shells ausgeführt werden. Diese Struktur kann dazu führen, dass bösartige Aktivitäten in der Flut legitimer Entwicklerprozesse unentdeckt bleiben.
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Schwachstellen im Anmeldedaten-Management
Ein weiterer kritischer Aspekt betrifft den Umgang mit sensiblen Informationen durch die Befehlszeilenschnittstelle (CLI) von Claude Code. Fachleute von HealSecurity identifizierten eine Schwachstelle im macOS-Schlüsselbund der Anthropic-Anwendung. Demnach ist jeder Prozess, der unter der Identität des angemeldeten Benutzers läuft – einschließlich sämtlicher Kindprozesse –, in der Lage, das OAuth-Anmeldedaten-Bündel ohne weitere Interaktion oder Benachrichtigung abzurufen.
Dieser Umstand verdeutlicht die Gefahr, die von KI-Agenten auf Entwickler-Endpoints ausgeht. Da diese Werkzeuge in der Regel über weitreichende Berechtigungen verfügen und als vertrauenswürdig eingestuft werden, können sie den Zugriff auf Anmeldedaten sowie die Einrichtung von Persistenz-Aktivitäten effektiv verschleiern.
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Einordnung der Bedrohungslage
Die in der Telemetrie von macOS-Entwickler-Endpoints beobachteten Aktivitäten weisen starke Ähnlichkeiten mit einem sogenannten Command-and-Control-Check-in (C2) auf. Die betroffenen Shells sendeten authentifizierte HTTP-Anfragen an temporäre Tunnel-Domains und riefen Metriken ab, um einen Cloudflare Quick Tunnel zu initialisieren.
In Reaktion auf diese Erkenntnisse wurde die Sicherheitsregel „Persistence via GenAI Tool“ für entsprechende Schutzsysteme definiert. Experten stufen das Risiko für Unternehmen als hoch ein und empfehlen Sicherheitsteams, ungewöhnliche Netzwerkziele, die von GenAI-Tools angesteuert werden, systematisch zu untersuchen. Obwohl die beobachteten Aktivitäten theoretisch auch Teil von Tests sein könnten, mahnen Analysten zur Vorsicht, da die genutzten Methoden typische Muster für fortgeschrittene Angriffe widerspiegeln.
