CPS-Studie, Auckland

CPS-Studie in Auckland: 20 Schmerzpatienten testen Cannabis gegen Schlaflosigkeit

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine neuseelĂ€ndische Phase-2-Studie soll ab Dezember 2026 Cannabis bei chronischen RĂŒckenschmerzen und Schlaflosigkeit untersuchen.
Ein klinisches Labor mit prĂ€zisen Messinstrumenten und GlasgefĂ€ĂŸen auf einem sauberen Labortisch. Illustration mit AI erstellt.

Chronische Schmerzen und Schlafstörungen treten in der klinischen Praxis hĂ€ufig gemeinsam auf. Nach Angaben der UniversitĂ€t Auckland leidet ĂŒber ein FĂŒnftel der neuseelĂ€ndischen Erwachsenen an chronischen, nicht-krebsbedingten Schmerzen. Internationale Erhebungen zeigen zudem, dass rund 75 Prozent der Betroffenen parallel unter Schlafproblemen leiden.

Vor diesem Hintergrund verzeichnete Neuseeland einen deutlichen Anstieg der jĂ€hrlichen Verschreibungen von medizinischem Cannabis von 4.875 im Jahr 2020 auf 389.668 im Jahr 2025. Um die therapeutischen Mechanismen methodisch fundiert zu ĂŒberprĂŒfen, startet im Dezember 2026 an der UniversitĂ€t Auckland die randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Crossover-Phase-2-Studie „Cannabis, Pain, Sleep (CPS) Trial“.

Das Design der neuseelÀndischen CPS-Studie

Die auf sieben Monate angelegte CPS-Studie entsteht in Kooperation mit der UniversitĂ€t Otago sowie dem Tauranga Hospital und wird von dem Unternehmen Helius Therapeutics unterstĂŒtzt. Untersucht werden 20 Probanden ab einem Alter von 25 Jahren, die unter chronischen RĂŒckenschmerzen und ausgeprĂ€gter Schlaflosigkeit leiden. Erste Ergebnisse der Untersuchung werden fĂŒr Anfang 2028 erwartet.

Als PrĂŒfprĂ€parat dient das Produkt Helius THC10 Full Spectrum Öl, das auf mittelkettigen Triglyceriden (MCT-Öl) basiert und pro Milliliter jeweils 10 Milligramm THC sowie 10 Milligramm CBD enthĂ€lt. Die Gabe erfolgt oral etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen.

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Ausgehend von einer Anfangsdosis von 0,2 Millilitern (entsprechend 2 Milligramm THC und 2 Milligramm CBD) wird die Menge tÀglich um 0,2 Milliliter gesteigert, bis eine maximale Dosis von 1 Milliliter pro Abend erreicht ist.

Das Protokoll sieht fĂŒr jeden Teilnehmer jeweils 84 Tage mit dem Wirkstoff sowie 84 Tage mit einem Placebo auf MCT-Ölbasis vor, unterbrochen von einer zweiwöchigen behandlungsfreien Pause. Die Schlafmuster werden objektiv ĂŒber Aktigraphie-ArmbĂ€nder erfasst.

Erkenntnisse zu Schmerzkontrolle und Opioidkonsum

Parallel zur Vorbereitung der neuseelÀndischen Studie liefern internationale Veröffentlichungen differenzierte Daten zur Wechselwirkung zwischen Cannabinoiden und Schmerztherapien.

Eine im Fachjournal Journal of Addiction Medicine veröffentlichte Beobachtungsstudie vom 28. Oktober 2026 untersuchte 8.358 New Yorker Schmerzpatienten unter langfristiger Opioidmedikation, die zusÀtzlich Cannabis erhielten.

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Bei Personen, die medizinisches Marihuana ĂŒber mehr als 30 Tage einnahmen, setzten 15,5 Prozent ihre Opioidrezepte fĂŒr mindestens 45 Tage ab, verglichen mit 7,6 Prozent bei einer Anwendungsdauer von höchstens 30 Tagen.

Bei Patienten mit einer Dosierung von unter 50 Morphin-Milligramm-Äquivalenten (MME) lag die bereinigte Absetzrate in den ersten 30 Tagen 2,87-fach höher als in der Vergleichsgruppe. Die Autoren betonten jedoch den rein beobachtenden Charakter der Daten ohne Kausalnachweis.

Eine weitere, am 22. Oktober 2026 im Journal of Pain publizierte Untersuchung an 36 Patienten nach beidseitigem Kniegelenkersatz zeigte die KomplexitĂ€t der Dosierung. WĂ€hrend eine Dosis von 400 Milligramm CBD in ergĂ€nzenden Analysen Hinweise auf einen geringeren Opioidverbrauch und weniger Schmerzen lieferte, brachte eine höhere Dosis von 800 Milligramm CBD keinen vergleichbaren Nutzen und fĂŒhrte zu mehr Nebenwirkungen.

Wissenschaftliche Differenzen beim Einfluss auf den Schlaf

Hinsichtlich der SchlafqualitĂ€t bleiben klinische Ergebnisse uneinheitlich. Eine 2026 im Fachjournal JAMA Network Open erschienene Analyse der CARDIA-Studie mit 1.266 Teilnehmenden stellte fest, dass ein höherer kumulativer Cannabiskonsum ĂŒber die Lebensspanne mit fragmentierterem Schlaf und lĂ€ngeren nĂ€chtlichen Wachphasen verknĂŒpft war.

Die subjektiv bewertete SchlafqualitĂ€t unterschied sich zwischen Konsumenten und Nichtkonsumenten hingegen nicht. Verwiesen wurde zudem auf eine Übersichtsarbeit von Cochrane mit neun klinischen Studien, die wenig bis keinen klinisch bedeutsamen Effekt von medizinischem Cannabis bei Insomnie gegenĂŒber Scheinmedikamenten nachweisen konnte.

Studien wie das neuseelÀndische CPS-Projekt zielen darauf ab, durch standardisierte Dosierungen und objektive Messverfahren belastbarere KausalitÀten zu klÀren.

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