Flugzeug, Wuhan

«Da war klar, dass sich das nicht eindÀmmen lÀsst»

30.01.2025 - 04:00:39

Am 1. Februar 2020 landet ein Flugzeug aus Wuhan am Frankfurter Flughafen. Virologin Sandra Ciesek testet die Passagiere - und weiß bald, dass die Pandemie nicht aufzuhalten ist.

  • An Bord waren mehr als 100 Menschen, die evakuiert wurden (Archivbild). - Foto: Boris Roessler/dpa

    Boris Roessler/dpa

  • Der Anruf kam morgens um vier Uhr.  - Foto: Andreas Arnold/dpa

    Andreas Arnold/dpa

An Bord waren mehr als 100 Menschen, die evakuiert wurden (Archivbild). - Foto: Boris Roessler/dpaDer Anruf kam morgens um vier Uhr.  - Foto: Andreas Arnold/dpa

Es war einer der ersten engeren Kontakte Deutschlands mit dem Thema Corona: Am 1. Februar 2020 landete ein Flugzeug mit 128 Menschen aus Wuhan auf dem Frankfurter Flughafen. Darin saßen Deutsche und enge Angehörige, die von der Bundeswehr aus China evakuiert wurden. 

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek - die spÀter als Podcast-Partnerin von Christian Drosten bundesweit bekannt wurde - regte damals an, dass bei allen Passagieren Rachenabstriche genommen und untersucht werden. Das Ergebnis verÀnderte ihre Prognose grundlegend, wie sie im RedaktionsgesprÀch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Ein Anruf morgens um vier 

Vor dem Einsteigen waren alle Passagiere auf Symptome wie Fieber oder Husten untersucht worden. Auch wĂ€hrend des Flugs wurde ihr Gesundheitszustand ĂŒberwacht. Das fĂŒhrte dazu, dass zehn Menschen mit Symptomen isoliert und ins UniversitĂ€tsklinikum Frankfurt gebracht wurden. Alle anderen wurden in eine Kaserne in Rheinland-Pfalz gefahren, wo sie in QuarantĂ€ne mussten. 

Am nÀchsten Morgen lagen die Ergebnisse der PCR-Tests vor. «Morgens um vier Uhr rief mich das Labor an, dass zwei positiv sind - aber das waren nicht die, die im Krankenhaus waren», erinnert sich die Professorin. Die Schlussfolgerung war: Die Infizierten hatten das Virus weitergetragen, ohne es zu merken. Sie waren ansteckend, hatten aber keine Symptome. «In dem Moment war mir klar, dass sich das nicht eindÀmmen lÀsst.» 

«Das schlechtest denkbare Ergebnis»

Der Ärztliche Direktor des Frankfurter UniversitĂ€tsklinikums, Prof. JĂŒrgen Graf, war bei den Ersten, die ĂŒber das beunruhigende Ergebnis informiert wurden. Auch ihm war schnell klar: Die Krankheit ist fĂŒr die Bevölkerung gefĂ€hrlicher als andere Infektionskrankheiten, bei denen Patienten erst ansteckend waren, wenn sie bereits Symptome hatten. «Die Laborbefunde waren das schlechteste denkbare Ergebnis. Damit war klar, dass das kaum kontrollierbar sein wĂŒrde.» 

Den ersten Coronafall in Deutschland war am 27. Januar 2020 bekanntgeworden - es war ein Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto in Stockdorf bei MĂŒnchen. Dieser Ausbruch unter einigen Kollegen und Angehörigen konnte aber eingedĂ€mmt werden.

@ dpa.de