CyberkriminalitÀt, Anwaltskanzleien

Cyberangriffe auf Kanzleien: Attacken fast verdoppelt

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Kanzleien bewahren besonders wertvolle Mandanteninformationen und werden deshalb hÀufiger angegriffen. Der Bericht nennt Erpressung, Spionage und manipulierte FernwartungszugÀnge als zentrale Gefahren.

Angriffe treffen Kanzleien weltweit

  • CrowdStrike registrierte im Erfassungszeitraum 455 Organisationen des Rechtssektors auf Datenleak-Websites.
  • 82 Prozent der beobachteten Angriffe waren finanziell motiviert, 18 Prozent wurden staatlichen Akteuren zugerechnet.
  • Die Gruppe Chatty Spider steigerte ihre AngriffsaktivitĂ€ten binnen eines Jahres um 129 Prozent.
Anwaltskanzleien werden immer hÀufiger Opfer von Cyberattacken. (Symbolbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa

Cyberkriminelle greifen Kanzleien zunehmend an

Cyberkriminelle und staatlich gelenkte Spionagegruppen nehmen Anwaltskanzleien und Rechtsabteilungen zunehmend ins Visier. Die Zahl der Attacken auf Organisationen im Rechtssektor hat sich gegenĂŒber 2023 beinahe verdoppelt, wie aus dem am Mittwoch vorgelegten „Legal Threat Landscape Report 2026“ des IT-Sicherheitsunternehmens CrowdStrike hervorgeht.

Vertrauliche Mandantendaten im Fokus

Angreifer suchen vor allem nach Fusions- und ÜbernahmeplĂ€nen, geistigem Eigentum, Finanzdaten und Strategien fĂŒr Gerichtsverfahren. Deutschland gehört laut dem Bericht neben den USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Israel zu den weltweit am hĂ€ufigsten attackierten LĂ€ndern.

Im Zeitraum von September 2025 bis August 2026 nannten auf Großziele spezialisierte Erpressergruppen insgesamt 455 Organisationen aus dem Rechtssektor auf ihren Datenleak-Websites. Das waren 39 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Erpressung bleibt wichtigstes Motiv

82 Prozent der beobachteten Angriffe gingen von finanziell motivierten Cyberkriminellen aus. Die TÀter setzen darauf, dass Kanzleien wegen ihrer Verschwiegenheitspflichten und möglicher Reputations- oder RegulierungsschÀden unter erheblichem Druck stehen, Lösegeld zu zahlen.

Chatty Spider nutzt TĂ€uschung

Als aggressivste Einzelbedrohung identifizierten die Sicherheitsexperten die Gruppierung Chatty Spider. Ihre AngriffsaktivitÀten nahmen binnen eines Jahres um 129 Prozent zu.

Die Gruppe ruft AnwĂ€lte oder Kanzleipersonal an, gibt sich als interne IT-Abteilung aus und bringt Betroffene dazu, Fernwartungssoftware freizugeben. In einem dokumentierten Fall versuchten die Hacker vier Minuten nach dem Eindringen, sensible Daten abzuziehen. In den USA verschafften sich HintermĂ€nner zudem in mehreren FĂ€llen ĂŒber angeworbene Personen Zutritt zu KanzleirĂ€umen, um Arbeitsstationen direkt anzuschließen.

Spionagegruppen greifen Kanzleisoftware an

Rund 18 Prozent der registrierten Angriffe wurden mutmaßlich staatlichen Akteuren zugerechnet. Gruppierungen mit Verbindungen zu China stellten dabei den grĂ¶ĂŸten Anteil dieser SpionageaktivitĂ€ten; ihre Zahl hat sich laut CrowdStrike seit 2023 beinahe verdoppelt.

Die Gruppe Titan Panda nutzte erstmals Schwachstellen in der Kanzleisoftware Intapp Time Server aus, um Fernzugriff auf Systeme zu erlangen. Murky Panda attackierte Kanzleien mit breit angelegten Anmeldeversuchen auf Microsoft-365-Konten. Zudem wurden AktivitÀten aus Nordkorea registriert, die unter anderem auf Dokumente zur Gesetzgebung gegen GeldwÀsche zielten.

Kanzleien als Sprungbrett in weitere Netze

CrowdStrike zufolge sind Kanzleien lĂ€ngst nicht mehr nur Endziele. Angreifer könnten sie auch als Sprungbrett in die Netzwerke von Großkonzernen, Regierungsorganisationen oder Technologieunternehmen nutzen.

Als Gegenmaßnahmen empfehlen die Sicherheitsexperten eine stĂ€rkere Mehrfaktor-Authentifizierung, eine strengere Kontrolle von Fernwartungsprogrammen und die konsequente Absicherung spezialisierter Branchensoftware.

Rechtsanwaltskanzleien sind fĂŒr Angreifer besonders attraktiv, weil sie Informationen aus mehreren besonders schĂŒtzenswerten Bereichen bĂŒndeln. Dazu gehören etwa FusionsplĂ€ne, Finanzunterlagen, geistiges Eigentum und Strategien fĂŒr Gerichtsverfahren. Ein erfolgreicher Zugriff kann deshalb nicht nur die Kanzlei selbst, sondern auch Unternehmen, Behörden und weitere Mandanten gefĂ€hrden.

Die im Bericht genannten Angriffsmuster zeigen, dass technische Schwachstellen und soziale Manipulation eng zusammenwirken. Ein Anruf bei BeschĂ€ftigten, die Freigabe einer Fernwartung oder wiederholte Anmeldeversuche auf Microsoft-365-Konten können genĂŒgen, um Schutzmechanismen zu umgehen. FĂŒr Kanzleien bedeutet das, dass Sicherheitskonzepte neben der IT auch Schulungen, klare Freigabeprozesse und eine strikte Kontrolle externer Zugriffe umfassen mĂŒssen.

Risiko fĂŒr Mandanten und Lieferketten

Besonders folgenreich ist die Rolle von Kanzleien als Verbindungspunkt zu ihren Mandanten. Über deren Systeme könnten Angreifer Informationen ĂŒber UnternehmensĂŒbernahmen, Forschung, staatliche Vorhaben oder regulatorische Verfahren erlangen. Die Bedrohung reicht damit ĂŒber einzelne Datenpannen hinaus und betrifft die Sicherheit ganzer GeschĂ€fts- und Verwaltungsbeziehungen.

FĂŒr Betroffene sind Mehrfaktor-Authentifizierung, abgesicherte Branchensoftware und vorbereitete NotfallablĂ€ufe zentrale Schutzmaßnahmen. Ebenso entscheidend ist, Zugriffe zu protokollieren und verdĂ€chtige Anrufe oder Anmeldeversuche schnell an spezialisierte Stellen zu melden. Die wachsende Zahl finanziell motivierter Attacken erhöht zugleich den Druck, Wiederherstellung und Kommunikation vorab zu planen.

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