Copilot Cowork: Microsoft wechselt zu Verbrauchsabrechnung
26.06.2026 - 21:14:48 | boerse-global.de
Der Tech-Riese ändert die Abrechnung seiner KI-Plattform grundlegend – und stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen.
Seit dem 16. Juni ist Microsofts Copilot Cowork allgemein verfügbar, doch die eigentliche Neuigkeit folgte jetzt: Statt pauschaler Lizenzen pro Arbeitsplatz zahlen Unternehmen künftig nach tatsächlicher Nutzung. Die Umstellung auf das verbrauchsorientierte Modell gilt seit dem 25. Juni für die Abrechnung. Administratoren müssen ihre Zahlungseinstellungen bis zum 1. Juli anpassen, sonst drohen Unterbrechungen.
Credits statt Flatrate
Das Herzstück des neuen Systems sind sogenannte „Copilot Credits" – jeder Credit kostet einen Cent. Einfache automatisierte Aufgaben schlagen mit ein bis drei Credits zu Buche, mittlere Vorgänge kosten vier bis sieben Credits. Komplexe, mehrstufige Abläufe können sogar über 25 Credits verschlingen.
Für einen typischen Wissensarbeiter, der die KI-Funktionen regelmäßig nutzt, ergeben sich laut Branchenschätzungen monatliche Kosten von umgerechnet rund 190 Euro. Microsoft stellt Administratoren Werkzeuge zur Verfügung, um Ausgabenlimits und Obergrenzen pro Nutzer festzulegen. Das Credit-System gilt serviceübergreifend – auch für Copilot Studio, Dynamics 365 und die Power Platform. Firmen können wahlweise nach Verbrauch zahlen oder Guthaben im Voraus kaufen.
Interne Neuaufstellung
Der Schritt folgt auf eine bedeutende Umstrukturierung bei Microsoft. CEO Satya Nadella hatte bereits Anfang des Jahres ein spezialisiertes Zwölf-Personen-Entwicklungsteam gebildet, um autonome KI-Agenten voranzutreiben. Diese „agentischen" Systeme können eigenständig komplexe Arbeitsabläufe über Microsoft-365-Anwendungen hinweg ausführen – ohne ständige menschliche Eingriffe.
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Der Wettbewerb schläft nicht: Sowohl Anthropic als auch OpenAI haben ebenfalls verbrauchsorientierte Preismodelle für Unternehmen eingeführt. Microsofts Copilot zählt derzeit rund 15 Millionen zahlende Nutzer – das entspricht etwa drei Prozent der gesamten Office-365-Installationsbasis. Zu den ersten Firmenkunden von Copilot Cowork zählen Accenture, Zurich Insurance, Capital Group und Koch.
Um die Einführung der autonomen Agenten zu unterstützen, hat Microsoft WinWire – eine Tochter von NTT DATA – kürzlich zum „Frontier Partner" ernannt. Die Auszeichnung würdigt die Fähigkeiten des Unternehmens bei der Implementierung kontrollierter KI-Lösungen auf Azure und Microsoft 365.
Neue Funktionen für Excel und Teams
Parallel zur neuen Abrechnung hat Microsoft am 25. Juni umfangreiche Updates für Copilot in Excel veröffentlicht. Die Tabellenkalkulation unterstützt jetzt „wiederverwendbare Fähigkeiten", die als spezielle Dateien gespeichert werden. Anwender können damit komplexe Finanzabläufe wie Abweichungsanalysen automatisieren. Neue Live-Datenanbindungen zu Finanzdienstleistern wie FactSet, Morningstar, PitchBook und S&P Global sind ebenfalls integriert.
Für die Zusammenarbeit in Teams führt Microsoft ab dem 26. Juni „Copilot Notebooks" für Geschäfts- und Bildungskunden ein. Diese gemeinsamen Arbeitsbereiche erlauben es Teams, KI-Antworten gezielt auf den Inhalt des Notebooks zu beschränken. Das reduziert irrelevante Ergebnisse und erhält den Kontext über Projekte hinweg.
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Governance und gesellschaftliche Verantwortung
Microsoft betont die Bedeutung des „Human-in-the-Loop-Modells" – also der menschlichen Kontrolle – für Sicherheit und Genauigkeit. Copilot Cowork bewegt sich innerhalb der bestehenden Microsoft-365-Sicherheitsgrenzen. Administratoren in Großbritannien und der Europäischen Union werden bestimmte agentische Funktionen standardmäßig deaktiviert vorfinden, um lokale Datenschutzbestimmungen zu erfüllen.
Um die gesellschaftlichen Auswirkungen der KI-Transformation abzufedern, hat Microsoft am 26. Juni gemeinsam mit Amazon, Anthropic und Cisco die Non-Profit-Initiative „Raise Us" ins Leben gerufen. Die Organisation hat bereits über 460 Millionen Euro eingesammelt, um amerikanische Arbeitnehmer auf die KI-Wirtschaft vorzubereiten. Unter der Leitung ehemaliger Regierungsbeamter soll die Initiative Übergangshilfen bieten, während autonome KI-Agenten zunehmend repetitive Aufgaben übernehmen.
