Collabora in DĂ€nemark: Ministerium stoppt Office-Pilot mit 38 Mitarbeitern
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 15:13 Uhr | Redaktion boerse-global.deDĂ€nemarks Digitalisierungsministerium hat ein Pilotprojekt zur EinfĂŒhrung der quelloffenen BĂŒrosoftware Collabora stillschweigend eingestellt. Der Testlauf, der im Sommer 2025 mit 38 Mitarbeitern begonnen hatte, sah eigentlich eine Migration weg von Programmen wie Microsoft Word, PowerPoint und Excel vor.
Im Februar 2026 wurde das Vorhaben jedoch vorzeitig beendet, nachdem zahlreiche praktische HĂŒrden im Arbeitsalltag aufgetreten waren. Aktuell gibt es nach Ministeriumsangaben keine PlĂ€ne fĂŒr eine Wiederaufnahme des Umstiegs. Das Ende des Projekts war am 20. Oktober durch Computerworld Denmark bekannt geworden.
Zahlreiche Formatierungsfehler und InkompatibilitÀten
Ausschlaggebend fĂŒr den Abbruch waren nach Berichten wiederholte Beschwerden der beteiligten Mitarbeiter ĂŒber technische Schwierigkeiten. Im laufenden Betrieb traten erhebliche Formatierungsprobleme sowie fehlerhafte ZeilenumbrĂŒche auf. Zudem bereiteten Vorlagen mit zusĂ€tzlichen Formatvorlagen Schwierigkeiten, wĂ€hrend Schriften wie Georgia im System fehlten und unerwartete Textfettungen entstanden.
DarĂŒber hinaus meldeten BeschĂ€ftigte leere Seiten, Druckfehler und Probleme mit der Nachverfolgung von Ănderungen. Dokumente, die aus dem dĂ€nischen Finanzministerium eingingen, blieben teils gĂ€nzlich leer. Zudem sorgte die mangelnde InteroperabilitĂ€t mit dem Standard Open Office XML fĂŒr Störungen.
Eine systematische vergleichende Evaluierung der Software fand nicht statt; die Behörde kehrte ohne formelle Bekanntmachung zur Nutzung von Microsoft Office zurĂŒck. Ein Sprecher des Digitalisierungsministeriums bestĂ€tigte mittlerweile, dass eine Wiederaufnahme derzeit nicht vorgesehen sei.
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WidersprĂŒchliche Signale aus Politik und Unternehmen
Der RĂŒckzug offenbart das Spannungsfeld zwischen politischen Zielen und der praktischen Umsetzung digitaler SouverĂ€nitĂ€t. Digitalisierungsministerin Christina Egelund betonte im dĂ€nischen Morgenradio, dass DĂ€nemark sowie ganz Europa im digitalen Sektor zu stark von wenigen US-amerikanischen Akteuren abhĂ€ngig seien.
Zugleich widersprach der Anbieter der Open-Source-Lösung der Darstellung eines endgĂŒltigen Scheiterns. Michael Meeks, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Collabora, erklĂ€rte, dass der Testlauf lediglich pausiert worden sei. Die gemeldeten technischen MĂ€ngel seien bereits im vergangenen Jahr behoben worden. Man plane noch vor dem Ende des laufenden Jahres einen Neustart des Projekts mit einer verĂ€nderten Gruppe von Interessenvertretern.
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Kritik an mangelnder Auswertung und alternative Tests
Das Vorgehen des Ministeriums stöĂt in der Fachwelt auf Vorbehalte. Mikkel Flyverbom, Professor an der Copenhagen Business School, kritisierte, dass das Pilotprojekt nicht systematisch ausgewertet worden sei. Gerade bei derartigen Transformationsversuchen sei es wichtig, gewonnene Erfahrungen transparent aufzubereiten und zu teilen.
UnabhÀngig von diesem gestoppten Versuch laufen in der dÀnischen Verwaltung weitere Tests mit alternativer Software. Die zentrale IT-Behörde Statens IT erprobt seit Dezember 2025 das System SIA Open.
Der Test umfasst derzeit weniger als zehn BeschĂ€ftigte bei der dĂ€nischen Verkehrssicherheitsbehörde. Eine dritte Version der Lösung ist fĂŒr Februar 2027 angekĂŒndigt und soll im Anschluss fĂŒr 166 Organisationen im ZustĂ€ndigkeitsbereich von Statens IT bereitstehen.
