Sachverständige, Datenschutz

d-you-App ab 2. Januar 2027: Sachverständige fordern besseren Datenschutz

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 16:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachleute sehen offene Sicherheitsfragen bei d-you; der App-Start ist für Januar 2027 vorgesehen, die EU-Notifizierung bleibt ungeklärt.

d-you-Wallet: Experten verlangen mehr Datenschutz und Sicherheit
Ein Smartphone auf einem Schreibtisch neben einem Notizbuch, das die Diskussion um Datenschutz bei Apps symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Fachleute haben öffentlich vor erheblichen Sicherheitsrisiken und einem drohenden Vertrauensverlust bei der Nutzung der staatlichen digitalen Brieftasche d-you gewarnt. Im Rahmen einer Anhörung im Digitalausschuss des Deutschen Bundestages mahnten Sachverständige grundlegende Nachbesserungen an, um den Schutz persönlicher Daten und die Systemsicherheit vor der offiziellen Einführung zu gewährleisten.

Sachverständige fordern Nachbesserungen bei Datenschutz und Transparenz

Während der parlamentarischen Anhörung forderten die geladenen Sachverständigen weitreichende Anpassungen an der Wallet-Architektur. Im Mittelpunkt standen dabei die pseudonyme Nutzung von Beginn an, eine strikt selektive Datenfreigabe sowie ein wirksamer Schutz vor Profilbildung.

Zudem verlangten die Experten klare Haftungsregeln und unkomplizierte Verfahren zur Sperrung der Wallet im Falle eines Verlusts oder eines Angriffs. Vertreter der Zivilgesellschaft schlossen sich diesen Forderungen an und verlangten datensparsame Verfahren sowie strengere Kontrollen für beteiligte Diensteanbieter.

Jiska Classen von der Universität Potsdam wies darauf hin, dass Teile der Sicherheitsarchitektur bislang noch nicht öffentlich bewertet worden seien. Bei einem kompromittierten Smartphone bestehe die Gefahr, dass Angreifer einen Identitätsmissbrauch begehen könnten.

Sachverständige stellten in diesem Kontext fest, dass der Quellcode der eigentlichen Anwendung sowie des Backends zwar veröffentlicht worden sei, der RASP-Code hingegen weiterhin unter Verschluss liege.

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Ergänzend sprach sich Thomas Lohninger für eine verpflichtende Vorabprüfung der Berechtigungen von Diensteanbietern aus. Bianca Kastl machte zudem auf künftige Risiken für kryptografische Signaturen aufmerksam, die sich durch Fortschritte im Bereich der Quantencomputer ergeben könnten. Die für die Wallet Verantwortlichen verteidigten die geplante technische Umsetzung hingegen in der Ausschusssitzung.

Zeitplan und rechtliche Hürden bis zum Start

Neben technischen Fragen bereitet auch der straffe Zeitplan Diskussionsbedarf. Nach Vorgaben der Europäischen Union sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, bis Anfang 2027 mindestens eine digitale Geldbörse bereitzustellen.

Der Start der d-you-App ist für den 2. Januar 2027 auf den mobilen Betriebssystemen Android und iOS vorgesehen. Sachverständige betonten vor diesem Hintergrund, dass die gesetzliche Grundlage in Form des Digitale-Identitäten-Gesetzes noch vor dem Starttermin geschaffen werden müsse. Das Vorhaben sollte in den auf die Anhörung folgenden Wochen verabschiedet werden.

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Zudem ist der genaue Zeitpunkt für eine EU-Notifizierung der vollständigen d-you-Wallet weiterhin offen. Ein solcher Schritt ist erst möglich, sobald der offizielle Status einer funktional vollständigen Wallet erreicht wird.

Geplanter Funktionsumfang und Rahmenbedingungen

Die Nutzung der d-you-Wallet soll nach den offiziellen Planungen kostenlos und freiwillig sein; herkömmliche analoge Zugangswege bleiben weiterhin bestehen.

Zum Start am 2. Januar 2027 ist die Einbindung von rund 40 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung vorgesehen. Geplant sind digitale Identitätsnachweise sowie praktische Anwendungen für Altersprüfungen, Kontoeröffnungen und Vertragsabschlüsse, bei denen Daten selektiv übertragen werden sollen.

Zu Beginn soll jedoch vorerst nur die reine Ausweisfunktion zur Verfügung stehen. Weitere Dokumente wie der digitale Führerschein, der Sozialpass und der Rentenausweis werden zwar als erste unterstützte Nachweise angestrebt, ihre Verfügbarkeit ist für den ersten Tag jedoch nicht garantiert und soll schrittweise folgen. Alternative, zertifizierte Wallets könnten nach derzeitigen Planungen rund zwölf Monate nach dem Start von d-you folgen.

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