Copilot-Stopp: Zwei Drittel aller Organisationen bremsen Microsoft
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 19:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Drittel aller Organisationen haben den Einsatz von Microsoft Copilot gestoppt oder verschoben. Hauptgrund: massive Bedenken beim Datenschutz.
Eine Umfrage des IT-Dienstleisters CoreView vom 21. Juli zeigt das Ausmaß der Verunsicherung. Rund 75 Prozent der Führungskräfte auf Vorstandsebene haben die Einführung der KI-Software persönlich gestoppt. Sie fürchten, dass die generative KI vertrauliche Informationen aus SharePoint-Dateien preisgeben könnte.
Alte Probleme, neue Sichtbarkeit
Die eigentliche Ursache liegt tiefer. Branchenexperten betonen: KI schafft keine neuen Sicherheitslücken. Sie macht nur sichtbar, was jahrelang schiefgelaufen ist – nämlich chaotische Berechtigungsstrukturen in Unternehmen.
Die Forschungsgruppe Info-Tech Research Group beschreibt den Zustand vieler Microsoft-365-Umgebungen als „Albtraum der Datenverstreuung". Viele Firmen setzen auf isolierte Einzellösungen statt auf durchdachte Governance-Richtlinien. Die KI findet dann Dateien, die niemand sehen sollte – und zeigt sie gnadenlos an.
Simon Azzopardi, CEO von CoreView, bringt es auf den Punkt: „Die KI hat ein Jahrzehnt unkontrollierter Freigabelinks und Berechtigungen ans Licht gebracht." Das habe die Führungsetagen alarmiert. Die Folge: eine Welle interner Audits.
Das Problem der „Schatten-KI"
Doch die offizielle Nutzung ist nur die halbe Wahrheit. Der „Work Trend Index 2026" zeigt: Fast die Hälfte aller KI-Anwendungen in Unternehmen läuft über private Accounts. Mehr als 50 Prozent der Mitarbeiter geben sensible Firmendaten in nicht verwaltete KI-Tools ein.
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Sicherheitsexperten raten daher zu einem Dreiklang: klare Governance-Ziele definieren, Berechtigungen prüfen, strengere Kontrollen einführen – bevor die KI großflächig ausgerollt wird.
Kritische Sicherheitslücke in SharePoint
Am 22. Juli stufte die US-Cybersicherheitsbehörde CISA eine kritische SharePoint-Schwachstelle als aktiv ausgenutzt ein. Der Fehler mit der Kennung CVE-2026-50522 erreicht einen Schweregrad von 9,8 von 10 möglichen Punkten. Angreifer können damit Maschinenschlüssel stehlen und dauerhaften Zugriff auf Systeme erlangen.
Microsoft selbst drängt Unternehmen, Patches innerhalb von drei Tagen einzuspielen. Der Grund: KI beschleunigt, wie schnell Angreifer neue Lücken ausnutzen können. Branchenkenner halten diese Frist für unrealistisch. Die durchschnittliche Patch-Zeit in Großunternehmen liegt deutlich höher.
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Autonome KI-Ransomware: JadePuffer
Die Bedrohung wird konkreter. Am 23. Juli dokumentierten Sicherheitsforscher den Schädling „JadePuffer" – eine autonome KI-Ransomware. Der Schädling sucht selbstständig nach Schwachstellen, stiehlt Zugangsdaten, verschlüsselt Daten und korrigiert eigene Fehler – alles in unter einer Minute.
Microsoft reagiert: Mehr Europa, weniger Gratis-Features
Angesichts der Zurückhaltung der Unternehmen ändert Microsoft seine Strategie. Am 23. Juli kündigte der Konzern eine erweiterte Partnerschaft mit dem französischen KI-Unternehmen Mistral an. Ziel: Europäische GPU-Infrastruktur und Open-Weight-Modelle in Copilot Studio integrieren. Unternehmen sollen mehr Kontrolle über Standort und Architektur ihrer Daten bekommen – ein Zugeständnis an die Nachfrage nach „souveräner KI".
Gleichzeitig dreht Microsoft an der Preisschraube. Bis zum 18. August wandern mehrere bisher kostenlose Funktionen – darunter Copilot Deep Research und Copilot Podcasts – in die kostenpflichtige Premium-Stufe von Microsoft 365. Die Aktie des Konzerns gab am 22. Juli um rund 2,5 Prozent nach – ein Zeichen für die Nervosität der Märkte angesichts der Sicherheitsrisiken.
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