Cyberangriffe: Qilin-Ransomware um 443 Prozent gestiegen
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 22:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsforscher schlagen Alarm: Eine neue Welle hochentwickelter Cyberangriffe zielt gezielt auf Künstliche Intelligenz und Unternehmensinfrastruktur.
Die Bedrohungslandschaft hat sich grundlegend verändert. Kriminelle setzen zunehmend selbst auf KI, um ihre Opfer zu analysieren und Angriffe zu automatisieren. Gleichzeitig werden KI-Modelle und Trainingsdaten zum bevorzugten Ziel von Erpressern.
Dolphin X: Der Stealer mit KI-Profil
Das Sicherheitsunternehmen Varonis Threat Labs hat am 22. Juli einen neuen Schädling entdeckt: Dolphin X. Die Windows-basierte Schadsoftware kombiniert einen Datendieb mit einem Remote-Zugriffs-Trojaner (RAT) und wird derzeit in Cybercrime-Foren verkauft.
Entwickelt vom Urheber mit dem Pseudonym „Kontraktnik", verfügt Dolphin X über eine besondere Funktion: einen KI-Profiler. Das Modul analysiert die installierten Anwendungen, den Browserverlauf und die genutzte Software des Opfers. Anschließend bewertet es den infizierten Rechner mit einer Punktzahl.
Täglich erhalten die Angreifer Zusammenfassungen. So können sie gezielt die vielversprechendsten Opfer priorisieren. Der Stealer greift auf über 300 Anwendungen zu – darunter neun verschiedene Browser, 100 Wallet-Erweiterungen und 65 Desktop-Kryptowallets. Doch nicht nur private Daten sind das Ziel. Dolphin X sammelt auch DevOps-Geheimnisse, SSH-Schlüssel, Cloud-Tokens und .env-Dateien aus Unternehmensnetzwerken.
Ein dreistufiger Mutationsmotor soll traditionelle Erkennungsmethoden umgehen.
Agentische Ransomware: KI-Modelle als Geisel
Eine neue Gruppe namens JADEPUFFER hat nach Erkenntnissen vom 22. Juli die erste „agentische" Ransomware eingesetzt. Die Schadsoftware ENCFORGE verschlüsselt über 180 Dateitypen – darunter speziell Formate für PyTorch, SafeTensors und TensorFlow-Modelle.
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Die Angreifer nutzen eine Schwachstelle im Langflow-Framework (CVE-2025-3248) und offene Docker-Schnittstellen, um in Systeme einzudringen. Laut dem Sicherheitsunternehmen Sysdig kann die Ransomware KI-generierten Code in weniger als sechs Minuten anpassen, um ihre operationen zu unterstützen.
Zwar wurde bei diesen Angriffen kein Datendiebstahl beobachtet, doch die Wiederherstellungskosten sind enorm: Zwischen 75.000 und 500.000 Euro pro Modell schätzen Experten. Die Erpresser geben den Opfern sieben Tage Zeit – danach drohen sie mit der Löschung der Entschlüsselungsschlüssel.
Qilin: Explosives Wachstum bei Ransomware
Die Ransomware-Gruppe Qilin hat ihre Aktivitäten massiv ausgeweitet. Daten von Black Kite zeigen: Zwischen April 2025 und März 2026 bekannte sich die Gruppe zu 1.358 Opfern – ein Anstieg um 443 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Im Juni 2026 nutzten Qilin-Mitglieder eine kritische Sicherheitslücke in PAN-OS (CVE-2026-0257). Über GlobalProtect-VPNs verschafften sie sich unbefugten Zugang zu Netzwerken. Arctic Wolf Labs berichtete am 22. Juli, dass die Eindringlinge PsExec für laterale Bewegungen nutzten, LSASS-Speicher auslasen und Daten zum Cloud-Dienst MEGA abflossen.
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Die Angreifer deponierten ihre Ransomware meist im Verzeichnis C:PerfLogs, nachdem sie Windows Defender deaktiviert und Systemprotokolle gelöscht hatten. Mal nutzten sie doppelte Erpressung, mal beschränkten sie sich auf reine Verschlüsselung.
FakeGit: Malware über vertrauenswürdige Plattformen
Die Verbreitung von Schadsoftware über seriöse Plattformen bleibt ein großes Problem. Die Kampagne „FakeGit" wurde am 21. Juli entdeckt: Über 7.600 bösartige GitHub-Repositorys verteilten die Schädlinge SmartLoader und StealC.
Mehr als 800 dieser Repositorys tarnten sich als KI-Fähigkeiten oder MCP-Server. Forscher nennen diese Taktik „Agentbaiting" – die bösartigen Links tauchten sogar in Suchergebnissen von KI-Tools wie ChatGPT und Gemini auf.
Festnahme und regionale Entwicklungen
Das FBI hat am 14. Juli den 21-jährigen Zyaire Dontaevious Zamarion Wilkins festgenommen. Er soll zwischen Mai 2024 und Februar 2026 verschiedene Schadsoftware – darunter Vidar und Fickle Stealer – in acht Spiele auf der Steam-Plattform eingebaut haben. Rund 8.000 Computer wurden infiziert, mehr als 220.000 Euro aus Kryptowallets gestohlen. Die Spiele wurden inzwischen aus dem Store entfernt.
In Lateinamerika beobachten Sicherheitsforscher einen neuen Trend: Angreifer in Kolumbien und Mexiko kapern Drucker, um physische Lösegeldforderungen auszudrucken. Zuvor verschlüsseln sie mit BitLocker die Festplatten falsch konfigurierter SQL-Server. Die Zahl der Ransomware-Vorfälle in der Region stieg 2025 um 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
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