Crash-Diäten, Nebenwirkungen

Crash-Diäten: 86 Prozent hatten Nebenwirkungen bei extremer Kalorienkur

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 17:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute empfehlen nachhaltige Gewichtsabnahme mit Muskelschutz und ärztlicher Begleitung bei stark kalorienreduzierten Diäten.
Ein Arrangement aus frischem, unverarbeitetem Gemüse, Hülsenfrüchten und Proteinquellen auf einem Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachleute mahnen bei metabolischen Erkrankungen wie dem metabolischen Syndrom vor unüberlegten, drastischen Reduktionskuren. Beim Gewichtsverlust zähle vor allem die Art und Weise der Abnahme: Im Vordergrund müsse eine funktionelle Reduktion des Fettgewebes bei gleichzeitigem Schutz der Muskulatur stehen.

Fachliche Empfehlungen raten dazu, hochverarbeitete Lebensmittel sowie bei einer Steatose auch Alkohol konsequent zu meiden. Kohlenhydrate seien am Abend keineswegs grundsätzlich verboten, entscheidend bleibe vielmehr die Gesamtenergiebilanz sowie die gezielte Kombination von Kohlenhydraten mit Ballaststoffen und hochwertigem Protein.

Auch der Einsatz moderner GLP-1-basierter Abnehmspritzen gehöre ausschließlich in ärztliche Hände und dürfe keinesfalls in Eigenregie erfolgen, zumal Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung auftreten können.

Stoffwechsel im Notfallmodus und Risiken extremer Kaloriendefizite

Die Ernährungsexpertin Aline Pamsl erläutert, dass wiederholte Diäten das Problem oft verschärfen: Wer vier-, fünf- oder sechsmal im Jahr Diät halte, baue langfristig vermehrt Körperfett auf.

Sinke die Zufuhr unter etwa 1.000 Kalorien pro Tag, schalte der Organismus in ein Notfallprogramm. Dabei werde anfangs vor allem Wasser ausgeschieden, während Grundumsatz und Stoffwechselrate absinken. In der Folge steige das Körpergewicht kurz nach dem Ende einer Crash-Diät meist wieder an.

Welche Risiken sehr restriktive Ansätze bergen, verdeutlicht auch eine im Fachjournal The Lancet Regional Health veröffentlichte Untersuchung an 96 nicht insulinpflichtigen Teilnehmern zwischen 18 und 45 Jahren mit Adipositas und früherem Typ-2-Diabetes.

Eine Interventionsgruppe absolvierte zwölf Wochen lang eine Diät mit 800 bis 900 Kalorien täglich – aufgeteilt auf etwa 30 Prozent Protein, 50 Prozent Kohlenhydrate und 20 Prozent Fett – kombiniert mit zwei überwachten Trainingseinheiten aus Aerobic und Kraftsport sowie einer selbstständigen Einheit pro Woche, gefolgt von einer zwölfwöchigen Phase zur Gewichtserhaltung.

Zwar erreichten nach 24 Wochen 27 von 50 Teilnehmern (54 Prozent) eine Remission gegenüber zwei Personen (4 Prozent) in der Kontrollgruppe, bei einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 18,5 Pfund gegenüber 2,6 Pfund.

Allerdings litten 86 Prozent der Interventionsgruppe unter Nebenwirkungen wie Verstopfung, Kopfschmerzen, Schwindel und Kälteempfindlichkeit. Eine derart massive Kalorienrestriktion dürfe daher keinesfalls ohne engmaschige medizinische Aufsicht erfolgen.

Anzeige

Wer sich mit metabolischen Risiken befasst, sollte auch seine inneren Werte genau im Blick behalten. Dieser kostenlose Ratgeber erklärt verständlich, welche Laborwerte für Ihre Gesundheit wirklich entscheidend sind und wie Sie diese richtig deuten. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt anfordern

Kritik an Nährstoff-Hypes und Scheinlösungen

Dr. Matthias Riedl vom Medicum Hamburg warnt vor einseitigen Modetrends wie dem aktuellen Eiweiß-Hype, der über Influencer-Marketing verbreitet werde. Es sei ein grundlegender Fehler, einzelne Nährstoffe isoliert zu betrachten.

Viele Light- und Ersatzprodukte sowie etliche vegane Fleischersatzprodukte seien aufgrund von zugesetzten Süßstoffen und Emulgatoren oft ungesünder als naturbelassene Lebensmittel. Zudem griffen vorgefertigte Diätkonzepte zu kurz, da sie individuelle Bedürfnisse ignorieren. Eine medikamentöse Therapie mache eine grundlegende Ernährungsumstellung nicht überflüssig.

Elke Walther von der AOK Rems-Murr sieht das Hauptproblem darin, dauerhaft zu süß und zu fettreich zu essen sowie jedem flüchtigen Diättrend zu folgen. Personalisierte DNA-Diäten entbehrten jeder wissenschaftlichen Grundlage. Als praxisnahe Orientierung empfiehlt Walther drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst pro Tag mit entsprechendem Spielraum.

Der tägliche Eiweißbedarf liege im Allgemeinen bei 60 bis 80 Gramm, wobei Personen ab etwa 65 Jahren sowie Leistungssportler höhere Mengen benötigten. Nahrungsergänzungsmittel seien für gesunde Menschen meist nicht erforderlich; lediglich bei veganer Kost müsse gezielt auf Vitamin B12 sowie Zink und Eisen geachtet werden.

Anzeige

Ab dem 50. Lebensjahr verliert der Körper kontinuierlich an Kraft, was den Stoffwechsel zusätzlich belasten kann. Wie Sie mit nur sechs einfachen Übungen von zuhause aus effektiv gegensteuern können, erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden. Gratis PDF-Ratgeber für Krafttraining ab 50 sichern

Dauerhafte Lebensstiländerung statt schneller Versprechen

Auf einer kardiologischen Fortbildung in Bad Wörishofen mit 130 teilnehmenden Ärzten wurde hervorgehoben, dass bei Übergewicht eine dauerhafte Lebensstiländerung im Mittelpunkt stehen müsse. Schon 500 bis 1.000 zusätzliche Schritte pro Tag wirken lebensverlängernd. Als realistischer therapeutischer Erfolg gelte eine Reduktion des Körpergewichts um 5 bis 10 Prozent innerhalb von sechs bis zwölf Monaten.

Zwar ermöglichen moderne Abnehmspritzen wie Wegovy oder Mounjaro eine Gewichtsabnahme von bis zu 20 Prozent und bariatrische Eingriffe wie Schlauchmagen oder Magenbypass sogar bis zu 35 Prozent, wodurch ein Typ-2-Diabetes vollständig verschwinden könne.

Ohne begleitendes Krafttraining drohe bei medikamentösen Therapien jedoch ein relevanter Verlust an fettfreier Masse wie Muskeln und Knochen, zudem drohe nach dem Absetzen eine erneute Gewichtszunahme. Präventiv empfehlen die Mediziner zudem, das kardiovaskuläre Risiko frühzeitig durch die einmalige Bestimmung von Lipoprotein(a) abzuklären, da Werte über 50 mg/dl ein erhöhtes Risiko signalisieren.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70475137 |