Cyberbetrug: 46% aller Malware-Erkennungen sind Betrugsfälle
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 17:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Cyberkriminelle setzen zunehmend auf Betrug statt auf Hacking – mit alarmierenden Folgen für Verbraucher und Unternehmen.
Eine aktuelle Analyse des Sicherheitsanbieters Gen Digital offenbart eine dramatische Verschiebung der Bedrohungslage: Im ersten Halbjahr 2026 entfielen bereits 46 Prozent aller Malware-Erkennungen auf betrügerische Aktivitäten. Die Zahl der Sicherheitsverstöße stieg um 628 Prozent, Betrugsfälle in Online-Shops legten um 109 Prozent zu. Besonders perfide: Die Täter nutzen zunehmend automatisierte Systeme und psychologische Tricks.
Rumänien als Epizentrum des Vishing
Die Methoden werden immer raffinierter. In Rumänien etwa entfielen 42 Prozent aller gemeldeten Betrugsfälle auf Vishing – also Telefonbetrug, bei dem sich Täter als Bankmitarbeiter oder Behörden ausgeben. Klassisches Phishing lag bei 14 Prozent, SMS-Betrug (Smishing) bei 13 Prozent.
Ein weiterer Hotspot: die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Zwischen August 2025 und Juni 2026 wurden über 4.300 betrügerische FIFA-Webseiten registriert. Sicherheitsexperten warnen eindringlich davor, auf Firmengeräten illegale Streaming-Seiten zu besuchen oder WM-bezogene Phishing-Mails zu öffnen. Das Risiko für Datendiebstahl sei enorm.
Wenn vertraute Dienste zur Waffe werden
Die Angreifer haben eine neue Schwachstelle entdeckt: vertrauenswürdige Plattformen. Eine aktuelle Kampagne missbrauchte etwa Zoom Events. Die Opfer erhielten eine legitime E-Mail von Zoom mit einem angeblichen Datei-Sharing-Link – der sie jedoch auf gefälschte Login-Seiten führte oder zur Installation von Fernwartungssoftware wie ConnectWise ScreenConnect drängte.
Auch Mac-Nutzer sind im Visier. Eine Kampagne über Anthropics Claude nutzte geteilte Chat-Inhalte und Google-Suchanzeigen, um die Schadsoftware „MacSync Stealer" zu verbreiten. Diese stiehlt Browserdaten, Kryptowährungs-Wallets und Zugangsdaten.
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Die unsichtbare Gefahr: Text-Salting
KI-gestützte Sicherheitssysteme werden mit einer neuen Methode ausgehebelt: Text-Salting. Seit April zählte Barracuda Networks über eine Million Phishing-Angriffe, die unsichtbaren Fülltext in E-Mails einbetten. Das senkt den Anteil erkennbarer Schadwörter und macht die Nachrichten für Filter unsichtbar. Kombiniert mit KI-generierten Inhalten und kompromittierten, aber legitim wirkenden Absenderadressen entsteht eine gefährliche Mischung.
Mobile Bedrohungen auf dem Vormarsch
Die Entwicklung von Schadsoftware für Smartphones schreitet rasant voran. Der RedHook-Android-Trojaner kehrte in einer verbesserten Version zurück. Er missbraucht das Android Wireless Debugging, um erhöhte Rechte zu erlangen. Hauptzielgruppen sind Nutzer in Vietnam und Indonesien, die über fingierte Regierungs- und Banken-Webseiten geködert werden.
Noch einen Schritt weiter geht Hook v3, eine Weiterentwicklung des Banking-Trojaners. Mit 107 verschiedenen Fernbefehlen kann er Kreditkarten-Overlays einblenden und sogar Daten verschlüsseln – klassische Erpressungssoftware. Kaspersky entdeckte zudem CrystalX, ein „Malware-as-a-Service"-Angebot, das auf sozialen Plattformen gehandelt wird und als Trojaner, Datendieb und Keylogger fungiert.
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Telegram im Fokus der Ermittler
Der Messengerdienst Telegram bleibt die Drehscheibe für kriminelle Aktivitäten. Indische Behörden sperrten den Dienst zwischen dem 16. und 22. Juni vorübergehend, nachdem ein großer Prüfungs-Leak aufgetaucht war. Obwohl Telegram 2025 über 43 Millionen Kanäle und Gruppen löschte, nutzen Betrüger die Plattform weiterhin für Investment-Betrug und zur Steuerung von Schadsoftware. Die Möglichkeit, große Gruppen mit anonymen Nutzern zu betreiben, macht den Dienst für Kriminelle attraktiv.
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