Darmbakterien, Alzheimer

Darmbakterien und Alzheimer: ImP hängt bei 1.196 Erwachsenen mit Abbau zusammen

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 06:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Untersuchungen verknüpfen entkoffeinierten Kaffee mit Gedächtniswerten und Darm-Imidazolpropionat mit Alzheimer-Markern, ohne Kausalität zu belegen.

Darm-Hirn-Achse: Studien zu Kaffee, Gedächtnis und Alzheimer-Markern
Nahaufnahme von Kaffeekirschen und rohen Kaffeebohnen auf einem Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Studien untersuchen intensiv den Zusammenhang zwischen der Darmgesundheit und dem Gedächtnis sowie die potenzielle Wirkung von Kaffee und Koffein auf kognitive Leistungen und Alzheimer-Symptome. Wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich dabei verstärkt der sogenannten Darm-Hirn-Achse, einem bidirektionalen Kommunikationsnetzwerk zwischen dem Verdauungs- und dem zentralen Nervensystem.

Neue Ergebnisse liefern Hinweise darauf, wie Stoffwechselprodukte von Darmbakterien neurodegenerative Prozesse beeinflussen können und welche Rolle bestimmte Nahrungsmittel für die geistige Fitness spielen.

Kaffeekonsum und kognitive Funktionen

Im April 2026 veröffentlichte ein Forschungsteam des University College Cork und des APC Microbiome Ireland unter der Leitung von Professor John Cryan eine Untersuchung in Nature Communications (DOI 10.1038/s41467-026-71264-8). An der kleinen Studie nahmen 31 Kaffeetrinker teil, die gewöhnlich drei bis fünf Tassen täglich konsumieren.

Nach einem zweiwöchigen Kaffeeverzicht tranken die Probanden über einen Zeitraum von drei Wochen verblindet täglich vier Portionen Instantkaffee. Dabei erhielten 15 Teilnehmende entkoffeinierten und 16 Teilnehmende koffeinhaltigen Kaffee.

Ausschließlich die Gruppe mit entkoffeiniertem Kaffee zeigte signifikante Verbesserungen bei zwei Gedächtnistests, die das Wort- und Ortsgedächtnis prüften, verbunden mit einer geringeren Fehlerquote sowie einem verbesserten episodischen Gedächtnis.

Die Gruppe, die koffeinhaltigen Kaffee konsumierte, wies keine signifikanten Gedächtnisverbesserungen auf, berichtete jedoch über reduzierte Angst und psychische Belastung sowie eine gesteigerte Aufmerksamkeit und geistige Wachheit.

Beide Kaffeevarianten veränderten das Darmmikrobiom und gingen mit niedrigeren selbstberichteten Werten für Stress, Depressionen und Impulsivität einher. Probanden der entkoffeinierten Gruppe gaben zudem eine verbesserte Schlafqualität und mehr körperliche Aktivität an.

Anzeige

Wer sich mit dem Erhalt der kognitiven Fähigkeiten beschäftigt, findet in diesen 11 Alltagsübungen eine einfache Methode, das Gehirn fit zu halten. Der kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie ohne Aufwand und Kosten der Demenz gezielt vorbeugen können. 11 Alltagsübungen für geistige Fitness entdecken

Die Autoren nannten diesen verbesserten Schlaf und die Bewegung als mögliche Erklärungen für die kognitiven Effekte. Analysen brachten Koffein, Theophyllin und Phenolsäuren mit spezifischen Mikroben und Kognitionswerten in Verbindung, wobei kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen wurde.

Finanziert wurde die Arbeit unter anderem vom Institute for Scientific Information on Coffee (ISIC). Zu den Limitationen zählen die geringe Teilnehmerzahl von 15 beziehungsweise 16 Personen pro Gruppe, die dreiwöchige Dauer, eine geringe ethnische Vielfalt, mögliche Übungseffekte bei den Tests sowie die Tatsache, dass die Darmpassage nicht direkt gemessen wurde.

Darmbakterien und Alzheimer-Marker

Ebenfalls im Juni 2026 erschien eine Studie der University of Wisconsin–Madison in Zusammenarbeit mit der UCLA und der University of Gothenburg im Fachjournal Nature Communications. Das Forschungsteam untersuchte das Molekül Imidazolpropionat (ImP), das von Darmbakterien beim Abbau der Aminosäure Histidin gebildet wird.

Bei fast 1.200 Teilnehmern – konkret 1.196 kognitiv unbeeinträchtigten Erwachsenen aus der Kohorte des Wisconsin Registry for Alzheimer's Prevention und des Wisconsin Alzheimer's Disease Research Center – war ImP mit niedrigeren Werten in Kognitionstests, höheren Alzheimer-Blutmarkern wie pTau-217 und einem schnelleren kognitiven Abbau assoziiert. Höchste ImP-Werte korrelierten dabei mit dem schnellsten Abbau, wobei es sich um rein assoziative Befunde ohne belegten Kausalzusammenhang handelt.

In ergänzenden Versuchen mit Mäusen und Zellkulturen verschlechterte ImP die Marker Amyloid sowie Tau und schwächte die Blut-Hirn-Schranke. Im Gehirn war das Molekül mit einer vermehrten Ablagerung von abnormalem Beta-Amyloid und Tau verbunden.

Zudem zeigte sich, dass eine genetische Variante bei etwa 43 Prozent der Teilnehmer europäischer Abstammung mit höheren ImP-Spiegeln und einem leicht erhöhten Alzheimer-Risiko einherging. Als Hypothese wird eine veränderte Ausscheidung über die Nieren vermutet.

Bislang existiert kein nachgewiesenes Probiotikum, Nahrungsergänzungsmittel, Medikament oder Diätkonzept zur gezielten Senkung von ImP. Die Forscher schlagen die Entwicklung eines gezielten Inhibitors als künftigen Forschungsansatz vor.

ImP war bereits in früheren Studien mit Insulinresistenz, Entzündungen, Typ-2-Diabetes und koronarer Herzkrankheit verknüpft worden. Gefördert wurde die Studie durch das Wisconsin Partnership Program, die National Institutes of Health und das US-Landwirtschaftsministerium.

Anzeige

Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Darm-Hirn-Achse gibt es bewährte Strategien zur Stärkung der geistigen Leistung. Dieser kostenlose Kompakt-Ratgeber liefert die 7 Geheimnisse mentaler Fitness für ein aktives Leben bis ins hohe Alter. Kostenlosen Ratgeber zur mentalen Fitness sichern

Signale über den Vagusnerv

Ebenfalls im Juni 2026 publizierte Forscher der University of Southern California (USC) eine Studie in Nature Communications zur Signalübertragung im Körper. Die Arbeit zeigt, dass der Darm nach der Aufnahme nährstoffreicher Nahrung Signale über den Vagusnerv an das Gehirn sendet. Dieser Mechanismus spielt der Untersuchung zufolge eine Rolle bei der Gedächtnisbildung und liefert relevante Ansatzpunkte für das Verständnis der Alzheimer-Krankheit.

Der Kontext dieser mikrobiologischen Erkenntnisse betrifft ein wachsendes Gesundheitsproblem: Nach Angaben der Alzheimer's Association leben in den USA 7,4 Millionen Menschen ab 65 Jahren mit Alzheimer-Demenz. Laut der Lancet Commission aus dem Jahr 2024 könnte fast die Hälfte aller Demenzfälle durch die Adressierung von 14 modifizierbaren Risikofaktoren vermieden oder verzögert werden.

Dass Lebensstilinterventionen wirken, belegte die im Fachjournal JAMA publizierte US-POINTER-Studie aus dem Jahr 2025: Ein strukturiertes Programm aus Bewegung, Ernährung, geistiger Aktivität und Gesundheitschecks führte bei älteren Risikopersonen zu einer moderat, aber statistisch signifikant besseren Denkleistung im Vergleich zu einem reinen Selbsthilfeprogramm.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70238604 |