Games-Firmen können wieder Fördergeld beantragen
27.12.2024 - 15:22:23Nach einer Durststrecke von 20 Monaten können Computerspiele-Studios wieder Fördergeld des Bundes beantragen. Seit Mai 2023 hatte das Bundeswirtschaftsministerium keine FörderantrÀge mehr angenommen, ab Montag können die Unternehmen wieder AntrÀge stellen.
Das Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichte hierfĂŒr eine Förderrichtlinie samt Förderaufruf. Allerdings gelten starke EinschrĂ€nkungen, was auch an der vorlĂ€ufigen HaushaltsfĂŒhrung nach dem Bruch der Ampel-Koalition liegt. Branchenvertreter reagieren daher nur verhalten auf das neue Regelwerk.
MehrjĂ€hrige Projekte sind nur teilnahmeberechtigt, wenn sie zwischen 300.000 Euro und 900.000 Euro kosten. GröĂere Projekte sind vorerst de facto auĂen vor. Ihre Förderung kann zwar beantragt werden, die Projekte mĂŒssen aber Ende 2025 fertig sein - was nach Ansicht der Branche unrealistisch ist, da die Entwicklung eines Spiels in der Regel mehrere Jahre dauert. AuĂerdem kann ein Projekt nur mit maximal zwei Millionen Euro gefördert werden.
2025 stehen circa 67,5 Millionen Euro an Bundesmitteln fĂŒr die in Deutschland tĂ€tigen Games-Unternehmen bereit. Das sind zwar mehr als 2024, als es 50 Millionen Euro waren. Allerdings ist unklar, ob dieses Geld komplett abflieĂen kann â nach Lesart des Branchenverbandes Game droht ein groĂer Teil des Förderbudgets wegen der neuen EinschrĂ€nkungen zu verfallen.
Kritik aus der Branche
Game-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Felix Falk ist erleichtert, dass die Bundesregierung den Förderaufruf noch dieses Jahr veröffentlicht hat. Er gab aber zu bedenken, dass viele Unternehmen durch die schĂ€rferen Bedingungen gar keine Förderung erhalten werden. «Dadurch haben diese weiter 30 Prozent Kostennachteil im Vergleich zu LĂ€ndern wie Frankreich, Kanada oder GroĂbritannien.»Â
Falk appellierte an das Ministerium und den Haushaltsausschuss des Bundestags, die Situation zu verbessern. Nach der Bundestagswahl sollte die neue Bundesregierung zudem die steuerliche Förderung angehen und fĂŒr wettbewerbsfĂ€hige und zuverlĂ€ssige Rahmenbedingungen sorgen.
Branche hat Boom-Jahre hinter sich
Die Computer- und Videospiele-Branche ist in den Corona-Jahren stark gewachsen - die Menschen waren viel mehr daheim als zuvor und hatten daher auch mehr Zeit zum Spielen. Nach dieser Hochphase schwÀchte sich die Nachfrage etwas ab, und die Studios kamen unter Druck. «Zuletzt blickte die Branche wieder etwas optimistischer in die Zukunft - hoffentlich bleibt dieser zarte AufwÀrtstrend erhalten», sagt Falk.
Zu den groĂen, in Deutschland tĂ€tigen Spieleentwicklern gehört Ubisoft. Die Firma entwickelt Strategiespiele wie «Anno 1800» und hat in Berlin, DĂŒsseldorf und Mainz Studios. Ubisoft-Deutschlandchef Benedikt Grindel kritisiert, fĂŒr groĂe und mittlere Projekte sei die Förderung vollkommen ungeeignet. GroĂe Projekte brĂ€uchten drei bis fĂŒnf Jahre. «Die Vorgabe, schon in einem Jahr fertig zu sein, ist daher illusorisch.»
Bei Investitionsentscheidungen von internationalen Games-Firmen spielten die nationalen Förderregeln eine groĂe Rolle, sagt Grindel. «Deutschland sendet nun kein gutes Signal an die globale Branche - wĂ€hrend andere Staaten verlĂ€ssliche Regeln bieten und stĂ€rker fördern, ist es in Deutschland ein Hin und Her, statt VerlĂ€sslichkeit bekommt man eine Zitterpartie.»





