Darmbakterien, Jo-Jo-Effekt

Darmbakterien bremsen den Jo-Jo-Effekt

13.05.2026 - 21:55:07 | boerse-global.de

Studie zeigt: Gezielte Bakterienpräparate nach Diät reduzieren Gewichtszunahme deutlich. Bewegung bleibt jedoch essenziell.

Darmbakterien bremsen den Jo-Jo-Effekt - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Darmbakterien bremsen den Jo-Jo-Effekt - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Eine aktuelle Studie zeigt: Wer nach einer Diät gezielt Bakterienpräparate einnimmt, nimmt deutlich weniger zu.

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Mikrobiom als Gamechanger bei Gewichtsstabilisierung

Forscher haben einen entscheidenden Hinweis darauf gefunden, warum viele Menschen nach einer Diät wieder zunehmen. Das sogenannte Adipositas-Gedächtnis des Körpers lässt die Pfunde oft zurückkehren. Eine Studie in Nature Medicine zeigt nun einen möglichen Ausweg.

42 Probanden erhielten nach einer Diätphase ein Präparat mit pasteurisierten Akkermansia-Bakterien. Das Ergebnis: Nach 24 Wochen hatten sie nur 1,2 Kilogramm zugenommen. Die Placebo-Gruppe legte dagegen 3,2 Kilogramm zu. Die Bakterien wirken offenbar entzündungshemmend und reduzieren die Aufnahme von Kohlenhydraten im Darm.

„Das ist vielversprechend, aber noch kein fertiges Rezept für die breite Masse“, ordnet Rima Chakaroun von der Universität Leipzig die Ergebnisse ein. Interessanterweise kommt Akkermansia nicht nur im menschlichen Darm vor – Forscher des Max-Planck-Instituts entdeckten den Stamm auch in den Ozeanen.

Bewegung bleibt unverzichtbar

Auch ohne Bakterienhilfe lässt sich der Diäterfolg stabilisieren. Die European Association for the Study of Obesity (EASO) beziffert den Schwellenwert auf etwa 8.500 Schritte pro Tag. Wer dieses Pensum nach einer Gewichtsreduktion erreichte, hielt sein Gewicht deutlich besser.

Probiotika: GroĂźe Versprechen, kleine Wirkung

Trotz der Erfolge mit Akkermansia sind herkömmliche Probiotika bei Gesunden umstritten. Eine Metaanalyse von 22 Studien mit über 1.000 Probanden zeigt: Die Vielfalt der Darmflora lässt sich damit kaum verändern. Dirk Haller von der TU München vergleicht den Effekt mit einem Tropfen auf den heißen Stein.

Anders sieht es bei bestimmten Erkrankungen aus. Bei Reisedurchfall, Antibiotika-assoziiertem Durchfall oder Reizdarmsyndrom ist die Wirkung belegt. Eine aktuelle Studie der Deutschen Gesellschaft für Nährstoffmedizin (DGNP) untersuchte ein Multispezies-Probiotikum mit Stämmen wie L. fermentum und B. longum. Bei 39 Teilnehmern sanken Nüchternblutzucker und Entzündungsmarker signifikant.

Darmbakterien als FrĂĽhwarnsystem fĂĽr Demenz

Die Forschung entdeckt immer neue Zusammenhänge zwischen Darm und Gehirn. Wissenschaftler der University of East Anglia identifizierten sechs Stoffwechselprodukte von Darmbakterien, die als Biomarker für kognitiven Abbau dienen könnten. Ein KI-Modell erkannte leichte kognitive Beeinträchtigungen mit über 80 Prozent Genauigkeit.

Die Basis für ein gesundes Mikrobiom bleibt jedoch einfach: Ballaststoffe. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt mindestens 30 Gramm täglich – ein Wert, den die meisten Deutschen verfehlen. Lösliche Ballaststoffe aus Hafer oder Äpfeln senken den Cholesterinspiegel, unlösliche aus Vollkornprodukten fördern die Verdauung.

Ein oft übersehenes Problem ist die bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarms (SIBO). Schätzungen zufolge sind bis zu zehn Prozent der Deutschen betroffen. Zwar gibt es mit dem Antibiotikum Rifaximin eine wirksame Therapie, doch die notwendigen Glukose-Atemtests werden oft nicht erstattet.

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Behörden warnen vor riskanten Wellness-Trends

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) schlägt Alarm: Sogenannte Longevity-Infusionen oder Drip-Spas sind in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen. Die intravenösen Vitamin-Cocktails bergen ernste Risiken – von anaphylaktischen Schocks bis zu Luftembolien. Wissenschaftliche Belege für die beworbenen Effekte gibt es nicht.

Auch bei Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) sieht die Expertin Noreen Neuwirth Probleme. Rund 75 Prozent der Deutschen nehmen regelmäßig Vitamine oder Mineralstoffe ein. Anders als Medikamente müssen NEM keine Zulassungsprüfung durchlaufen. Es fehlen gesetzliche Höchstmengen – selbst wasserlösliche Vitamine können bei massiver Überdosierung schaden.

Paradigmenwechsel in der Ernährungsmedizin

Die Forschung entfernt sich von pauschalen Empfehlungen. Stattdessen rĂĽckt die gezielte Beeinflussung mikrobieller Gemeinschaften in den Fokus. Adipositas wird zunehmend als komplexes Zusammenspiel von Genetik, Stoffwechsel und Mikrobiologie verstanden.

Gleichzeitig zeigt sich: Das Mikrobiom ist ein stabiles System, das sich nur schwer beeinflussen lässt. „Darm-Reinigungen“ oder „Detox-Kuren“ entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage – der Körper reguliert diese Prozesse selbst.

Die kommenden Jahre dürften eine stärkere Integration mikrobiom-basierter Diagnostik in die hausärztliche Praxis bringen. Bestätigen sich die Ergebnisse zu bakteriellen Biomarkern für kognitiven Abbau, könnten einfache Bluttests zur Demenz-Vorsorge kommen. Gleichzeitig wird der regulatorische Druck auf Nahrungsergänzungsmittel und Wellness-Infusionen zunehmen. Die Ernährung der Zukunft wird individueller, ballaststoffreicher und stärker auf die Bedürfnisse der persönlichen Darmflora abgestimmt sein.

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