Darm-Hirn-Achse, BrainHealth-Studie

Darm-Hirn-Achse: BrainHealth-Studie testet vier AnsĂ€tze mit 160 Älteren

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 04:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsdaten zeigen, wie bakterielle Gemeinschaften Darmmikroben prĂ€gen; klinische Tests prĂŒfen kombinierte AnsĂ€tze fĂŒr die kognitive Gesundheit.

Darmmikrobiom und Gehirn: Studien untersuchen Bakterien und Kognition
Nahaufnahme von bakteriellen Kulturen auf einer NĂ€hrbodenplatte in einem Labor zur Mikrobiomforschung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Forschungsberichte beleuchten den Beginn groß angelegter Studien zu Interventionen an der Darm-Hirn-Achse sowie neue wissenschaftliche Daten ĂŒber das Verschwinden historischer Darmmikroben beim Menschen. Im Zentrum der Diskussion stehen sowohl die Bewahrung ursprĂŒnglicher bakterieller DiversitĂ€t als auch die Frage, wie mikrobielle Gemeinschaften das zentrale Nervensystem und kognitive Funktionen beeinflussen.

Globale Initiativen sichern schwindende Mikrobenvielfalt

Wissenschaftler warnen seit LĂ€ngerem davor, dass die mikrobielle Vielfalt des menschlichen Darms im Zuge der Industrialisierung abnimmt. Die Initiative Global Microbiome Conservancy (GMbC), gegrĂŒndet von Prof. Mathilde Poyet und Prof. Mathieu Groussin und heute an der Christian-Albrechts-UniversitĂ€t zu Kiel sowie dem UniversitĂ€tsklinikum Schleswig-Holstein (CAU/UKSH) verankert, widmet sich seit zehn Jahren der Dokumentation dieser BestĂ€nde.

Im Rahmen des Projekts wurden Mikrobiomproben von mehr als 2.000 Menschen aus ĂŒber 70 Gemeinschaften in Amerika, Afrika, Asien und Europa gesammelt. Daraus konnten ĂŒber 10.000 BakterienstĂ€mme aus mehr als 450 Artengruppen kultiviert und sequenziert werden. Zusammen mit Partnerinstitutionen in rund 30 LĂ€ndern betreibt die Initiative eine Biobank in Kiel, die Forschenden weltweit fĂŒr vergleichende Analysen zur VerfĂŒgung steht.

Zusammenspiel der Bakterien ĂŒbersteigt reinen ErnĂ€hrungseffekt

Dass der Erhalt mikrobieller Gemeinschaften nicht allein von Nahrungskomponenten abhĂ€ngt, zeigt eine 2026 in Nature Microbiology veröffentlichte Untersuchung unter Leitung von Prof. Till Strowig vom Helmholtz-Zentrum fĂŒr Infektionsforschung (HZI) in Kooperation mit dem EMBL sowie den UniversitĂ€ten Trient und TĂŒbingen.

In Versuchen mit einer definierten Gemeinschaft aus 21 menschlichen Darmbakterien prĂŒfte das Team 94 Nahrungsbestandteile. Obwohl mehr als die HĂ€lfte der Stoffe das Wachstum des Bakteriums Segatella copri prinzipiell begĂŒnstigte, reichte der Ballaststoff Arabinan allein nicht aus. Erst die Anwesenheit von Escherichia coli verschob den Konkurrenzkampf zugunsten von S. copri.

Eine Analyse öffentlich zugĂ€nglicher Mikrobiomdaten von rund 1.000 gesunden Erwachsenen bestĂ€tigte dieses Muster: Sowohl S. copri als auch Enterobacteriaceae traten in nicht-industrialisierten Populationen deutlich hĂ€ufiger und vielfĂ€ltiger auf, wobei eine grĂ¶ĂŸere Vielfalt an Enterobacteriaceae-Arten mit einem höheren Anteil von S. copri einherging.

Signalwege zwischen Verdauungstrakt und Nervensystem

Die Bedeutung dieser mikrobiellen Netzwerke reicht bis in neurologische Prozesse hinein. FachĂŒbersichten verdeutlichen die Dimensionen des Systems: Das Darmmikrobiom umfasst ĂŒber 38 Billionen Bakterien, Archaeen sowie Pilze und erreicht ein Gewicht von fast 2 Kilogramm.

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Mehr als 90 Prozent des Botenstoffs Serotonin entstehen in den enterochromaffinen Zellen der Darmschleimhaut, wĂ€hrend das enterische Nervensystem ĂŒber mehr als 500 Millionen Neuronen verfĂŒgt.

Fermentieren Darmbakterien Ballaststoffe, bilden sie kurzkettige FettsÀuren wie Acetat, Propionat und Butyrat. Butyrat wiederum hemmt Histon-Deacetylasen und steigert die Expression des neurotrophen Faktors BDNF im Neokortex sowie im Hippocampus.

Laut Prof. John Cryan vom University College Cork gilt eine mikrobielle Dysbiose in der Forschung zunehmend nicht mehr nur als Begleiterscheinung, sondern als primÀrer kausaler Treiber neuroinflammatorischer und psychiatrischer Prozesse.

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Klinische Studien prĂŒfen gezielte Formeln

Vor diesem Hintergrund starten wissenschaftliche Einrichtungen gezielte Anwendungsstudien. Die UniversitĂ€t Wien und die Comenius-UniversitĂ€t Bratislava untersuchen in der grenzĂŒberschreitenden Studie „BrainHealth“ die Wirkung kombinierter Maßnahmen. Gesucht werden 160 Teilnehmer im Alter zwischen 65 und 85 Jahren ohne schwere chronische Erkrankungen oder blutverdĂŒnnende Medikation.

Über einen Zeitraum von vier Monaten testen die Forscher vier Gruppen: reines Krafttraining, Krafttraining kombiniert mit speziellen NahrungsergĂ€nzungsmitteln, eine reine Gabe von NahrungsergĂ€nzungen sowie eine Placebogruppe.

Analysiert werden neben GedÀchtnistests auch Blut-, Harn- und Mikrobiomwerte unter Zugabe von Omega-3-FettsÀuren, Phosphatidylserin und im spÀteren Verlauf Kreatin. Wie Karl-Heinz Wagner von der UniversitÀt Wien betont, fehlten bislang belastbare Daten zur Wirksamkeit vieler PrÀparate auf die kognitive Leistung, weshalb kontrollierte Interventionsstudien notwendig seien.

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