Cruciferra-Crypter, Dienst

Cruciferra-Crypter: Neuer Dienst schleust Malware an Antivirus vorbei

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 16:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Sicherheitsforscher warnen vor dem Abo-Dienst Cruciferra, der Schadsoftware tarnt und gezielt europäische Unternehmen angreift.

Cruciferra Crypter: Neue Gefahr fĂĽr kritische Infrastrukturen
Dunkler Serverraum mit leuchtenden Glasfaserkabeln und digitalem Code, der eine Cybersicherheitsbedrohung darstellt. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Ein hochspezialisierter Crypter-Dienst namens Cruciferra hilft Hackern, Sicherheitssoftware auszutricksen und Schadsoftware einzuschleusen. Das berichten Sicherheitsforscher von Proofpoint. Der Dienst ist seit Herbst 2025 auf Untergrund-Foren verfügbar und richtet sich gegen kritische Infrastrukturen – auch in Europa.

Abo-Modell fĂĽr Cyberkriminelle

Cruciferra wird als Abonnement-Dienst angeboten, die Preise liegen zwischen 450 und 2.000 Euro pro Monat. Geschrieben in Mono, bietet die Plattform verschiedene Techniken zur Umgehung von Sicherheitslösungen. Besonders perfide: Der Dienst tarnt Remote Access Trojans (RATs) und Datendiebstahl-Software.

Die Angriffe zielen auf Gesundheitswesen, Finanzsektor, Regierungen, Bildungseinrichtungen und die Fertigungsindustrie – also genau jene Bereiche, die auch deutsche Unternehmen betreffen.

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Mehr als 90 kryptografische Routinen

Was Cruciferra von anderen Diensten abhebt, ist seine mehrschichtige Tarnstrategie. Analysten zufolge nutzt der Crypter über 90 eigene kryptografische Routinen, um seine Aktivitäten zu verschleiern.

Eine zentrale Methode ist „Bring Your Own Vulnerable Driver" (BYOVD). Dabei kommt ein Treiber namens GoFlyDrv.sys zum Einsatz. Die Angreifer nutzen bekannte Sicherheitslücken in legitimen Treibern aus, um hohe Systemrechte zu erlangen und Sicherheitssoftware zu deaktivieren.

Hinzu kommt „Process Ghosting" – eine Technik, bei der Schadcode im Speicher einer gelöschten Datei ausgeführt wird. Herkömmliche Antivirenlösungen können das kaum erkennen. Indirekte Syscalls und API-Unhooking erschweren die Detektion zusätzlich.

Bekannte Schädlinge im neuen Gewand

Der Crypter dient als Hülle für etablierte Malware-Familien. Forscher beobachteten die Verbreitung von Agent Tesla, AsyncRAT, XWorm und zgRAT. Besonders aktiv ist die chinesischsprachige Gruppe TA4922, die häufig Steuer-Themen in Phishing-Mails nutzt.

Zwei konkrete Kampagnen wurden dokumentiert:

  • Mai 2026: Eine Kampagne gab sich als US-Sozialversicherungsbehörde aus und verbreitete den XWorm-Trojaner
  • Juni 2026: Im Gastgewerbe lockten BetrĂĽger mit angeblichen Bettwanzen-Befällen, um zgRAT zu installieren
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Per Registry fĂĽr den Neustart gerĂĽstet

Die Malware gelangt meist über Phishing-Mails mit manipulierten DLL-Dateien auf die Systeme. Ein Side-Loading-Verfahren führt sie dann aus. Damit die Schadsoftware auch nach einem Neustart aktiv bleibt, trägt sie sich in die Windows-Registry ein – unter dem harmlosen Namen „putty".

Der Fall Cruciferra zeigt einen wachsenden Trend: Spezialisierte Entwickler stellen hochentwickelte Umgehungsmodule für andere Angreifer bereit. Die Hürden für Spionage und Datendiebstahl sinken damit drastisch – ein Alarmsignal für Unternehmen und Behörden weltweit.

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