Cyberkriminalität, Indien

Cyberkriminalität: Indien schaltet 13,8 Millionen SIM-Karten ab

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 00:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Indien schaltet Millionen verdächtiger Handyanschlüsse ab. KI und Bürgerportal helfen bei der Bekämpfung von Telekommunikationskriminalität.

Indien legt 13,8 Millionen Mobilfunkanschlüsse wegen Betrugs still
Modernes Cybersicherheitsoperationszentrum mit leuchtenden Datenbildschirmen und Netzwerkanalysen in einem gedimmten High-Tech-Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die indische Regierung verschärft den Kampf gegen Telekommunikationskriminalität drastisch. Wie Kommunikationsminister Chandra Sekhar Pemmasani am Donnerstag im Oberhaus Rajya Sabha mitteilte, wurden rund 13,8 Millionen Mobilfunkanschlüsse stillgelegt, die im Verdacht betrügerischer Aktivitäten standen. Zum Einsatz kommt dabei eine Kombination aus Künstlicher Intelligenz und Bürgerbeteiligung.

KI-System ASTR im Einsatz

Bis zum 15. Juli 2026 identifizierte die indische Telekommunikationsbehörde DoT mit ihrer eigens entwickelten KI-Software ASTR rund 8,8 Millionen verdächtige Anschlüsse. Diese wurden nach nicht bestandener Nachprüfung abgeschaltet. Die KI analysiert Anrufmuster und erkennt auffällige Aktivitäten in Echtzeit.

Parallel dazu nutzt die Regierung das Bürgerportal Sanchar Saathi mit der Funktion Chakshu. Dort gingen rund 1,1 Millionen Meldungen über betrügerische Kommunikation ein – mit Folgen: Weitere 5,09 Millionen Anschlüsse wurden daraufhin gekappt.

Um die Zusammenarbeit zwischen den Behörden zu verbessern, richtete die DoT eine Digitale Informationsplattform ein. Diese vernetzt die Wertpapieraufsicht SEBI und das indische Cybercrime-Koordinationszentrum I4C. Mehr als 50 von der SEBI regulierte Unternehmen sind bereits angebunden.

SMS-Betrug boomt – Schäden steigen

Der harte Kurs kommt nicht von ungefähr. Branchenanalysten verzeichnen einen dramatischen Wandel in der Betrugslandschaft. Laut einem Bericht von BioCatch stieg die Zahl der SMS-basierten Betrugsfälle in Indien zwischen der zweiten Jahreshälfte 2025 und der ersten Jahreshälfte 2026 um 146 Prozent.

Besonders alarmierend: Während die durchschnittliche Dauer von Betrugssitzungen abnahm, stieg der mittlere Wert unberechtigter Überweisungen um das 1,7-Fache. Die Täter setzen demnach auf schnellere, aber profitablere Angriffsmuster.

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Internationale Großrazzien gegen Cyberkriminalität

Die indischen Maßnahmen fallen in eine Welle globaler Anti-Cybercrime-Operationen. Die Royal Oman Police führte am Donnerstag koordinierte Razzien an 33 Orten in der Stadt Suhar durch. Über 380 Verdächtige aus fieser asiatischen Ländern wurden festgenommen. Die Behörden beschlagnahmten mehr als 1.800 elektronische Geräte und stellten Gelder in 21 verschiedenen Währungen sicher.

In Europa gelang deutschen Ermittlungsbehörden ein Schlag gegen die Phishing-as-a-Service-Gruppe Kratos. Die Bande stellte Phishing-Werkzeuge bereit und hatte rund 1.800 Kunden. Die Server wurden beschlagnahmt, ein mutmaßlicher Entwickler in Indonesien festgenommen. Sicherheitsexperten hoffen nun auf eine vollständige Kundenliste der Gruppe.

In Kambodscha meldeten die Behörden die Zerschlagung von über 200 Online-Betrugsoperationen binnen sieben Monaten. Mehr als 45.000 Ausländer wurden abgeschoben, darunter 16.000 mit Verbindungen zu Betrugsseiten. Allerdings räumten lokale Beamte ein, dass Gebiete wie Poipet noch nicht vollständig von kriminellen Strukturen befreit seien.

Neue Regeln in Rajasthan – Kooperation mit Meta

Auch auf regionaler Ebene reagieren die Behörden. In Rajasthan führte die Polizei ab Donnerstag ein automatisiertes e-Zero-FIR-System für Cyberbetrugsfälle ab einer Schadenssumme von umgerechnet rund 1.100 Euro ein. Die Schwelle wurde von zuvor rund 5.500 Euro gesenkt. Das System verknüpft das nationale Cybercrime-Meldeportal mit der Notrufnummer 1930 des Bundesstaates.

International weitet sich die Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgern und Tech-Konzernen aus. Die pakistanische Bundesermittlungsbehörde FIA gab am Donnerstag eine neue Partnerschaft mit Meta Asia Pacific bekannt. Die Vereinbarung schafft einen direkten Kommunikationskanal für Sicherstellungsanfragen, Teilnehmerinformationen und Notfallauskünfte. Die FIA erwartet, dass sich die Ermittlungszeiten von mehreren Monaten auf wenige Tage verkürzen.

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Milliardenverluste weltweit

Die neuen Maßnahmen folgen auf ein Jahr mit enormen finanziellen Schäden. In den USA meldete die Finanzaufsicht FinCEN, dass ihr Schnellreaktionsprogramm fast zwei Milliarden Euro an Cyberbetrugsgeldern blockierte. Das FBI bezifferte die Verluste der Amerikaner durch Cyberkriminalität im Jahr 2025 auf umgerechnet rund 19 Milliarden Euro. Allein in einer aktuellen Aktion beschlagnahmten US-Behörden 25 Millionen Euro in Kryptowährung – Teil einer Rückholaktion, die insgesamt über 750 Millionen Euro sicherstellte.

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