Comic Chat: Microsoft öffnet Quellcode des 90er-Chat-Klassikers
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 15:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Entwickler und Digitalhistoriker können nun hinter die Kulissen der kuriosen Chat-Software blicken.
Am 16. Juli 2026 stellte Microsoft den Source Code von Comic Chat unter die freizügige MIT-Lizenz. Das rund 30 Jahre alte Programm ist ab sofort als schreibgeschütztes Archiv auf GitHub verfügbar. Für Technik-Enthusiasten und Forscher eröffnet sich damit ein seltenes Fenster in die Frühzeit des grafischen Internets.
Die Geburtsstunde einer berüchtigten Schriftart
Comic Chat erblickte 1996 gemeinsam mit dem Internet Explorer 3.0 das Licht der Welt. Das Besondere: Statt langweiliger Textzeilen verwandelte der Client Unterhaltungen automatisch in Comic-Strip-Panels mit Sprechblasen und individuellen Avataren.
Die Software spielte eine entscheidende Rolle bei der Popularisierung der Comic Sans-Schriftart – jener Schrift, die bis heute die Gemüter spaltet. Für den Dialog in den generierten Comics war sie die Standardwahl. Nach der Veröffentlichung des Internet Explorer 6.0 verschwand die Anwendung jedoch aus Microsofts Angebot.
Was das GitHub-Archiv bereithält
Der veröffentlichte Code umfasst die gesamte Entwicklungsgeschichte des Projekts. Die Dateien reichen von frühen Vorabversionen (v1.0-pre) bis zur finalen Beta (v2.5-beta-1) aus den Jahren 1996 bis 1998.
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Konkret finden Entwickler im Repository:
- Das vollständige Software Development Kit (SDK) samt Werkzeugen
- Den Quellcode der Java-basierten Version
- Modernisierte Build-Beispiele für Visual Studio 2022
- Experimentelle Komponenten mit KI-gestützten Modernisierungsansätzen für die alte Benutzeroberfläche
Ein Gemeinschaftsprojekt für die Nachwelt
Ermöglicht wurde die Veröffentlichung durch die Microsoft-Mitarbeiter Robert Standefer und Scott Hanselman. Auch der ursprüngliche Entwickler DJ Kurlander unterstützte das Vorhaben, das Programm für die Nachwelt zu bewahren.
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Das Projekt ist bewusst als historische Momentaufnahme konzipiert – nicht als aktive Weiterentwicklung. Dank der MIT-Lizenz darf die Community den Code studieren, ohne rechtliche Hürden. Branchenbeobachter sehen darin eine seltene Gelegenheit, die frühen Versuche zu analysieren, digitale Kommunikation durch visuelle Geschichten und automatische Avatare menschlicher zu gestalten.
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