Daejeon, Datenfabrik

Daejeon eröffnet Datenfabrik: Erst 12 Humanoide sammeln Trainingsdaten

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Anlage in Daejeon sammelt Bewegungsdaten für KAIROS, startet wegen Budgetkürzungen aber zunächst mit zwölf Robotern.
Eine moderne, weitläufige Forschungshalle mit polierten Industrieböden und technischer Infrastruktur zur Entwicklung von Robotik. Illustration mit AI erstellt.

Das südkoreanische Ministerium für Wissenschaft und IKT (MSIT), das Korea Institute of Machinery and Materials (KIMM) und das Electronics and Telecommunications Research Institute (ETRI) haben am KIMM-Hauptsitz in Daejeon die landesweit erste Datenfabrik für zweibeinige humanoide Roboter eröffnet.

Aufgrund von Budgetkürzungen im Haushaltsverfahren startet die Einrichtung jedoch mit verringerter Kapazität: Vorerst sind lediglich 12 Humanoide im Einsatz.

Die Anlage umfasst eine Fläche von rund 2.000 m² und bietet Raum für bis zu 70 Einheiten. Langfristig streben die Institute eine Erweiterung auf 3.000 m² und über 100 Roboter an, während KIMM zunächst einen Zwischenschritt auf 25 Einheiten vorsieht.

Realdaten für das Training der KAIROS-Plattform

In der neuen Forschungsumgebung steuern menschliche Bediener die Roboter per Teleoperation. Dabei erfassen KIMM und ETRI Bewegungsabläufe, Gelenkzustände, Umgebungsbeobachtungen sowie die jeweiligen Aktionsergebnisse, um Datensätze für das Training von künstlicher Intelligenz aufzubauen.

Die teleoperierten Tätigkeiten decken alltägliche Aufgaben wie das Entnehmen von Gegenständen aus dem Kühlschrank, die Handhabung von Wäsche und das Aufräumen von Sofas ab. Ebenso werden industrielle Verrichtungen erfasst, darunter das Bedienen von Schaltern und Hebeln in Fahrzeugen.

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Die gewonnenen Datensätze dienen KIMM zufolge dem Training des nationalen Humanoiden KAIROS. Eine erste vollständige Version dieser Plattform wird für April 2027 erwartet. KIMM-Direktor Ryu Seok-hyun stellte eine schrittweise Öffnung der Einrichtung für Industrie, Hochschulen und externe Forschungseinrichtungen ab Ende 2027 in Aussicht.

Nach Angaben des MSIT soll die Infrastruktur die Abhängigkeit von ausländischen Daten sowie externen KI-Modellen verringern und als zentrale Basis für großvolumige Realdaten dienen.

Parallel dazu betreibt ETRI mit ROJI-Hub eine separate Plattform, die über 1,4 Millionen Videos zu rund 140.000 Roboteraufgaben umfasst. Diese Aufzeichnungen basieren auf menschlichen Demonstrationen bei einer Erfassungsrate von 30 Hz und einer Synchronisation mehrerer Datenströme auf 25 Millisekunden. Dieses Videomaterial stammt jedoch nicht aus der neu eröffneten Anlage in Daejeon.

Nationale Initiativen und globaler Wettbewerbsdruck

Das Projekt ist an das staatliche K-Moonshot-Programm angebunden. Kim Sung-soo vom Ministerium kündigte den weiteren Ausbau der Dateninfrastruktur im Rahmen dieser Initiative an, die 12 nationale Missionen umfasst. Ziel des Programms ist die Entwicklung einer nationalen Humanoid-Plattform innerhalb von drei Jahren sowie die Durchführung der Next-X Humanoid Challenge, deren finale Auswahl ab 2027 beginnen soll.

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Nach Angaben des südkoreanischen Haushaltsministeriums sind bis 2030 insgesamt 2,3 Billionen Won (1,7 Milliarden US-Dollar) für die heimische Humanoid-Industrie vorgesehen. Vorgesehen ist unter anderem der Kauf von 1.080 im Inland gefertigten Humanoiden. Gleichzeitig soll der Inlandsanteil bei Kernkomponenten von derzeit rund 45 Prozent auf 80 Prozent gesteigert werden.

Für die neue Anlage liegen bisher ausschließlich Eigenangaben der beteiligten Regierungsinstitute vor; Kennzahlen zu Produktivität, Erfolgsraten oder Zwischenfällen wurden nicht veröffentlicht.

International steht das Vorhaben unter starkem Wettbewerbsdruck: Nach Erhebungen des Analysehauses Interact Analysis betreibt oder plant China mindestens 90 Datensammel- und Trainingszentren für humanoide Roboter.

Mindestens 64 dieser Einrichtungen sind bereits aktiv, 13 davon mit mehr als 100 Robotern. Eine vergleichbare Datenfabrik in Peking operiert bereits mit über 100 zweibeinigen Humanoiden und erzeugt jährlich über 6 Millionen Arbeitsdatensätze.

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