Cyberkriminalität: 27 Millionen Zugangsdaten in Operation Endgame gestoppt
26.06.2026 - 04:09:14 | boerse-global.de
Europäische und internationale Ermittler haben innerhalb weniger Tage mehrere Großangriffe gegen die digitale Unterwelt geführt. Das Ergebnis: Millionen gestohlene Zugangsdaten, beschlagnahmte Luxusautos und zerschlagene Betrugsnetzwerke.
Operation Endgame: Schlag gegen Datendiebe
Zwischen dem 15. und 19. Juni 2026 koordinierte Europol eine der bislang größten Aktionen gegen sogenannte Infostealer – Schadsoftware, die heimlich Passwörter und Bankdaten abgreift. Die Operation richtete sich gegen die Malware-Familien Amadey, StealC und SocGholish. Beteiligt waren Behörden aus Kanada, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA.
Eine entscheidende Rolle spielte Microsoft: Das Unternehmen setzte Künstliche Intelligenz ein, um gemeinsame Infrastrukturen der verschiedenen Schadprogramme zu identifizieren. Diese Analyse erlaubte es den Ermittlern, die einzelnen Tools als Teil eines einzigen kriminellen Netzwerks zu betrachten – und auf Basis des US-amerikanischen RICO-Gesetzes gegen organisierte Kriminalität vorzugehen.
Die Bilanz kann sich sehen lassen: 326 Server und 142 Domains wurden stillgelegt, darunter über 200 Kommando- und Kontrollserver. Die Behörden stellten 27 Millionen gestohlene Zugangsdaten sicher und froren Kryptowährungen im Wert von rund 41 Millionen Euro ein. Allein in den ersten zwei Wochen des Mai 2025 wurden mehr als 140.000 Computer infiziert. Rund 15.000 mit SocGholish infizierte Webseiten wurden bereinigt – diese Malware wird der berüchtigten Gruppe Evil Corp zugeschrieben. Unterstützt wurde die Aktion von den IT-Sicherheitsfirmen BitSight, ESET, IBM X-Force und Proofpoint.
Indien: Razzia gegen „Digital Arrest"-Mafia
Nur einen Tag später, am 25. Juni 2026, schlug die indische Bundespolizei CBI zu. Unter dem Namen Operation Chakra-VI durchsuchten 60 Teams mehr als 80 Standorte in 16 Bundesstaaten. Ziel war ein Netzwerk, das mit der perfiden Masche des „digitalen Hausarrests" operierte: Die Täter gaben sich als Polizisten aus und erpressten ihre Opfer unter dem Vorwand, diese stünden unter virtuellem Arrest.
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Die Ermittler nahmen zwei mutmaßliche Haupttäter fest – B Naresh in Chennai und Sanjib Saha in Kalkutta. Das Netzwerk soll mit Hilfe von Briefkastenfirmen umgerechnet rund 230.000 Euro gewaschen haben. Um ihre Forderungen glaubwürdiger zu machen, nutzten die Betrüger eine gefälschte Webseite des Obersten Gerichtshofs Indiens. Die Behörden stellten Beweismaterial sicher und brachten das Netzwerk mit mehr als 200 Einzelfällen in Verbindung.
Spaniens „Operation Nautical": Luxusleben auf Kosten deutscher Opfer
Die spanische Policía Nacional beendete gemeinsam mit Europol eine zweijährige Ermittlung gegen eine Bande, die durch Online-Betrug mehr als neun Millionen Euro erbeutete. Die Täter betrieben 26 gefälschte Webseiten und boten Waren von Smartphones bis zu Baumaschinen an – die es nie gab.
Besonders perfide: Die Masche traf vor allem deutsche Verbraucher. Rund 3.500 Opfer wurden gezählt. Die Täter gaben sich zudem als Bankmitarbeiter aus, um an weitere Kontodaten zu gelangen. Ein belgisches Opfer verlor auf diese Weise 100.000 Euro.
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Das Geld wuschen die Kriminellen durch 16 Briefkastenfirmen – darunter ein fiktiver Bootsverleih auf Mallorca. Die Polizei nahm neun Verdächtige in Barcelona und Palma fest, den mutmaßlichen Anführer in einer Luxusvilla in Sitges. Die beschlagnahmten Vermögenswerte im Wert von rund zwei Millionen Euro lesen sich wie der Fuhrpark eines Schurken aus einem James-Bond-Film:
- Zwei italienische Sportwagen (Ferrari und Lamborghini) sowie vier weitere Nobelkarossen
- Zwei Jetskis
- Sechs Goldbarren, 18 Luxusuhren und Schmuck
- 100.000 Euro Bargeld und 1.300 US-Dollar
- 200.000 Euro in Kryptowährung
Zudem wurden mehr als 100 Bankkonten mit rund 500.000 Euro eingefroren.
Ausblick: Der Kampf gegen die „digitale Fließbandarbeit"
Auch im Nahen Osten wird die Schraube angezogen: Die Royal Oman Police gab am 24. Juni 2026 die Festnahme eines international agierenden Cyber-Betrugsnetzwerks im Gouvernement Dhofar bekannt.
Die Ermittler betonen, dass der Einsatz modernster Technologien – von KI-gestützter Infrastruktur-Analyse bis hin zu Emulatoren, die Schwachstellen in Schadsoftware ausnutzen – längst überlebenswichtig ist. Denn die globale Cyberkriminalität hat sich längst zur „Fließbandarbeit" entwickelt. Die aktuellen Operationen zeigen einen klaren Strategiewechsel: Statt nur einzelne Täter zu jagen, greifen die Behörden gezielt die finanziellen und technischen Strukturen an, die das Geschäftsmodell der digitalen Unterwelt erst ermöglichen.
