Computer und Informationstechnologie, Computerkriminalität

Cyberkrieg folgt geopolitischen Konflikten

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 14:45 Uhr | pressetext, AD HOC NEWS
Jena - Staatlich unterstützte Hackergruppen aus Russland, Iran, Nordkorea und China weiten ihre Aktivitäten aus und passen ihre Strategien an globale Konflikte und politische Entwicklungen an. Darüber hinaus nutzen Cyberkriminelle verstärkt künstliche Intelligenz für ihre Kampagnen. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle APT Activity Report von ESET. Besonders im Fokus stehen dabei Regierungen, Rüstungsunternehmen, kritische Infrastrukturen, Technologieanbieter und Einrichtungen in geopolitischen Krisenregionen.

Künstliche Intelligenz verändert die Bedrohungslage

Eine zentrale Beobachtung der ESET Experten: Angreifer greifen verstärkt auf KI-Werkzeuge zurück. KI wird unter anderem genutzt, um Schadcode zu entwickeln, überzeugende Phishing-Kampagnen zu erstellen oder gefälschte Webseiten zu generieren. Die erwartete Revolution im Cybercrime bleibt bislang jedoch aus.

"KI macht einzelne Angriffe effizienter und senkt teilweise die Einstiegshürden für Kriminelle", erklärt Boutin. "Den entscheidenden Unterschied machen aber weiterhin die Menschen hinter den Kampagnen. Strategische Planung, Zielauswahl und operative Umsetzung erfolgen nach wie vor überwiegend manuell", sagt Jean-Ian Boutin, Director of Threat Research bei ESET.

Russland und Belarus setzen gemeinsame Cyberattacken fort

Russlandnahe Cyberangriffe richteten sich erneut vor allem gegen die Ukraine und andere europäische Länder. Dabei zeigt sich zunehmend, dass russische und belarussische Hackergruppen enger zusammenarbeiten. Die Beobachtungen stützen die Annahme, dass beide Seiten ihre Aktivitäten immer stärker aufeinander abstimmen. Belarussische Gruppen übernehmen dabei häufig eine unterstützende Rolle und verstärken die Cyberoperationen Russlands.

Gleichzeitig treten belarussische Akteure selbstbewusster auf und intensivieren ihre Angriffe. Dabei orientieren sie sich zunehmend an den Zielen russischer Geheimdienste in der Ukraine.

Auffällig ist zudem, dass die Aktivitäten der Hackergruppe Gamaredon, die normalerweise sehr aktiv ist, deutlich zurückgegangen sind. Ein möglicher Grund könnten die ukrainischen Angriffe auf die Krim sein, wo die Gruppe vermutlich operiert. Ebenso denkbar sind interne Umstrukturierungen oder andere Faktoren, die derzeit noch untersucht werden.

Nahost-Konflikt spiegelt sich im Cyberraum wider

Nach einer vergleichsweise ruhigen Phase haben mehrere irannahe Hackergruppen ihre Cyberaktivitäten im Nahen Osten wieder intensiviert. Im Fokus standen dabei vor allem Organisationen in Israel aus unterschiedlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen. Vereinzelt waren auch Unternehmen in den USA betroffen.

Zudem deutet vieles darauf hin, dass die Gruppe FilthyFeline ihre Aktivitäten auf einen Anbieter mobiler Datendienste in Usbekistan ausgeweitet hat. Gleichzeitig registrierte ESET Angriffe der Hamas-nahen Hackergruppe Arid Viper auf Einrichtungen der Palästinensischen Autonomiebehörde, darunter offenbar auch das Außenministerium. Diese Vorfälle verdeutlichen, wie eng geopolitische Konflikte und Cyberoperationen inzwischen miteinander verknüpft sind.

Nordkorea erweitert seinen Fokus

Nordkoreanahe Hackergruppen bleiben ihren bisherigen Angriffsmustern weitgehend treu und nehmen weiterhin vor allem Technologieunternehmen, Kryptofirmen und Softwareentwickler ins Visier. Gleichzeitig rückt die Ukraine zunehmend in ihren Fokus. Beobachter sehen darin eine Folge der engeren Beziehungen zwischen Moskau und Pjöngjang sowie der wachsenden Unterstützung Nordkoreas für Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Chinesische Hacker interessieren sich für Schlüsseltechnologien

Auch chinesische Akteure setzen ihre Spionagekampagnen fort. Besonders gefragt sind Informationen zu strategischen Zukunftsbranchen wie der Halbleiterindustrie. Der Zugriff auf technologisches Know-how und Lieferketteninformationen spielt dabei eine zentrale Rolle.

Europa bleibt im Fokus

Für europäische Staaten und Unternehmen bedeuten die aktuellen Entwicklungen, dass sie sich auf eine weiterhin angespannte Bedrohungslage einstellen müssen. Gerade die zunehmende Verzahnung von realen Konflikten und digitalen Angriffen erhöht den Druck auf Organisationen, ihre Cyberresilienz kontinuierlich auszubauen.

"Die digitale Front verläuft heute durch Behörden, Unternehmen und kritische Infrastrukturen. Wer seine Systeme nicht konsequent schützt, kann schnell Teil geopolitischer Auseinandersetzungen werden, auch ohne selbst direkt beteiligt zu sein", schließt Boutin ab.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Gruppen und ihren Aktionen gibt es im Blogpost ( https://www.welivesecurity.com/en/eset-research/eset-apt-activity-report-q2-2026-q3-2026/ )auf Welivesecurity.com.

(Ende)

Aussender: ESET Deutschland GmbH Ansprechpartner: Philipp Plum Tel.: +49 3641 3114 141 E-Mail: philipp.plum@eset.com Website: www.eset.de

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