Cybersicherheit, Millionen

Cybersicherheit: 12 Millionen Streaming-Konten gestohlen

Veröffentlicht: 19.07.2026 um 00:51 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Hacker erbeuten Steuerdaten von EY-Kunden, stehlen Millionen Streaming-ZugÀnge zur WM und greifen Kliniken an. Die Bedrohungslage eskaliert.

Globale Cyberangriffe: EY, WM und Kliniken im Visier
Verschwommene Gestalt in Kapuzenjacke tippt auf glĂŒhendem Laptop, umgeben von digitalem Code und Schloss-Symbolen, symbolisiert Datenlecks. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

In den vergangenen Wochen wurden gleich mehrere Großkonzerne, medizinische Einrichtungen und sogar eine Fußball-Weltmeisterschaft Ziel massiver Hackerangriffe. Besonders besorgniserregend: Die TĂ€ter erbeuteten sensible Steuerdaten, gestohlene Streaming-ZugĂ€nge und Patientendaten.

Steuerdaten von Ernst & Young-Kunden im Visier

Die WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hat einen schwerwiegenden Datenschutzvorfall bestĂ€tigt. Unbekannte TĂ€ter verschafften sich ĂŒber eine Schwachstelle bei einem externen IT-Dienstleister Zugriff auf vertrauliche Kundendaten. Der Angriff erstreckte sich ĂŒber einen Zeitraum vom 28. MĂ€rz bis zum 12. April 2026, entdeckt wurde er erst am 23. April.

Die gestohlenen Daten sind brisant: Sie enthalten Steuerunterlagen mit persönlichen und finanziellen Informationen, darunter Sozialversicherungsnummern, Geburtsdaten, FĂŒhrerscheinnummern und Kontodaten. Betroffen sind nach bisherigem Kenntnisstand 873 Personen in Texas, 480 in Massachusetts und 13 in Vermont. Am 15. Juli informierte EY die kalifornische Staatsanwaltschaft.

Die gute Nachricht: Bislang gibt es keine Hinweise auf einen Missbrauch der Daten. Dennoch bietet EY den betroffenen Kunden einen 24-monatigen KreditĂŒberwachungs- und IdentitĂ€tsschutz an.

Weltmeisterschaft als Treiber fĂŒr Streaming-Betrug

Die Fußball-Weltmeisterschaft lockt nicht nur Fans vor die Bildschirme, sondern auch Cyberkriminelle. Die Sicherheitsfirma HUMAN Security hat einen massiven Anstieg von gestohlenen Streaming-ZugĂ€ngen festgestellt. Rund 12 Millionen Konten von zehn verschiedenen Diensten wurden auf dem Schwarzmarkt entdeckt – mit einem geschĂ€tzten Gesamtwert von 220 Millionen Euro.

Besonders auffĂ€llig: Am 27. Juni, wĂ€hrend der Gruppenphase der WM, veröffentlichten Hacker an einem einzigen Tag 802.000 ZugĂ€nge im Wert von rund 14,8 Millionen Euro. Die Konten werden fĂŒr teilweise nur fĂŒnf Euro verkauft – ein Bruchteil der ĂŒblichen Abokosten. Die ZugĂ€nge stammen hauptsĂ€chlich aus Credential-Stuffing-Angriffen und Schadsoftware, die Passwörter ausspĂ€ht.

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Die US-Justizbehörden reagierten: Am 29. Juni beschlagnahmten sie 400 illegale Streaming-Domains, um die Verbreitung von Raubkopien einzudÀmmen.

Kliniken und Diagnostik im Visier

Der Gesundheitssektor bleibt ein bevorzugtes Ziel. Der Medizintechnikkonzern Abbott untersucht derzeit zwei separate CybervorfĂ€lle. Ein Hacker namens ShinyHunters behauptet, in Altsysteme der Exact-Sciences-Sparte von Abbott eingedrungen zu sein. Abbott bestĂ€tigte zwar den unbefugten Zugriff auf die veraltete Umgebung, betont aber, dass die Kernsysteme nicht betroffen seien. Ein zweiter Vorfall betrifft ein LabCentral-Portal – hier stellte sich jedoch heraus, dass die Daten bereits öffentlich zugĂ€nglich waren.

Noch gravierender ist der Fall in Australien: Der Klinikbetreiber Partnered Health meldete am 23. Juni einen Einbruch in 21 Praxen in Sydney, Melbourne und Canberra. Gestohlen wurden Medicare-Nummern, Behandlungsdetails und Laborergebnisse. Medizinische Daten sind auf dem Schwarzmarkt besonders wertvoll – sie erzielen Preise von bis zu 250 Euro pro Datensatz, da sie sich perfekt fĂŒr IdentitĂ€tsdiebstahl und Versicherungsbetrug eignen.

Atomkraftwerk und weitere Unternehmen betroffen

Selbst kritische Infrastruktur bleibt nicht verschont. Die Ransomware-Gruppe World Leaks hat angeblich 19.000 Dateien des indischen Kernkraftwerks Kudankulam veröffentlicht. Die 14,3 Gigabyte umfassenden Daten sollen technische BauplÀne enthalten. Offenbar scheiterte eine Erpressung: Die Betreiber zahlten nicht, woraufhin die Daten freigegeben wurden.

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Am 18. Juli tauchten weitere, bislang unbestÀtigte Behauptungen im Darknet auf:

  • Die Gruppe ThreeAM gab an, die Reederei Trans-World Shipping angegriffen zu haben.
  • IncRansom nannte den GetrĂ€nkehersteller Pokka als Opfer.
  • Ein Hacker will eine Datenbank mit 1,3 Millionen KundendatensĂ€tzen des französischen Versicherers Mutuelle des Motards verkaufen – angeblich aus dem Februar 2025.
  • Der deutsche Juwelier Trauringe-EFES soll bereits am 16. Mai 2026 Ziel eines Angriffs gewesen sein, bei dem Namen, Adressen und Passwort-Hashes gestohlen wurden.

Sicherheitsexperten warnen: Zwar ĂŒbertreiben Hacker oft das Ausmaß ihrer Angriffe oder recyceln alte Daten, um auf illegalen Foren prĂ€sent zu bleiben. Doch die schiere HĂ€ufigkeit dieser VorfĂ€lle zeigt: Die Bedrohung for Unternehmen und Privatpersonen ist real und wĂ€chst weiter.

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