Claude for Teachers: Anthropic startet kostenlose KI-Plattform
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 07:08 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Am Dienstag startete das Unternehmen gleich zwei spezialisierte Plattformen – eine für Lehrkräfte, eine für Lebenswissenschaftler. Parallel dazu schloss der Konzern eine kritische Sicherheitslücke in seiner Desktop-Anwendung und kündigte Preisanpassungen für das Flaggschiff-Modell an.
Claude for Teachers: KI-Unterstützung für den Unterricht
Mit Claude for Teachers bietet Anthropic eine kostenlose Plattform für US-amerikanische Pädagogen an. Das Tool ist für verifizierte K-12-Lehrkräfte gedacht und bleibt bis zum 30. Juni 2027 kostenfrei. Es hilft bei der Unterrichtsplanung und Datenanalyse und greift auf rund 150.000 akademische Standards sowie Lehrpläne wie OpenSciEd zurück.
Die Plattform ist konform mit dem US-Bildungsdatenschutzgesetz FERPA. Anthropic versichert, dass die Daten der Lehrkräfte nicht für das Training der KI-Modelle verwendet werden. Das Unternehmen kooperiert unter anderem mit Canva und MagicSchool. Ein Pilotprojekt lief bereits an den Detroit Public Schools.
Claude Science: KI-Werkbank für die Forschung
Zeitgleich brachte Anthropic Claude Science an den Start – eine KI-gestützte Arbeitsumgebung für die Lebenswissenschaften. Die Plattform umfasst mehr als 60 spezialisierte Fähigkeiten, darunter CRISPR-Analysen und die Modellierung von Proteinstrukturen.
Eric Kauderer-Abrams, Leiter der Lebenswissenschaften bei Anthropic, deutete an, dass das Unternehmen eigene Wirkstoffentwicklungen anstrebt. Zu den ersten Kunden zählen die Pharmariesen Sanofi und Novo Nordisk.
Sicherheitslücken: Ein Problem gelöst, ein weiteres offen
Anthropic veröffentlichte im Juli die Version 1.1.2321 von Claude Desktop. Sie schließt die als PromptFiction bekannte Sicherheitslücke. Der von Oasis Security gemeldete Fehler in den Windows- und macOS-Versionen erlaubte es Angreifern, über eine spezielle URL-Syntax automatisch manipulierte Eingaben an die KI zu senden. Im schlimmsten Fall hätten Angreifer auf den Chatverlauf zugreifen oder über das Dateisystem Code ausführen können.
Doch während dieser Fehler behoben ist, bleibt eine andere Schwachstelle offen. Forscher von Manifold Security entdeckten ein Problem in der Claude for Chrome-Erweiterung (Version 1.0.80). Stand 14. Juli ist diese Lücke nicht geschlossen. Die Erweiterung kann demnach synthetische Klicks von anderen Browser-Erweiterungen akzeptieren – ein potenzielles Einfallstor für unbefugten Zugriff auf Google Docs, Gmail und Kalenderdaten.
Der Einsatz von KI-Tools wie Claude stellt Unternehmen vor neue rechtliche Herausforderungen, da seit August 2024 der EU AI Act unmittelbar gilt. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Risikoklassen für den sicheren Einsatz von KI. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Preisanpassungen: Werbeaktion läuft aus
Die Aktionsphase für das Modell Claude Fable 5 endet am 19. Juli 2026. Danach greift eine neue Preisstruktur: 10 Millionen Euro pro Million Input-Token und 50 Millionen Euro pro Million Output-Token. Die kostenlose Nutzungsphase war zuvor dreimal verlängert worden – unter anderem wegen einer Aussetzung von Exportkontrollen zwischen dem 9. und 30. Juni.
Der Zeitpunkt ist heikel, denn der Wettbewerb verschärft sich. Branchenvergleiche zeigen, dass das Modell GPT-5.6 Sol von OpenAI bei etwa einem Drittel der Kosten an die Leistung von Fable 5 heranreicht. Allerdings behauptet Fable 5 die Führung bei spezifischen Programmiertests wie dem SWE-bench Pro.
Missbrauchsversuche und Unternehmenspolitik
Anthropic bestätigte, dass Claude Code über eine Erkennungslogik verfügt, die die Nutzung durch bestimmte chinesische Unternehmen identifiziert. Hintergrund sind Vorwürfe, wonach rund 25.000 betrügerische Konten zwischen dem 22. April und 5. Juni 2026 rund 28,8 Millionen Austauschvorgänge durchführten, um die Fähigkeiten des Modells auszulesen. Der chinesische Konzern Alibaba verbot daraufhin am 10. Juli die interne Nutzung von Claude Code.
Ob Sicherheitslücken in KI-Modellen oder neue Regulierungen – für IT- und Rechtsabteilungen ist die Einhaltung der EU-KI-Verordnung jetzt geschäftskritisch. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und was Unternehmen jetzt konkret zur Dokumentation tun müssen. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?
Strategische Weichenstellung
Angesichts steigender KI-Kosten warnte Angela Jiang, Produktchefin der Claude-Plattform, Unternehmen davor, ihren KI-Einsatz zu reduzieren. Solche Kürzungen seien strategisch falsch. Die Aussage passt zur Expansionsstrategie von Anthropic: Erst im Mai startete das Joint Venture Ode mit dem Finanzinvestor Blackstone – ausgestattet mit 1,5 Milliarden Euro für KI-Implementierungen.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
