Esa will Europa mit Wettbewerb im All stÀrken
07.11.2023 - 17:05:56Mit mehr Wettbewerb will die europĂ€ische Raumfahrtagentur Esa Europa im All voranbringen. Auf dem zweitĂ€gigen Weltraumgipfel in Sevilla schoben die Esa-Ministerinnen und Minister zwei entsprechende Projekte an. Die Agentur will bis 2028 ein europĂ€isches Raumfahrzeug entwickeln lassen, dass Fracht zur Internationalen Raumstation ISS und zurĂŒck zur Erde bringen kann. Entstehen soll das GefĂ€hrt durch einen Wettbewerb zwischen europĂ€ischen Unternehmen.
Esa-Chef Josef Aschbacher sprach am Dienstag von einem Paradigmenwechsel. Auch fĂŒr neue TrĂ€gerraketen will die Esa einen Wettbewerb ausrufen. «Wir haben beschlossen, die Art, wie die nĂ€chste TrĂ€gerrakete definiert wird, vollstĂ€ndig zu Ă€ndern», sagte Aschbacher. Die Industrie werde VorschlĂ€ge machen, die Esa werde Kunde sein.
UnterstĂŒtzung fĂŒr den Kurs gab es von EU-Industriekommissar Thierry Breton. «WeltraumaktivitĂ€ten zu kommerzialisieren ist eine PrioritĂ€t», sagte Breton. Der Sektor sei zunehmend umkĂ€mpft, vor allem durch nicht-europĂ€ische Akteure. «Wir mĂŒssen unseren Ansatz hin zu einer neuen Risikokultur Ă€ndern.» Aschbacher unterstrich auf dem Gipfel, man mĂŒsse die Art Ă€ndern, wie Raketen beschafft wĂŒrden, und wolle kĂŒnftig dynamischer und schneller mit der Industrie interagieren.
Weiterentwicklung fĂŒr bemannte Raumfahrt denkbar
Die Entwicklung eines FrachtgefĂ€hrts ist fĂŒr die Esa aus zwei GrĂŒnden bedeutsam. Zum einen sieht Aschbacher fĂŒr Europa eine Chance, damit kommerziellen Anbietern kĂŒnftig den Transport von Fracht anzubieten. Dadurch könnte sich die Nutzung zukĂŒnftiger kommerzieller Raumstationen und der Flug von Astronauten dorthin im Tausch ergeben.
AuĂerdem könnte das GefĂ€hrt spĂ€ter fĂŒr die bemannte Raumfahrt weiterentwickelt werden und auch andere Ziele anfliegen, wenn die LĂ€nder dies wollten, hieĂ es von der Esa. Ein autonomer Zugang zum All ist fĂŒr die Esa ein wichtiges Thema. In Kourou in Französisch-Guyana gibt es einen europĂ€ischen Weltraumbahnhof und die Esa kann mit europĂ€ischen TrĂ€gerraketen Satelliten ins All bringen. Ein europĂ€isches Raumschiff fĂŒr bemannte FlĂŒge gibt es aber nicht.
Raumfahrt soll nachhaltiger werden
Ein weiteres zentrales Thema auf dem Gipfel waren Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Die Esa will im Kampf gegen den Klimawandel enger mit der EU zusammenzuarbeiten und schauen, wie Daten aus dem All verstÀrkt genutzt werden können.
Auch die Raumfahrt selbst will die Esa nachhaltiger gestalten. Bis 2030 will sie das Entstehen von WeltraummĂŒll in den Umlaufbahnen von Erde und Mond bei kommenden Missionen drastisch einschrĂ€nken. Die Esa rief andere Akteure in der Raumfahrt dazu auf, einer anlĂ€sslich des Gipfels veröffentlichten Charta beizutreten, die hin zur kompletten Vermeidung von RĂŒckstĂ€nden im Weltraum fĂŒhrn soll (Zero Debris Charter).
Erste «Euclid»-Bilder veröffentlicht
Zum Ende des Weltraumgipfels prĂ€sentierte die Esa zudem die ersten fĂŒnf Bilder ihrer neuen Mission «Euclid» zur Erforschung Dunkler Materie und Dunkler Energie. «Noch nie zuvor konnte ein Teleskop solche gestochen scharfen astronomischen Bilder ĂŒber so einen groĂen Teil des Himmels aufnehmen und so weit in das ferne Universum blicken», hieĂ es von der Agentur.
Die Sonde «Euclid» war Anfang Juli in den Weltraum gestartet. Ihr Teleskop soll unter anderem dabei helfen, auf die Form, Position und Bewegung von Galaxien zu schlieĂen. Insgesamt sollen Daten zu Milliarden von Galaxien gesammelt werden. Die Esa will so einen Blick in die Vergangenheit des Universums werfen und dessen Entwicklung innerhalb der letzten zehn Milliarden Jahre erforschen. Dies könne Aufschluss darĂŒber geben, wie die Materie im Weltall verteilt ist und wie sich die Ausdehnung des Universums im Laufe der kosmischen Geschichte entwickelt hat. Daraus wiederum hoffen die Astronomen mehr ĂŒber die Dunkle Materie und die Dunkle Energie zu erfahren.


